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Fußball | Böhmische Abenteuer
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Das Vereinswappen am Juliska-Stadion Foto: imago/CTK Photo Sendet der September sein mildes Licht, wird es Zeit, nach Prag aufzubrechen, um dem geliebten Juliska Aufmerksamkeit zu schenken. Die Heimstätte des aktuellen Zweitligisten Dukla Prag, bzw. dessen fantastische Lage auf einem Hügel am nordwestlichen Rand der Stadt, beglückt besonders an einem Abend die müden Reisenden, wenn sie erschöpft von der Fahrt auf der Tribüne Platz nehmen, um sich ganz der illuminierten Perle Böhmens hinzugeben.
Das Stadion na Julisce besteht aus einer großen überdachten Sitzplatztribüne mit Blick auf die Stadt, die weiteren Stadionbauten kann man vernachlässigen, alles konzentriert sich auf die raumgreifende Tribüne. Touristen und Dukla-Fans chillen mit der Klobasa in der linken Hand und einem feinen Prager Bier in der rechten, während unten die rot-gelben Dukla-Kicker halbwegs passabel die Hütte des Gegners bestürmen.
Frank Willmann blickt auf den Fußball zwischen Leipzig, Łódź und Ljubljana.
Wie immer, wenn in Prag, war ich mit Reisegefährten Ecki unterwegs, der fast alles über den tschechischen Fußball und Prag weiß. Dukla war ab 1948 der gepamperte Vorzeigeklub der Tschechoslowakischen Armee, nach der sanften Revolution und dem Ende der Tschechoslowakei kühlte das Interesse des Militärs ab, nun ist Dukla in Prag nur noch die Nummer vier in Prag. Trotzdem gibt es eine kleine Fanbase, die anlässlich unseres Besuchs fleißig die Heldentaten Duklas betrommelte und besang.
Ecki nennt ein winziges NVA-Trauma sein Eigen, seit er in Ostberlin ein paar Jährchen steingrau kostümiert dies und das mit Großväterchen Kalaschnikow bewachen musste. Insofern begegne ich seiner gelegentlich aufschäumenden Militärbegeisterung mit Nachsicht, zumal das Hauptziel anderntags das Stadion Ďolíček von Bohemians Prag sein sollte. Ecki ist seit Menschengedenken Fan der grünweißen Bohemka, denen nebst Chemie Leipzig sein jeweils halbes Herz gehört. Selbstverständlich besitzt er Tribünendauerkarten für beide Vereine.
Wir freuten uns sehr auf den nächsten Tag, doch leider erreichte uns beim Dukla-Gucken die bittere Kunde der Spielabsage, weil der Gegner unter Flatulenz und Schlimmeren zu leiden hätte. Graus & Grusel! Spejbl und Hurvínek noch mal! Dreimal grüngelber Becherovka!
Natürlich hatte Ecki mit Pardubice eine Ausweichidee. In der Heimatstadt des legendären tschechischen Plastiksprengstoff Semtex wollten wir die Sprengmeister gegen die Emporkömmlinge von Artis Brno in Tschechiens höchster Spielklasse knödeln sehen. Militärexperten gegen Künstler, jawollo. Ecki salutierte, ich hauchte »Soldaten sind Mörder!« und sang kleine weiße Friedenstaube. Ecki lächelte mild und inspizierte mit Feldherrenblick die Lage.
Im Duell: Die Künstler aus Brno mit Adam Carlen (l.) gegen die Sprengmeister aus Pardubice mit Daniel Smekal. Foto: imago/CTK Photo/David Tanecek Anderntags ab in den Zug und nach Pardubice gedüst. Reisekader Ecki stellte tröstend eine mehrstündige Stadtführung in Aussicht, die mit Bravour bewältigt wurde. Am Vorabend nahmen wir das Stadion im Sturm, ich erfreute mich an einer weiteren Klobasa, alldieweil Ecki sich inhaltlich auf ein spätes Nachtessen in Prag vorbereitete. Die Künstler (die gewiss keine waren) gewannen bei den Sprengmeistern (die gewiss keine waren), wir beobachteten das Spektakel von der Tribüne und bewiesen viel Langmut bei der Beurteilung der zweitägigen fußballerischen Magerkost.
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Source: nd