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Evolutionsbiologie | Fledermäuse: Als ein Säugetier fliegen lernte
Fledermäuse verbreiteten sich von Europa aus über die ganze Welt
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Fledermäuse lernten vor rund 65 Millionen Jahren das Fliegen. Foto: pixabay Seit Jahrhunderten halten sich Vorurteile, Mythen, Ängste und Aberglauben über Fledermäuse als Verkörperungen von Dämonen, Hexen und Tod. Zahlreiche Horrorfilme bedienen zudem das Klischee der Fledermaus als blutsaugenden Vampirs. Dabei ernähren sich nur drei mittel- und südamerikanische Arten vom Blut anderer Tiere. Die anderen rund 1400 Fledermausarten laben sich an Insekten, Früchten oder Nektar.
Seit Bram Stokers »Dracula« wird der Ursprung von Fledermausvampiren im Volksglauben in Transsilvanien verortet. Das ist natürlich nur eine Sage. Allerdings ist insofern etwas dran, als dass Transsilvanien ja in Europa liegt, wo laut einer im September 2026 im Wissenschaftsjournal »Nature« veröffentlichten Studie des internationalen Fledermausforschungskonsortiums Bat1K vor Millionen von Jahren die Urahnen der Fledermäuse auf der Evolutionsbühne erschienen.
»Fledermäuse beherrschen den Nachthimmel bereits seit etwa 65 Millionen Jahren, doch die Frage, wo sie sich erstmals in die Lüfte erhoben, ließ sich nur schwer beantworten«, sagt Professorin Suzanne Hand, Paläontologin von der Universität Sydney und eine der 137 Expert*innen aus 64 Ländern des Bat1K. »Fortschritte bei der Genomsequenzierung und in der Computertechnik ermöglichen es uns heute, Daten aus der DNA lebender Fledermäuse mit fossilen Belegen auf eine Weise zu vergleichen und zu kombinieren, wie es zuvor nicht möglich war. Das hat uns ein weitaus klareres Bild des frühen Stammbaums der Fledermäuse vermittelt – und deutet darauf hin, dass Fledermäuse ihren Ursprung in Europa haben.«
Von Europa aus haben sie sich dann über Afrika nach Asien, Australien und in die Amerikas ausgebreitet. Eines der ältesten Fledermausfossilien ist 55 Millionen Jahre alt und wurde im australischen Queensland gefunden. »Dieser Fund unterstreicht die rasche Ausbreitung früher Fledermäuse in alle Winkel der Erde, sobald sie die Flugfähigkeit entwickelt hatten«, sagt Hand.
Nur drei Fledermausarten ernähren sich vom Blut anderer Tiere.
Das interdisziplinäre Bat1K-Konsortium konnte nicht nur Europa als Ursprungsort der Fledermäuse bestimmen, sondern auch zeigen, dass sich die Echoortung der Fledermäuse zum »Sehen« in der Dunkelheit ebenso wie die Flugfähigkeit bereits in der Frühphase ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung herausgebildet hatte.
Fledermäuse sind außergewöhnliche Tiere. Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Ihre Flügel sind umgebildete Hände mit extrem verlängerten Fingern, die durch eine dünne Flughaut miteinander verbunden sind. Viele Arten leben in großen Kolonien. Sie erkennen Artgenossen, kommunizieren mit Lauten, pflegen soziale Beziehungen und Muttertiere finden ihre Jungen selbst in riesigen Kolonien wieder. Manche Fledermäuse können mit ihrer Echoortung mit Ultraschall winzige Insekten erkennen. Im Winterschlaf senken sie Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz so drastisch, dass sie Monate ohne Nahrung überstehen.
Flughunde mit einer Flügelspannweite bis zu 1,7 Metern zählen zu den größten Fledertieren der Welt. Die in Thailand und Myanmar lebende Hummelfledermaus hingegen bringt nur rund zwei Gramm auf die Waage und kommt auf eine Flügelspannweite von 13 bis15 Zentimetern. Die Zwergfledermaus als eine der häufigsten Fledermausarten Europas ist nur unwesentlich größer als die Hummelfledermaus. In unseren Städten jagt sie häufig entlang von Straßenbeleuchtungen, wo sich Insekten sammeln.
Fledermäuse sind für die Wissenschaft hochinteressant. Ihre Eigenschaften der Flugfähigkeit, Ultraschallorientierung, Langlebigkeit und ungewöhnlicher Immunabwehr gegen allerlei Viren machen sie zu einem außergewöhnlichen Forschungsobjekt. Zudem erlebt die Fledermaus in Europa allmählich einen Imagewandel als eine relevante Spezies für Artenvielfalt und funktionierende Ökosysteme.
Das Ansehen der Fledermaus ist in den Kulturen der Welt sehr unterschiedlich. Bei den Maya in Mittelamerika war die Fledermausgottheit Camazotz der gefürchtete Torwächter der Dunkelheit und des Todes. In China hingegen gelten Fledermäuse als Symbole für Glück und Reichtum.
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