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Fußball | Tasmania Berlin gegen Carl Zeiss Jena: Clash of Clans

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Jenaer Herrenchor: Fans des FC Carl Zeiss, die in Tasmanias Werner-Seelenbinder-Sportpark tirilieren Foto: imago/Fotostand/Weiland Neukölln, du Heimstatt der wackeren Kicker von Tasmania Berlin, du bunter Stadtteil vielfältiger Kulturen, du Spätiparadies, wie supergastlich hast du mich und meine Jenaer Fußballfreunde aufgenommen! Groß war der Andrang im Berliner Werner-Seelenbinder-Sportpark, weil die Bundesliga ruhte, dank der Länderspielpause. Recht viele Hertha- und Unionfans hatten sich unters Tasmanenvolk gemischt, um den Jenaer Herrenchor tirilieren zu hören: »Und wenn die Presse wieder hetzt, der Bulle uns die Fresse nässt, dann sind wir da und stehen ein, für unseren FC Carl Zeiss Jena.« Unverfälschte Fanlogik für Fortgeschrittene.

Die Rindswurst war klasse und das Bier floss friedlich in durstige Kehlen. Weil daneben auch noch Tasmania das Scheunentor ganz weit öffnete, sahen meine leidgeplagten Fanaugen unter einem rosafarbenen Siegerhimmel ein unerwartetes 5:1 für Jena. Nun bloß keine Hoffnungen keimen lassen, schon am nächsten Spieltag lauert die faktisch unbesiegbare zweite Mannschaft des 1. FC Magdeburg.

Frank Willmann blickt auf den Fußball zwischen Leipzig, Łódź und Ljubljana.

Die berüchtigten Neuköllner Clan-Bösewichter konnte ich meinen angereisten Thüringern leider nicht auf dem Goldmünztablett servieren. Die Herren Gangster feierten gerüchteweise mit Glatze Wegner seinen Abschied, oder war’s Franzi Giffey? Die zwei traurigen Bürgermeister*innen-Darsteller sind ja von Superwoman Elif vom politischen Parkett gefegt worden. Nun geht die – von Deutsche Wohnen stark supportete – Angst um, ob von Neukölln aus nun die kommunistische Weltrevolution mit Issa Remmo an der Spitze gestartet wird. Putzige Zeiten, ich empfehle Teufelszeug wie Facebook, Instagram und so weiter zu meiden, weil sich dort der Empörungspöbel austobt und den Spaß an der Weltrevolution verbockt.

Apropos verbocken, die letzten Regierungsbeteiligungen der braven Berliner Linken muss ich leider mit einer Fünf minus bewerten. Die gleiche Note bekommt auch der Bundesjürgen von mir. Zu seligen Zeiten des Bundesjulian war – im fernen Land des pissgelben Ungeheuers – Paraguay ein unbezwingbarer Gegner. Am Sonntag bewies das kreuzbrave Griechenland, dass der Fußballteufel noch immer großartige Tiefschläge für die gebeutelte Couchfußballnation bereithält. Mein Wort zum Sonntag: Der Bundesjürgen hat in seiner Zeit als Red-Bull-Knecht jeden Fußballrestsachverstand verloren. Wäre ich Fan der schwarzrotgüldnen Nationalmannschaft made by Nutella, hätte ich große Angst vor Liechtenstein, Andorra und Luxemburg.

Zum Schluss noch was Feines: Das Fußballmagazin »Zeitspiel« gibt es seit ungefähr zehn Jahren – zum Glück! In der gerade erschienenen, unbedingt lesenswerten Nummer 44 widmen sich die Fußballdichtenden Ostdeutschland. Denn 37 Jahre nach der politischen Wiedervereinigung ist der Fußballosten noch eine unterrepräsentierte Zone. Warum das so ist, wer dafür die Verantwortung trägt und wie man es ändern könnte, ist auf knapp 100 Seiten im neuen Heft nachzulesen. Holt euch diese Keimzelle des Guten, das Magazin »Zeitspiel« ist stets unterwegs abseits des Bundesligahochglanzes und der buntscheckigen Schmalzgeschichten (präsentiert von Kukident, Adidas und Red Bull): Ein must-read für Fans des unbehauenen Sports!

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Source: nd