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Fußball | Frauen-Bundesliga löst sich vom DFB: Kommen jetzt die Playoffs?
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Treffen Lisa Baum von RB Leipzig (l.) und Nina Lührßen von Eintracht Frankfurt bald auch in den Playoffs aufeinander? Foto: Jennifer Brückner/dpa So manch einer hat gestutzt, als Katharina Kiel am vergangenen Freitag noch mal sehr anschaulich schilderte, warum sich die Frauen-Bundesliga letztlich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) abnabelt. Die Präsidentin des neu gegründeten Ligaverbandes (Frauen-Bundesliga FBL e. V.) gab bei einem Netzwerktreffen in der Loge des Bremer Weserstadions Einblicke in den langwierigen und schwierigen Prozess: »Ein Jahr vor der Ehe haben wir überlegt, und am Ende haben wir uns dafür entschieden, uns nicht gemeinsam ins Bett zu legen.« Ein Vergleich, der nicht nur das Selbstbewusstsein der Ligachefin illustrierte, sondern auch die Entschlossenheit, auf eigenen Füßen zu stehen. Die Ausgliederung wird nun bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am Freitag ab 15 Uhr von den Delegierten abgesegnet. Inzwischen ist auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf überzeugt, dass die Liga so sportlich wie wirtschaftlich am besten vorankommt.
Kiel sprach von einem »formaljuristischen Akt«, den der Verband im dritten Tagesordnungspunkt der digitalen Veranstaltung als »(Unter-)Verpachtung der Frauen-Bundesliga an den Frauen-Bundesliga FBL e.V.« tituliert hat. Ein Grundlagenvertrag regelt die finanziellen Beziehungen, wobei das Geld nicht zum Streitpunkt werden dürfte. Die Frauen-Bundesliga setzte zuletzt 43 Millionen Euro um, bei den Männern sind es inzwischen mehr als fünf Milliarden Euro. Das angedachte Joint Venture zwischen Verband und Vereinen platzte vor allem wegen nicht aufzulösender Machtfragen. Die Klubs sind überzeugt, dass sie im schlanken Konstrukt agiler sind. »Wir wollen mutig sein, um das Richtige zu tun«, sagte Kiel, die bald einen Sitz im DFB-Präsidium erhält.
Bereits mit der Saison 2027/28 geht die Zuständigkeit an ihre Organisation über, die eine Tochtergesellschaft gründen wird. Dafür muss noch eine Geschäftsführung gefunden werden. Im besten Fall wird eine Frau ausgewählt, wie der 2. Vizepräsident Klaus Filbry (Werder Bremen) zu verstehen gab. Der Vorstandsboss der Grün-Weißen kennt aus seiner Zeit in den Gremien der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Prozesse genau. Die Bundesliga der Männer hatte sich am 18. Dezember 2000 dazu entschlossen, sich vom DFB loszulösen. Das erste Liga-Sekretariat begann damals mit sechs Mitarbeitern in der Otto-Fleck-Schneise. In denselben Räumlichkeiten der ehemaligen DFB-Zentrale ist inzwischen Eintracht Frankfurts Frauen-Abteilung untergebracht, der Kiel als Direktorin vorsteht.
Die 34-Jährige appellierte zugleich ausdrücklich an den DFB, »uns weiter zu unterstützen: Die Ausbildung passiert in den Klubs. Die Nationalmannschaft braucht uns.« Das gelte erst recht vor dem Hintergrund der Heim-EM 2029. Es zeichnet sich ab, dass die oberste Frauen-Spielklasse rasch ein neues Gewand bekommt. Noch vor Weihnachten sollen die Medienrechte für die nächsten Spielzeiten vergeben werden. Die totale Zerstückelung des Spieltags wird wieder rückgängig gemacht: Gespielt wird künftig eine Partie am Freitag, eine am Samstag sowie fünf Spiele in der Konferenz am Sonntag. Das Montagsspiel entfällt.
In den Länderspielpausen der Männer sind künftig feste »Leuchtturmspiele« vorgesehen. Der stimmungsvolle Rahmen beim Nordderby Werder gegen HSV (1:0) mit mehr als 26.000 Zuschauern am Freitagabend müsste für jeden Klub ein Ansporn sein, ein ähnliches Event mindestens einmal pro Saison auf die Beine zu stellen. Die Gretchenfrage ist, ob Playoffs kommen. Während der FC Bayern und der VfL Wolfsburg diese Variante ablehnen, ist die Mehrheit der Klubs dafür. Es wäre ein Novum für den deutschen Profifußball.
Kiel fände es »extrem attraktiv, wenn wir mit den Playoffs einen Spannungsbogen aufbauen. Wir werden das Modell im Markt testen.« Letztlich entscheiden die Vereine. Bayern und Wolfsburg haben ihre Vorbehalte aus sportlich nachvollziehbaren Gründen platziert. Sollten die Playoffs nicht deutlich mehr Geld bringen, könnte auch alles bleiben wie bisher. Denn die Medienerlöse machen nur zehn Prozent der Einnahmen aus. Und natürlich birgt es Gefahren, wenn ein Überraschungsmeister in der Champions League nicht konkurrenzfähig ist. Schon diese Saison spielt nur noch Bayern in der Königsklasse, Wolfsburg blamierte sich in den Playoffs gegen Inter Mailand, Frankfurt scheiterte mit Ansage am übermächtigen Paris St. Germain. Das sind Rückschläge für die Liga, die sich gegen den Bedeutungsverlust stemmen muss.
Filbry versicherte, dass sich die in unterschiedlichen Arbeitsgruppen vernetzten Lizenzvereine für die nächsten acht Jahre klar zur Förderung der Frauen-Bundesliga bekannt hätten: »700 bis 800 Millionen Euro wollen die Vereine investieren, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen Ligen aufzuholen.« Kiel bremste aber die Erwartung, dass bei den zunächst für zwei Jahre vergebenen TV-Rechten höhere Erlöse als die bislang 5,17 Millionen Euro jährlich herausspringen werden, die der DFB nach der EM 2022 mit Vermarktungsprofi Holger Blask herausgeholt hatte. »Wir sind froh, wenn wir das Erlöspotenzial erhalten. Die Reichweite steht im Vordergrund.« Erwartungen von zehn Millionen Euro pro Spielzeit seien nicht realistisch.
HSV-Vorstand Eric Huwer würde gerne »ein paar Sachen besser machen, die wir bei den Männern nicht mehr zurückdrehen können«. Ihm gefällt etwa die gleiche Verteilung der Fernsehgelder bei den Frauen. Der Weg ohne den DFB sei teurer, aber die vielen Veränderungen würde man im alten Konstrukt »nicht hinbekommen«. Die Liga möchte höhere Mindeststandards, ein Mindestgehalt und eine bessere Nachwuchsförderung vorantreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Abwanderungswelle gen England bereitet Kiel die größte Sorge: »Wir werden von der WSL (Women’s Super League, Anm. d. Red.) extrem in die Ecke gedrängt.« Wenn Spielerinnen hierzulande bereits »sehr gute Gehälter« bekämen, würden auf der Insel »vier-, fünfmal höhere Monatsgehälter geboten – das ist die bittere Wahrheit«. Das führt dazu, dass sich eine hoffnungsvolle Nationalspielerin wie Carlotta Wamser erst kürzlich fast über Nacht von Bayer Leverkusen zu Manchester City verabschiedet hat.
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Source: nd