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Deutscher Olympischer Sportbund | DOSB-Kandidat Martin Engelhardt: »Leistung ist nichts Negatives«

Der Sportmediziner erklärt, warum er bei der Präsidentenwahl des DOSB antritt und was er gegen den Bewegungsmangel in Deutschland tun will.

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Der Schulsport soll in Engelhardts Plänen eine Schlüsselrolle einnehmen. Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch Wie lange haben Sie mit sich gerungen, für eines der wichtigsten Ämter im deutschen Sport zu kandidieren?

Das beschäftigt mich gedanklich schon seit Jahren, ohne dass ich konkrete Pläne verfolgt hätte. Ich hatte immer Vorstellungen davon, wie der Sport Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft entgegenwirken kann. Der Sport kann nicht alle Probleme lösen. Aber wir haben ein gutes Angebot, dem wir ein anderes Gewicht verschaffen müssen. Das Kernziel muss dabei eine Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und des Zusammenlebens innerhalb unserer Gesellschaft sein, die ja doch an vielen Stellen auseinanderdriftet.

Wie kann der Sport den Zusammenhalt stärken?

Auf dem Gelände meines Vereins WSV Großkrotzenburg treffen Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Einstellungen aufeinander. Trotzdem begegnen sie sich mit Respekt, tauschen Argumente aus und bleiben miteinander im Gespräch. Dasselbe sehen wir bei Olympischen Spielen: Über Grenzen hinweg entsteht Gemeinschaft. Genau das brauchen wir dringend: Wir müssen aus unseren Blasen herauskommen und wieder mehr miteinander reden, statt nur auf Bildschirme zu schauen.

Martin Engelhardt ist seit 50 Jahren in vielfältigen Positionen ehrenamtlich im organisierten Sport tätig und führt als langjähriger Präsident die Deutsche Triathlon-Union an. Der 66-Jährige arbeitet hauptberuflich als Orthopäde, Unfallchirurg und Sportmediziner und leitet in Osnabrück die Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie. Seinen Arztberuf will er im März 2027 aufgeben – und würde zuvor gerne am 5. Dezember neuer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) werden.

Norwegen hat vorgemacht, wie man eine solche Entwicklung anstoßen kann. Dort hat es 12 bis 20 Jahre gedauert, bis die Maßnahmen richtig angekommen sind. Es geht um gesunde Ernährung und die Freude an lebenslanger Bewegung. Wissenschaftlich ist belegt, dass sich ein erheblicher Teil der Demenzerkrankungen durch die Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck sowie regelmäßigen Sport verhindern lässt. Wer erlebt hat, welches Leid Demenz für Betroffene und Angehörige bedeutet, weiß, wie viel wir durch Prävention erreichen könnten.

Wir müssen in den Schulen anfangen, eine vernünftige Sportlehrer- und Trainerausbildung fördern und unsere Sportstätten in Ordnung bringen. Auch Leistungsanforderungen im Schulsport sollten kein Tabu sein. Es geht nicht darum, Kinder mit Übergewicht zu bestrafen, sondern sie zu motivieren und ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Wir müssen uns aber auch zur Leistung bekennen. Leistung ist nichts Negatives. Kinder haben schließlich Freude daran, sich miteinander zu messen.

Der Ganztagsschule kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Wie stellen Sie sich mehr Bewegung im Schulalltag vor?

Die Idee von 60 Minuten qualifizierter Bewegung am Tag in der Schule ist richtig. Aber das geht nicht ohne politische Unterstützung und ohne die Kommunen. Hamburg ist für mich ein positives Beispiel. Unter dem Motto »Active City« wurde dort ein umfassendes Konzept entwickelt. Es wurden Kompromisse gesucht und Kooperationen mit Vereinen vereinbart, deren Trainer an den Schulen eingesetzt und dafür bezahlt werden. Das funktioniert noch nicht flächendeckend, ist aber ein Anfang.

Was kostet unsere Gesellschaft der Bewegungsmangel?

Wir geben in Deutschland mittlerweile nachweislich mehr als 500 Milliarden Euro jährlich für den Gesundheits- und Krankheitskomplex aus. Rund 80 Prozent der Kosten entfallen auf Zivilisationserkrankungen, die sich durch vernünftige Verhaltensweisen und Maßnahmen zumindest deutlich reduzieren ließen. Der Sport ist dabei ein wesentlicher Hebel. Er kann nicht nur die Gesundheit verbessern, sondern auch die Stimmung in der Gesellschaft positiv beeinflussen.

Damit setzen Sie andere Schwerpunkte als Michael Mronz, der ebenfalls für die DOSB-Präsidentschaft kandidiert.

Aufgrund meiner Vita setze ich andere Schwerpunkte. Ich möchte aber ausdrücklich nichts Negatives über Michael Mronz sagen. Er ist kompetent, und wir haben zwei Jahre im Präsidium gut zusammengearbeitet. Im internationalen Bereich leistet er gute Arbeit. Er hat den Bewerbungsprozess für Olympische Spiele sehr unterstützt. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten den deutschen Sport wirksamer voranbringen können.

Das gibt die Satzung nicht her. Es gibt nur einen DOSB-Präsidenten, der sich um die gesamte Breite des deutschen Sports kümmern muss. Trotzdem kann man die Aufgaben klar verteilen. Natürlich würde auch ich als Präsident den Olympia-Prozess aktiv unterstützen. Aber es wäre sinnvoll, wenn Michael Mronz die internationale Arbeit federführend fortsetzt. Er hat sich im IOC viel Vertrauen erarbeitet.

Michael Mronz ist der Auffassung, dass er durch das Präsidentenamt im IOC gestärkt würde, was der deutschen Olympia-Bewerbung helfen könnte.

Ich sehe das anders. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir eine gute Geschichte und ein überzeugendes Konzept haben und als deutscher Sport geschlossen auftreten. Wir müssen ein Team bilden, in dem die Aufgaben nach den jeweiligen Fähigkeiten und Schwerpunkten verteilt werden. Auch für die Olympia-Bewerbung, aber darauf dürfen wir uns nicht ausschließlich konzentrieren.

Weil die Bewerbung mit zu vielen Erwartungen überfrachtet wird?

Das ist ein großes Risiko. Wir wissen nicht, ob wir die Spiele bekommen. Am Ende entscheidet das IOC, und dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, die wir nicht in der Hand haben. Deshalb dürfen wir nicht alles auf eine Karte setzen. Wir müssen unabhängig von der Bewerbung positive Veränderungen für Athleten und Bürger erreichen. Mein Programm muss auch umgesetzt werden, wenn wir keine Olympischen Spiele bekommen.

Treiben Sie selbst noch regelmäßig Sport?

Heute Morgen bin ich vor dem Interview bereits 40 Minuten gelaufen. Das mache ich mindestens viermal pro Woche. Im Sommer fahre ich außerdem viel Rad. Mit zunehmendem Alter ist das eine gelenkschonende und gesunde Form der Bewegung. Das empfehle ich nicht nur meinen Patienten, sondern halte mich auch selbst daran.

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Originally published bynd
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