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Feminismus | Emma ist raus
Die 50. Jubiläumsausgabe der »Emma« wird die letzte sein. Die Zeitschrift ist Symbol feministischer Debatten, Machtstrukturen und simpler Dichotomien.
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Jahrzehntelang polarisierte das Magazin. Nun ist die Redaktion »ermattet«. Foto: dpa/Sina Schuldt Die »Emma« und ich, wir waren schon seit meiner Geburt per feministischem Du. Schließlich existiert die Zeitschrift mit ihren bald 50 Jahren bereits etwas länger als meine Wenigkeit. Jetzt wird sie zu ihrem runden Geburtstag eingestellt. Das habe, so schreibt es die Emma-Redaktion, keine finanziellen Gründe. Auch wenn die Agitation von Gründerin Alice Schwarzer für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland gemeinsam mit Sahra Wagenknecht 2023 dazu führte, dass jede fünfte Leser*in ihr Abonnement gekündigt hat. Die Belegschaft sei schlicht »ermattet«.
Es gebe keine Redaktion, die eine solche Kontinuität habe, wie die der »Emma«, sagte Schwarzer noch zu Beginn dieses Jahres in einem Spiegel-Interview. Zum großen Teil arbeiten in dem kleinen Team seit Jahrzehnten dieselben Frauen. Versuche, neue Kolleginnen anzuwerben, seien gescheitert. Vielleicht liegt hier, das ist natürlich rein spekulativ, der Hund begraben.
Wie sehr sich Schwarzer bemühte, ihr Aushängeschild an eine andere Person abzugeben, ist fraglich. Schließlich hat sich die Emma in den vergangenen Jahren selten über ihre feministische Solidarität ausgezeichnet. Das zeigt sich auch in ihrer heutigen Pressemitteilung. Mit der Zeitschrift verabschiede sich das »weltweit letzte und einzige professionelle Publikumsmagazin am Kiosk in Feministinnenhand«. Die Redaktionen von »Missy« oder »An.schlägen« werden sich bedanken. Außerhalb des deutschsprachigen Raums dürfte der Seitenhieb feministische Publikationen weniger pikieren.
Konnten Schwarzer und ihre Kolleginnen vielleicht aufgrund ihrer Inhalte keine Nachfolger*innen mehr finden? In ihren ersten Jahrzehnten leisteten sie wichtige Beiträge zur feministischen Debatte, zu Diskussionen rund um Abreibung, sexuelle Gewalt oder sexistische Medizin, die Respekt verdienten.
Mit Aufregereien über Gendersterne, Verbotsdiskursen zu Prostitution, Kopftuch, Minaretten, dem Vermischen von legitimer Religionskritik mit antimuslimischem Rassismus sowie transfeindlichen Ausfällen bis zu rechten Ideologievorwürfen wirkte die »Emma« aber schon länger wie die Großtante, die nach dem Familienessen einfach nicht vom Tisch aufsteht.
Insbesondere in der Jagd auf den sogenannten politischen Islam und die »Transideologie« – ein von der »Emma« aus rechten Diskursen entnommener Begriff – wurden die Zeitschrift zum Aushängeschild eines Theorems, das komplexe Machtstrukturen zugunsten simpler Dichotomien ausblendet. Und das in Zeiten, in denen ein differenzierter, inkludierender Feminismus umso wichtiger ist. Es ist eine Lücke, die die »Emma« nicht füllen konnte oder wollte. Hoffentlich übernehmen das nun andere.