Skip to content
Faultline Prefer us on Google

Germany nd

Fußball | Kontrollverlust im Niedersachsenderby

Wenn Hannover 96 und Eintracht Braunschweig aufeinandertreffen, eskaliert die Rivalität. Selbst Niedersachsens Innenministerin wirkt hilflos.

Deutsch (original) ·Read in English ⇄

Fans von Hannover 96 präsentieren ein großes gelb-blaues Banner, das sie Eintracht-Fans entwendet haben. Foto: dpa/Swen Pförtner Eigentlich ist das ein Clou: In einer Nacht- und Nebelaktion haben Hannoveraner die Choreografie ihres Erzrivalen aus Braunschweig geklaut. Schon beim Heimspiel gegen St. Pauli zeigten sie einen Teil der Banner in der zweiten Halbzeit. Doch für Unbeteiligte war das nicht lustig, denn es offenbarte, wie sehr der Hass die Oberhand gewonnen hatte. Das sah man auch eine Woche später, als ein schwarz gekleideter Mob im Braunschweiger Eintracht-Stadion den Rest der Choreografie am Zaun präsentierte und Teile davon anzündete.

Die Freude über diesen Streich war längst verpufft. Das Aufeinandertreffen beider Vereine am Sonntag wurde von Schmähgesängen, Böllerwürfen und Raketenbeschuss überschattet. Wieder einmal. Selbst bei den Eintracht-Fans wurde die Freude über den wichtigen Sieg im Abstiegskampf von der Antipathie verdrängt.

Eine groteske Rivalität hat sich zwischen beiden Fanlagern in den vergangenen Jahren hochgeschaukelt. Die Ultras beider Vereine sind eitel – sie suchen die Eskalation und die Aufmerksamkeit. Ungefährlich ist das nicht. Das sieht auch Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) so. Insbesondere der gezielte Beschuss von Zuschauern im Nachbarblock jenseits der Pufferzone mit Raketen durch Hannoveraner könnte ein Nachspiel haben. Schwere Verletzungen werden dabei billigend in Kauf genommen. Behrens drohte mit Kollektivstrafen und einem Ausschluss von Fans. Das ist nachvollziehbar.

Setzt die Ministerin ihre Drohung durch, könnte dieses Derby der Auslöser für empfindliche Konsequenzen sein. Solche Strafen würden die Stimmung im Stadion kaputtmachen. Darauf hatte die Fanhilfe Hannover bereits vor zwei Jahren hingewiesen, als sich Behrens nach einem Derby ähnlich geäußert hatte.

Was wäre damit erreicht? Die Gefahr wäre bei einem Zuschauerausschluss lediglich aus dem Stadion verlagert. Vor allem die Gästefans wären dann für die Polizei noch schwieriger zu kontrollieren. Bislang gelingt es nämlich, die beiden Fanlager in der Stadt voneinander zu trennen, und es ist nicht davon auszugehen, dass die organisierten Fans bei einem solchen Szenario artig zu Hause bleiben.

Dieses Gedankenspiel werden auch die für die Sicherheit Verantwortlichen anstellen. Vermutlich werden beide Vereine wegen der Vergehen ihrer Fans eine Geldstrafe wie üblich bekommen. Damit haben sich alle abgefunden. Die mächtige Ultra-Bewegung hätte sich damit einmal mehr behauptet. Sie hat sich längst ihren festen Platz im Stadion erkämpft – und wird ihn nicht einfach wieder aufgeben.

Dieser Artikel hat dich nichts gekostet. Uns schon: Recherche, Produktion und Technik. Wir haben bei der Büromiete sowie bei Druck und Vertrieb gespart. Und wir haben auf Gehalt verzichtet. Trotzdem gilt: Ohne dich geht die Rechnung nicht auf. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro. Du zahlst, was du kannst, dafür schreiben wir weiter.

Keine Paywall, kein Kleingedrucktes, nur ein Ziel: dass nd bleibt.

Originally published bynd
Read the original