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Die Linke | Elif Eralp in Berlin: Wie Gysi, aber anders
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Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp befestigt eigenhändig eines ihrer Wahlplakate. Foto: dpa/Christoph Soeder In den Prognosen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl am kommenden Sonntag liegen Linke, CDU, AfD und Grüne nah beieinander. Manche Umfrageergebnisse deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und Linke hin, andere sehen die Sozialisten mit bis zu 23 Prozent der Stimmen vorn. Es gibt eine realistische Chance, dass Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin wird.
Zuvor konnte ihre Partei seit der Wiedervereinigung der bis 1989 durch eine Mauer geteilten Stadt nur einmal davon träumen, den Regierenden Bürgermeister zu stellen. Das war 2001, als die CDU infolge einer Bankenaffäre 17 Prozentpunkte einbüßte und die PDS ihren Wahlkampf voll auf ihr Zugpferd Gregor Gysi zuschnitt. Die PDS stellte extra statt Bezirkslisten eine Landesliste auf. Denn Gysis Name sollte überall in der Stadt auf den Stimmzetteln stehen. Eralp war damals 20 Jahre alt und begann gerade ihr Jura-Studium in Hamburg. Sie lebt erst seit 2011 in Berlin und kandidiert jetzt nur im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Die PDS überraschte 2001 mit Wahlplakaten, auf denen allein »Cool!« oder »Geil!« stand. Es gab ein Gysi-Wahlquartier in der Karl-Marx-Allee, bei dessen Eröffnung ein Kabarettist den Spitzenkandidaten Gysi im Tonfall von SED-Generalsekretär Walter Ulbricht ermahnte, den »Klassenstandpunkt« zu beachten. Für eine Regierungszusammenarbeit sollte sich die PDS damals für den Bau der Mauer entschuldigen. Aber die im Kalten Krieg den Westberlinern antrainierten Angstreflexe funktionierten nicht mehr. Auch dort wurde Gysi bei Auftritten zugejubelt, auch dort wurde seine Partei plötzlich gewählt. Wo Ostberlin und wo Westberlin war, lässt sich an den Wahlergebnissen der Linken heutzutage nicht mehr ablesen.
2001 betrug die Arbeitslosenquote in Berlin 16,1 Prozent und lag damit 1,3 Prozentpunkte unter der in Brandenburg. Mittlerweile hat sich das Verhältnis umgekehrt. In der Hauptstadt liegt die Quote zurzeit bei 10,6 Prozent, in Brandenburg nur bei 6,5 Prozent. In Berlin herrscht schon seit Jahren Wohnungsnot. Seinerzeit aber standen Wohnungen leer und ganze Blöcke wurden ersatzlos abgerissen. Eine Wohnung, die damals für rund 500 Euro im Monat gemietet werden konnte, kostet mittlerweile 1500 Euro aufwärts, ohne in der Zwischenzeit modernisiert worden zu sein.
Beim Urnengang im Oktober 2001 erzielte die PDS 22,6 Prozent, ihr immer noch unübertroffenes Rekordergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl. Das reichte dann aber nur für Platz drei hinter SPD und CDU und für die Rolle des Juniorpartnerts in einer rot-roten Koalition. Gysi wurde nicht Regierender Bürgermeister, sondern Wirtschaftssenator. Er blieb es gerade einmal fünf Monate. Dann trat Gysi im Zuge der Bonusmeilen-Affäre zurück. Er und der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Grüne) hatten dienstlich erworbene Vielflieger-Rabatte privat benutzt. Gysi war also bereits nicht mehr in der Verantwortung, als der rot-rote Senat 2004 fast 66.000 kommunale Wohnungen privatisierte. Es würde nun an Elif Eralp sein, diesen schweren Fehler zu korrigieren und große Wohnungsbestände zu vergesellschaften.
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Source: nd