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Eishockey | Start der DEL: Volle Hallen reichen nicht

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Volle Ränge, viel Werbung: Die Dresdner Eislöwen (blau) im Duell mit den Kölner Haien. Foto: dpa/Robert Michael 18.112 Zuschauer pro Heimspiel: Die Kölner Haie haben in der vergangenen Hauptrunde ihren eigenen »Europarekord« verbessert. Das ist eine Größenordnung, mit der sie auch viele Klubs der nordamerikanischen NHL übertreffen. Ein Sport, der derart die Hallen füllt, sollte auch außerhalb seiner Hochburgen mehr Menschen erreichen können: So lautet die Hoffnung der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die in dieser Woche in die neue Saison startet.

Am Donnerstag empfangen die Eisbären Berlin als Titelverteidiger die Straubing Tigers. Los geht es um 19.30 Uhr in der Arena am Ostbahnhof. Die übrigen zwölf Mannschaften gehen am Freitag zur selben Uhrzeit in ihr erstes Punktspiel der Saison 2026/2027. Wieder dabei sind die Krefelder Pinguine, die nach vier Jahren in die DEL zurückkehren.

Die Berliner können etwas schaffen, das seit der DEL-Gründung 1994 noch keinem Klub gelungen ist: vier Meistertitel in Folge. Allerdings müssen sie den nächsten Anlauf ohne Erfolgstrainer Serge Aubin nehmen. Sein Nachfolger Éric Dubois war zuletzt nur Ko-Trainer in Ingolstadt und übernimmt nun erstmals eine DEL-Mannschaft als Chefcoach. Ein Wagnis. Auch im Tor beginnt etwas Neues: Jack LaFontaine und Jonas Neffin sollen die Abgänge auffangen. Mit Ty Ronning und Leonhard Pföderl bleiben immerhin zwei wichtige Angreifer an Bord.

Rivale Mannheim hat sich für seinen nächsten Meisterschaftsversuch direkt beim Titelverteidiger bedient: Jake Hildebrand, zuletzt dreimal mit Berlin Meister, steht nun beim Vizemeister im Tor. Die Adler holen sich damit auch Erfahrung aus drei erfolgreichen Berliner Titeljagden. Drei Siege aus den ersten vier Spielen der Champions Hockey League geben dem neu besetzten Team zusätzlich Rückenwind.

Die Heim-WM dauert gut zwei Wochen. Die DEL braucht Aufmerksamkeit für eine ganze Saison.

In Köln läuft für Moritz Müller die Zeit. Der 39-jährige Kapitän hat noch einmal um eine Saison verlängert. Eine Meisterschaft wäre die Krönung seiner langen Laufbahn bei den Haien. Nach dem verlorenen Finale 2025 und dem Halbfinal-Aus 2026 nehmen sie den nächsten Anlauf. Marcel Noebels aus Berlin und Daniel Fischbuch aus Iserlohn sollen dabei helfen. Erfahrung haben die Kölner damit reichlich hinzugewonnen.

Dominik Kahun hat mit München bereits drei Meisterschaften gefeiert. Nach acht Jahren in Nordamerika und der Schweiz kehrt der Nationalspieler zurück. »Ich will hier wieder einen Pokal in die Luft stemmen«, erklärte er bei der Bekanntgabe seines Wechsels aus Lausanne. München geht inzwischen in seine dritte Saison in der neuen Arena im Olympiapark. Der größere Rahmen ist vorhanden, der sportliche Anspruch ebenfalls.

Wie begehrt das deutsche Publikum ist, zeigte sich im August ebenfalls in München. Die nordamerikanische Profiliga NHL stellte mit dem FC Bayern eine mehrjährige Partnerschaft vor. Leon Draisaitl und John-Jason Peterka waren dabei. Die weltbeste Eishockeyliga sucht für ihr Wachstum in Deutschland also auch die Nähe zum Fußball.

Bei DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke löst die NHL-Offensive allerdings großen Ärger aus. Besonders kritisiert er die fehlende Abstimmung über die Gastspiele der Ottawa Senators und Chicago Blackhawks am 18. und 20. Dezember in Düsseldorf. Sie fallen in eine für die heimischen Klubs attraktive Zeit kurz vor Weihnachten. »Bislang ist das isoliert und fernab vom deutschen Eishockey«, sagte Tripcke gegenüber dpa. Er befürchtet, dass den deutschen Ligen Zuschauer und Aufmerksamkeit verloren gehen.

Auch beim eigenen Fernsehangebot stellt sich die Frage, wie die DEL zusätzliche Zuschauer erreichen kann. Der Pay-TV-Sender Magenta Sport überträgt alle 364 Hauptrundenspiele und sämtliche Playoffs. DF1 zeigt sonntags eine Partie der Hauptrunde um 16.30 Uhr sowie ausgewählte Playoff-Spiele frei empfangbar. Das Eröffnungsspiel zwischen Berlin und Straubing ist auch bei Magenta Sport kostenlos zu sehen. Wer die ganze Saison verfolgen möchte, braucht dort allerdings ein Abonnement.

Ein regelmäßiges, frei zugängliches Eishockeymagazin als Stream und als TV-Sendung könnte womöglich helfen, Menschen auch jenseits der zahlenden Stammkundschaft anzusprechen. Geschichten über die Spieler, die Rivalitäten und die Besonderheiten der Standorte gäben ihnen einen Anlass, genauer hinzusehen. Wer bislang wenig über Eishockey weiß, braucht auch jemanden, der diesen Sport verständlich erklärt.

Auch bei ihrer Außendarstellung könnte die DEL ansetzen: weniger Werbung auf Eisfläche und Trikots, mehr Aufmerksamkeit für die eigene Vereinskultur. Nach 32 Jahren stellt sich die Frage, ob Hähne (Roosters) und wilde Flügel (Wild Wings) nicht besser etwas Essbares geblieben wären. Mit Ingolstadt und Augsburg gibt es gleich zweimal Panther – besonders unverwechselbar ist das nicht. Wie wäre es, wenn wieder der Mannheimer Eis- und Rollsportclub (MERC) gegen den Augsburger Eislaufverein (AEV) anträte, mit maximal einem Sponsor auf dem Trikot? Dazu neu gestaltete Logos, die an die Vereinsgeschichte anknüpfen. Die hätte schließlich mehr Erzählwert als der nächste Tiername.

Die Heim-WM 2027 bietet eine der Gelegenheiten, bei denen sich Vereinsgeschichten auch einem größeren Publikum erzählen lassen. Am 13. Mai beginnt das Turnier mit Deutschland gegen die Schweiz in der Schalker Fußballarena, anschließend wird bis zum 30. Mai in Düsseldorf und Mannheim gespielt. Für die DEL wird spannend, wie viele der WM-Zuschauer sich anschließend auch für ihre Klubs interessieren. Die Heim-WM dauert gut zwei Wochen. Die DEL will Aufmerksamkeit für eine ganze Saison.

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Source: nd