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Fußball | Union Berlin verkommt zur Schießbude der Liga

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Auch Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) konnte der Bayern-Offensive meist nur hinterherschauen. Foto: imago/Ulmer/Teamfoto »Nur noch drei, nur noch drei«, brüllten die Fans des FC Bayern in der Südkurve der Münchner Fußball-Arena. Im Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin hatte der überragende Michael Olise mit seinem dritten Treffer gerade auf 7:0 erhöht. Weil da regulär noch 14 Minuten zu spielen waren, musste man angesichts der desaströsen Leistung der Hauptstädter in der Tat das Schlimmste befürchten.

Glücklicherweise blieb es aus Sicht der Gäste bei diesem Resultat, das dennoch historisch üble Dimensionen annahm. Im 242. Spiel im gesamtdeutschen Oberhaus kassierte Union seine höchste Bundesliga-Niederlage. Bis zum Freitagabend kam diese »Ehre« der Partie bei Borussia Dortmund am 22. Februar 2025 zu, als es unter Trainer Steffen Baumgart ein 0:6 setzte.

Unter dessen Nachfolger Mauro Lustrinelli ist Union generell zur Schießbude verkommen. Zu Null zu spielen, war für die Eisernen schon in der ungenügenden Saisonvorbereitung nicht drin. Mit nunmehr 17 Gegentoren nach vier Partien stellte Union einen neuen Negativ-Rekord in der Bundesliga auf.

Nur knapp 20 Minuten hielt Union mit. Zur Pause stand es schon 3:0. Im zweiten Abschnitt wurde Union dann komplett auseinandergenommen. »Wir haben die Disziplin und den Fokus verloren. Das Resultat ist zu hoch geworden«, sagte Lustrinelli.   

Das scherte Bayerns Torjäger Harry Kane wenig, der im Spielverlauf in seiner 98. Bundesliga-Begegnung die Tore 100 und 101 markierte. Während Unions Abwehrkette erneut löchrig blieb, markierten gnadenlose Bayern im Verlauf der einseitigen Begegnung drei Traumtore aus der Distanz. »Bayern ist natürlich eine Mannschaft, die nicht aufhört. Das ist einfach ihre Mentalität«, sagte Union-Verteidiger Tom Rothe.

Die letzte 0:7-Klatsche kassierte der FCU am 7. Oktober 2002 im Zweitligaspiel beim 1. FC Köln. Für den damaligen Trainer Georgi Wassilew war es die letzte Partie. Fünf Tage später wurde der Bulgare, mit dem der Verein vor 25 Jahren bei Haka Valkeakoski (1:1) sein erstes Europacup-Spiel überhaupt bestritt, von Präsident Heiner Bertram gefeuert.

Lustrinelli dürfte in der Gegenwart noch Kredit haben. Sowohl Präsident Dirk Zingler als auch Geschäftsführer Horst Heldt wollen dem Schweizer mehr Zeit für seine taktischen Veränderungen geben. Dafür durfte Lustrinelli immerhin drei Co-Trainer mitbringen. Erkennbare Fortschritte kann das neue Trainerteam bislang allerdings nicht vorweisen. Die Aussicht auf eine Verbesserung gegenüber der letzten Spielzeit, die mit Rang elf endete, ist bescheiden.

Zumindest dürfen die meisten Union-Profis nach dem Fehlstart in die Saison jetzt erst einmal durchatmen. Zu Beginn der dreiwöchigen Länderspielphase gibt es von Sonntag bis Mittwoch vier trainingsfreie Tage für alle Akteure, die nicht mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs sind.

Ab Donnerstag wird dann wieder trainiert. Am Sonnabend tritt Union im kroatischen Rijeka zum Abschiedsspiel des früheren Union-Kapitäns Damir Kreilach an. Die Partie bei seinem Heimatverein FC Rijeka wird um 19.17 Uhr angepfiffen, weil der Kroate früher bei Union die Rückennummer 19 und bei Rijeka die 17 trug.

Rund 850 Union-Fans werden beim »Kurzurlaub« vom bisher frustrierenden Ligabetrieb dabei sein. Kreilach erwarb sich in seiner Berliner Zeit zwischen Sommer 2013 und Januar 2018 in 157 Pflichtspielen mit 33 Toren große Popularität.

Nach der Rückkehr aus Kroatien bleiben Union noch zwei Wochen Zeit, um sich auf den Heimspiel-Doppelpack am 10. Oktober gegen die SV Elversberg und am 17. Oktober gegen Borussia Dortmund vorzubereiten. Auch diese Partien gegen den stark gestarteten Aufsteiger Elversberg und Champions-League-Teilnehmer Dortmund garantieren keine Punkte. Der Kader, dem es offensichtlich an Qualität fehlt, wird bis dahin nicht schlagartig besser werden. 

Angesichts der aktuellen und zukünftigen Investitionen in Bauvorhaben sowie für die ebenfalls in der Bundesliga spielenden Union-Frauen fehlte aber wohl das Geld, um den Männern noch mehr als die sechs Neuverpflichtungen zukommen zu lassen.

Von den Verteidigern Marvin Friedrich, Zeno van den Bosch und Felix Uduokhai, Mittelfeldspieler Michel Aebischer und Kastriot Imeri sowie Angreifer Emmanuel Latte Lath kamen bislang kaum Impulse. Friedrich fehlte auch in München verletzungsbedingt. Imeri stand erstmals im Kader, blieb aber die gesamte Spielzeit auf der Bank.

Im Angriff wartet Union sehnsüchtig auf die Rückkehr von Andrej Ilic und Oliver Burke, die in München verletzungsbedingt erneut passen mussten. Ob sie nach der Länderspielpause fit sind, ist offen. Wenn die Defensive nicht stabilisiert werden kann, dürfte aber auch ihr Comeback wenig nützen. 

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Source: nd