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Fußball | Die Fragezeichen bei Union Berlin werden immer größer
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Union-Stürmer Emmanuel Latte Lath (l.) hatte gegen Timo Becker und Schalkes Abwehr keinen leichten Stand. Foto: Julius Frick/dpa Vor 25 Jahren trafen der 1. FC Union Berlin und Schalke 04 im DFB-Pokal-Finale aufeinander. Im Mai 2001 unterlag der damalige Drittligist Union dem seinerzeitigen Vizemeister Schalke im Berliner Olympiastadion ehrenhaft mit 0:2.
Am Freitagabend gab es im Bundesliga-Spiel im Stadion An der Alten Försterei einen ähnlichen Ausgang. Die Gäste aus dem Ruhrpott gewannen mit 3:1, wobei sich Union vor einem Vierteljahrhundert deutlich besser verkauft hatte.
Schalke-Trainer Miron Muslić und seine Spieler rannten nach Abpfiff im Jubelrausch auf den Gästeblock zu. Nach dem 0:3 zum Auftakt beim FC Augsburg und dem bemerkenswerten 0:0 daheim gegen den FC Bayern München gab es nicht nur die ersten Tore in dieser Saison, sondern nach drei Jahren in der 2. Bundesliga auch den ersten Dreier im Oberhaus.
Zuvor hatten die Königsblauen letztmalig am 5. Mai 2023 beim 3:2-Erfolg beim 1. FSV Mainz 05 in der Bundesliga gewonnen. »Wir sind sehr glücklich und zufrieden. Es war der erste Bundesligasieg nach langer Zeit. Das fühlt sich fantastisch an. Ich finde, dass wir vor allem in der ersten Halbzeit wieder eine Top-Struktur auf dem Platz hatten«, sagte Muslić.
Schon vor der Pause war für Schalke viel mehr drin als das 1:0 durch den Ex-Unioner Robin Gosens in der 25. Spielminute. Gleich nach Wiederbeginn nutzte Adil Aouchiche dann eine erneute Schläfrigkeit der Union-Abwehr zum 2:0 aus, die auch schon in der Vorwoche beim desaströsen 0:4 bei Bayer Leverkusen kurz nach dem Seitenwechsel einen Gegentreffer kassiert hatte.
Schalke überstand auch die letzte verzweifelte Druckphase der Unioner nach dem Anschlusstreffer von Tim Skarke, der in seinem 100. Bundesligaspiel in der sechsten Minute der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzen konnte. Als Maximilian Wöber dann in der 13. Minute der Nachspielzeit das alles entscheidende 3:1 erzielte, gab es auf Seiten der Königsblauen kein Halten mehr.
Selbst Robin Gosens jubelte da kräftig mit, nachdem er sich bei seinem Führungstreffer noch zurückgehalten hatte. »Ich war tatsächlich emotional nach dem Tor. Das ist auch ein bisschen das, was der Fußball mit einem macht. Ich habe sehr großen Respekt vor Union, vor den Fans und vor der Zeit, die ich hier hatte. Auf der anderen Seite war es mein erstes Bundesligator für Schalke, für meinen Verein«, sagte Gosens.
Schalke überstand am Ende verdientermaßen auch die ewige Nachspielzeit, die vor allem wegen der Wadenverletzung von Schiedsrichter Timo Gerach in der zweiten Halbzeit zustande gekommen war. Gerach musste trotz Behandlung durch Bundesligadebütant Jarno Wienefeld ersetzt werden, der als vierter Offizieller angefangen hatte.
Schon beim ersten Union-Heimspiel dieser Spielzeit gegen Eintracht Frankfurt (3:3) schied ein Unparteiischer verletzt aus. Am 29. August konnte Assistent René Rode wegen Oberschenkelproblemen nicht weitermachen.
In sportlicher Hinsicht werden die Fragezeichen immer größer. Auch im dritten Ligaspiel setzte es mindestens drei Treffer. »Wir haben ein neues Spielsystem. Klar müssen wir uns noch finden, aber wir brauchen Punkte«, sagte Außenverteidiger Tom Rothe.
Union-Präsident Dirk Zingler und Geschäftsführer Horst Heldt wollen dem neuen Chefcoach Mauro Lustrinelli Zeit geben, taktische Veränderungen wie die Umstellung von einer Dreier- auf eine Vierer-Abwehrkette vorzunehmen und das Union-Spiel nicht mehr so leicht ausrechenbar zu machen.
Aber mit dem aktuellen Kader scheint das (noch) nicht zu funktionieren. Obwohl gegen Schalke mit Abwehrmann Felix Uduokhai, Mittelfeldmann Michel Aebischer und Angreifer Emmanuel Latte Lath drei Neuverpflichtungen in der Startelf standen. Auch sie konnten aber kaum Impulse setzen. Und der für Kreativmomente geholte Neuzugang Kastriot Imeri von Young Boys Bern saß angeschlagen nur auf der Tribüne. »Wir haben zu viele Fehler ohne Druck gemacht. Im Moment brauchen wir viel Aufwand, um ein Tor zu schießen«, sagte Lustrinelli.
Die Frage bleibt, ob die Mannschaft überhaupt ausreichend Qualität besitzt, um den spielerischen Ansatz ihres Schweizer Trainers umzusetzen – zumal mit Andrej Ilić und Oliver Burke zwei Angreifer schon länger verletzt sind und Ilyas Ansah am letzten Tag des Sommertransferfensters für über 20 Millionen Euro an Hull City abgegeben wurde.
Auch deshalb entschied sich Lustrinelli dafür, mit Latte Lath nur eine Sturmspitze aufzustellen. Die 4-2-3-1-Formation fruchtete aber überhaupt nicht. Das gilt bisher auch für das ständige Wechseln des Innenverteidigerpärchens. Gegen Frankfurt begannen Zeno van den Bosch und Leopold Querfeld. In Leverkusen ging es mit van den Bosch und dem nicht überzeugenden Debütanten Uduokhai los. Gegen Schalke setzte Lustrinelli auf Querfeld und Uduokhai. Einspielen ist da nicht wirklich möglich. Auch weil der erfahrene Marvin Friedrich derzeit ebenfalls verletzt ist.
Union ist nach den schlechten Vorbereitungsergebnissen auch im Pflichtspielbetrieb weiter in der Findungsphase. »Wir operieren am offenen Herzen«, hatte Manager Heldt in den Tagen vor dem Schalke-Spiel gesagt.
Die Wege des »Patienten« Union führen am kommenden Freitag ausgerechnet zum Ligakrösus Bayern München. »Da brauchst du einen herausragenden Tag auf allen Positionen. Gerade in München ist es noch mal schwieriger als zu Hause«, sagte Abwehrspieler Rothe. In der aktuellen Verfassung droht Union ein Debakel.
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Source: nd