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Digitales | Hackerangriff: Nach der Katastrophe, vor der Katastrophe

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Nicht so schlimm? Hacker verschafften sich Zugang zu 5,6 Terabyte Daten aus der Berliner Verwaltung. Foto: dpa/Fabian Sommer Kai Wegner (CDU) besitzt eine Fähigkeit, die vielen Menschen fehlt. Er kann auch in der schlimmsten Lage noch das Positive erkennen. So startet der Regierende Bürgermeister seine Pressekonferenz nach der Senatssitzung am Dienstag mit einer erfreulichen Nachricht. »Der Angriff wurde unterbunden«, sagt Wegner. Der schwere Hackerangriff sei erfolgreich eingedämmt worden, man könne ausschließen, dass sich derzeit noch ungebetene Gäste im Berliner Landesnetz aufhielten.

Was zuvor geschehen war, relativiert diese Erfolgsmeldung allerdings. Am Freitag vergangener Woche hatte eine Hackergruppe 5,6 Terabyte – ein Terabyte entspricht 1000 der geläufigeren Gigabytes – Daten aus der Berliner Verwaltung ins Netz gestellt, wo sie nun von jedem heruntergeladen werden können. Zuvor hatten die Hacker ein Lösegeld von zwei Millionen Euro verlangt, das der Senat nicht zu zahlen bereit war.

Es herrscht noch Unklarheit darüber, welche Daten genau betroffen sind. »Die Daten zu sichten, ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt«, sagt Wegner. Zunächst müsste das riesige Datenpaket in Gänze heruntergeladen werden – alleine das soll schon eine Woche dauern. Anschließend müssten aus den Millionen Datensätzen die sicherheitsrelevanten priorisiert werden, bevor dann in der realen Welt Veränderungen etwa an Notfallplänen vorgenommen werden könnten. Die militärische Verteidigungsfähigkeit des Landes sei aber nicht gefährdet, versichert Wegner. Ebenso könne man bereits mit Sicherheit sagen, dass die Abgeordnetenhauswahl am 20. September von dem Angriff unberührt bleibe.

5,6 Terabyte Datensätze aus der Berliner Verwaltung können nun von jedermann heruntergeladen werden.

Um zu der »risikobasierten Priorisierung« zu kommen, werde man auch Künstliche Intelligenz einsetzen, kündigt Berlins Chief Digital Officer – einem Staatssekretär gleichgestellt – Florian Hauer (CDU) an. Die KI soll in der unüberblickbar großen Masse von Datensätzen zunächst diejenigen identifizieren, die Sicherheitsrelevantes beinhalten. Anschließend sollen Menschen die Dokumente sichten.

Bislang habe man bereits einzelne Dokumente mit Bezügen zu kritischer Infrastruktur identifizieren können, sagt Hauer. Dabei hätten sich mehrere Dokumente bei genauerer Prüfung als wenig sensibel erwiesen. »Bisher wurde nichts mit maximaler Kritikalität gefunden«, sagt Hauer. Sollte man entdecken, dass die Daten von Privatpersonen von dem Leak betroffen seien, werde man sie informieren, stellt er in Aussicht. Derzeit arbeite man daran, eine Kontaktstelle aufzubauen, an die sich Bürger über E-Mail und eventuell auch eine Hotline wenden können.

Damit es in der Zukunft nicht erneut zu solchen Angriffen kommt, soll das Berliner Landesnetz strukturell überarbeitet werden. Dazu gehöre, Personal aus den Bezirken auf Senatsebene zu bündeln. »Die Tendenz geht Richtung Zentralisierung«, sagt Hauer. Auch in die Hardware müsse investiert werden. »Das wird mit Sicherheit nicht günstig.«

In den vergangenen Tagen wurden bereits kleinere Schritte unternommen, um weiteren Datenabfluss zu verhindern. So mussten alle Behördenmitarbeiter ihre Passwörter ändern.

Streit gab es zuletzt um die Dienste der US-Firma Crowdstrike, die der Senat beauftragt hatte. Der Bezirk Lichtenberg wollte nicht, dass die Analysesoftware, mit der der IT-Riese das Netz auf mögliche Schwachstellen untersuchen soll, auf den Rechnern seiner Mitarbeiter installiert wird. Crowdstrike-Programme waren 2024 für weltweite IT-Ausfälle verantwortlich, unter denen auch der Hauptstadtflughafen BER leiden musste. Die Firma kooperiert auch mit dem umstrittenen IT-Sicherheitsunternehmen Palantir.

Kurz vor der Senatssitzung habe man allerdings eine Einigung mit dem Bezirk Lichtenberg erreichen können, berichtet Wegner. Crowdstrike sei der Weltmarktführer, sagt Hauer. »Es ging darum, kurzfristig Hilfe zu bekommen.« Deutsche Unternehmen hätten die notwendigen Ressourcen nicht bereitstellen können.

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Source: nd