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Energiepolitik | Spekulationen mit der Grüngasquote

Trotz allgemeiner Aufregung: Noch ist nicht absehbar, wie viel die privaten Haushalte in Zukunft für das Heizen mit Gas zahlen müssen.

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Biogasanlage in der Pfalz: Frisch geerntete Mais wird zwecks Sauerstoffentzug festgewalzt. Foto: IMAGO/U. J. Alexander Wer erinnert sich? Im Februar 2023 wurden erste Entwürfe des Habeck’schen Heizungsgesetzes durchgestochen. Monatelang folgten immer neue Schlagzeilen, wie teuer Heizen künftig werde und was fossilen Gas- und Ölheizungen drohe. Das hält bis heute an.

Jetzt kommt ein neues Kapitel dazu. Letzte Woche legte das Bundeswirtschaftsministerium seine Vorstellungen für die ab 2028 geltende Grüngasquote vor – aber nicht als rudimentären Gesetzentwurf. Stattdessen verschickte das Haus von Katherina Reiche (CDU) im Vorfeld einer Verbändeanhörung nur ein dünnes, zweiseitiges Eckpunktepapier.

Das reichte für neue reflexartige Schlagzeilen mit besorgten Fragen und voller Spekulationen über künftige Heizpreise. Im Eckpunktepapier selbst steht dazu nichts, dafür Grundsätzliches. Ab 2028 sollen demnach die sogenannten Inverkehrbringer von Heizöl und Erdgas – meist Ölkonzerne, Stadtwerke und Gasversorger – ihren Erzeugnissen ein Prozent sogenannte klimaneutrale Brennstoffe beimischen. 2030 soll dieser Pflichtanteil auf fünf und 2045 auf 100 Prozent steigen.

Als klimaneutraler Brennstoff sind demnach »technologieoffen alle erneuerbaren und kohlenstoffarmen Brennstoffe« zulässig, die europäische Vorgaben wie jene der Erneuerbaren-Richtlinie RED III einhalten. In der Praxis kommen als »grüne« Brennstoffe vor allem Biomethan, »Bioöl« und Wasserstoff infrage. Letzterer muss laut EU-Vorschriften nicht unbedingt grün sein.

Zudem legen die Eckpunkte fest, wo die Grüngasquote nicht gelten soll. Das sind fossile Brennstoffe, die in Industrie und Gewerbe, im Verkehr sowie bei der Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt werden. Somit trifft die Quote künftig nur private Haushalte. Darauf beziehen sich auch die »Heizen wird teurer«-Schlagzeilen. Die Grüngasquote trifft private Haushalte aber nicht direkt, sondern schreibt einen Anteil klimaneutraler Brennstoffe an der Gesamtmenge von Brennstoffen vor, die an private Haushalte geliefert werden.

Ob und wie sehr deswegen die Brennstoffkosten steigen, lässt sich aus heutiger Sicht kaum seriös voraussagen. So soll die Grüngasquote laut dem Eckpunktepapier ähnlich funktionieren wie die sogenannte Treibhausgasminderungs-Quote im Verkehr. Diese Quote wiederum liegt 2026 bei rund 12 Prozent. Anders gesagt: Die Inverkehrbringer – also die Mineralölfirmen – müssen dafür sorgen, dass etwas mehr als ein Achtel der von ihnen gelieferten Antriebsenergie nicht fossil ist.

Je weniger fossile Brennstoffe im Markt sind, desto geringere Mengen grüner Gase werden für die Quote benötigt.

Dafür mischen die Ölfirmen dem Benzin oder Diesel Biokraftstoffe bei. Oder sie kaufen den Herstellern von Biokraftstoffen sowie inländischen E-Auto-Nutzern die jeweilige CO2-Einsparung quasi ab und rechnen das auf ihr verkauftes Benzin oder Diesel an.

Mit den Zertifikaten, die die CO2-Einsparung belegen, wird dabei ein schwunghafter Handel betrieben. Das treibt den Preis je nach Marktlage. Solch ein Quotenmarkt soll sich laut Wirtschaftsministerium auch bei grünen Gasen herausbilden. Im Extremfall kann das dazu führen, dass zum Beispiel ein Gasversorger bei Herstellern von Biomethan so viele CO2-Zertifikate einkauft, dass er auf dem Papier seine Grüngasquote erfüllt, seinen Abnehmern aber weiter zu 100 Prozent fossiles Gas liefert.

Was grün gerechnetes Quotengas am Ende kostet, ist aus heutiger Sicht weitgehend unklar. Im Moment verbrauchen die privaten Haushalte jährlich etwa 260 Milliarden Kilowattstunden Erdgas. Soll 2028 ein Prozent dieses Gases grün sein, wären das 2,6 Milliarden Kilowattstunden.

In Deutschland werden derzeit nach Angaben der Energieagentur Dena etwas mehr als 12 Milliarden Kilowatt Biomethan im Jahr eingespeist, bei einer Auslastung der Anlagen von 84 Prozent. Mögliche zusätzliche Importe einberechnet, sollte es also kein allzu großes Problem sein, 2028 die Ein-Prozent-Quote beim Grüngas zu erfüllen.

Zu dieser Einschätzung tendiert auch die Bioenergiebranche. Die Eckpunkte seien eine gute Diskussionsgrundlage und ließen hoffen, dass ein Hochlauf für grüne Moleküle wirklich ermöglicht werden kann, betont Sandra Rostek vom Hauptstadtbüro Bioenergie. Die Branche könne auch, so Rostek weiter, Bioöl und Biomethan in jeweils ausreichenden Mengen verlässlich und nachhaltig zur Verfügung stellen. Sie verweist auch auf noch nicht genutzte Potenziale an Rest- und Abfallstoffen sowie auf den perspektivisch zurückgehenden Verbrauch von Gas und Öl im Wärmemarkt.

Je weniger fossile Brennstoffe im Markt sind, desto geringere Mengen grüner Gase werden für die Quote aber benötigt, auch wenn ihr Anteil mit der Zeit steigt. Prognosen sind schwierig, zumal zur Grüngasquote noch die sogenannte Biotreppe hinzukommt.

Hierzu legt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz fest, dass jetzt noch in Betrieb gehende neue Gas- und Ölheizungen ab 2029 zunächst 10 Prozent ihrer Heizenergie aus klimafreundlichen Quellen beziehen müssen. Das wird vielfach dasselbe Biomethan sein, auf das die Grüngasquote abstellt.

Diesen offensichtlich doppelten Zugriff aufs Biomethan will das Eckpunktepapier vermeiden: Die privaten Haushalte sollen sich die klimaneutralen Brennstoffe, die über die Grüngasquote zu ihnen kommen, auf ihre Biotreppe anrechnen können. 2030 zum Beispiel soll die Biotreppe einen Anteil von 15 Prozent erreichen und die Grüngasquote einen von 5 Prozent – ein Drittel ihrer »Treppe« wird den Haushalten insofern quasi erlassen. Die Grüngasquote könnte so möglicherweise sogar preisdämpfend wirken.

Der Branchenverband der Gas- und Wasserwirtschaft schätzt seinerseits, dass ein Prozent mehr grüne Gase die Kosten für die Haushalte um ein Prozent erhöhen. Tatsächlich liegen aber die Großhandelspreise für Erdgas derzeit etwa auf dem Niveau von Biomethan.

Die jetzt schon spürbare Teuerung beim Heizen resultiert jedenfalls nicht aus dem Einsatz grüner Gase. So ist seit der mit dem Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise der Haushaltspreis für Erdgas um 80 Prozent gestiegen. Für ein Abebben dieser Krise gibt es keine Anzeichen. Künftig wird, wie Studien zeigen, vor allem die Stilllegung von Gasnetzen den Preis nach oben treiben. Fossiles Erdgas wird zudem durch den CO2-Preis belastet. Wie sich Letzterer im europäischen Rahmen entwickelt, ist unsicher. Dass Heizen teurer wird, liegt also nicht vordergründig an grünem Gas, sondern hängt von vielen anderen Faktoren ab.

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Originally published bynd
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