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Politics · nd · · 3h

Denis Scheck | Denis Scheck: Mit Nazisprache gegen links

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Foto: dpa/Christian Charisius Der Mann hat es drauf: Zielgenau fällt er Urteile über Bücher und ihre Autor*innen, über politische Debatten und vieles mehr. Dafür hat Denis Scheck reichlich Sendezeit in den Öffentlich-Rechtlichen. Aus irgendeinem Grund hatte Sandra Maischberger den 61-Jährigen diese Woche in ihre Talkshow eingeladen. Hier sollte er als Kommentator eine Einschätzung der politischen Lage nach dem für die »politische Mitte« so gruseligen Erfolg der Partei Die Linke bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl abgeben. Das tat er gern.

Die Pläne der Partei, den Berliner Volksentscheid für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne umzusetzen, bezeichnete der selbsternannte »Streiter für das Gute, Schöne und Wahre« als »Rattenfängerei«, das Wahlverhalten der Berliner mit Blick auf den DDR-Sozialismus bis 1989 als »Kollektivamnesie«. Und SPD und Grüne warnte er vor einer Koalition mit der Linken: »Wer sich mit Hunden zu Bett legt, der braucht sich nicht wundern, wenn er morgens mit Flöhen aufwacht.«

Als der später auf die TV-Bühne gerufene ehemalige Linke-Vorsitzende Jan van Aken gegen diese Geschmacklosigkeit protestierte, legte Scheck fröhlich nach: »Es tut mir leid. Ich hätte die Linke niemals mit einem Hund vergleichen dürfen, sondern gleich von einem Floh reden müssen.« Ein Mann wie Scheck dürfte wissen, bei wem er da rhetorische Anleihen nimmt. Victor Klemperer hat schließlich in seinem Klassiker »LTI« dargelegt, wie die Nazis politische Gegner und Juden entmenschlichten, indem sie sie als Ungeziefer beschimpften.

Der Literaturkritiker ist schon früher auffällig geworden. In seiner SWR-Reihe »Schecks Anti-Kanon« inszenierte er sich als Gott in Weiß und stellte die angeblich schlechtesten Bücher der Weltgeschichte vor. Aus seinem Ärmel zuckte dabei ein blauer Blitz, der tricktechnisch animiert ein Buch trifft, das daraufhin in Flammen aufgeht. Im Juli 2021 vernichtete Gott Schenk so symbolisch nicht nur Hitlers »Mein Kampf«, sondern auch Christa Wolfs Erzählung »Kassandra«. Kritiker empörten sich sowohl über das In-einen-Topf-Werfen der »Führer«-Ergüsse und des Werks einer international angesehenen Literatin als auch über das angedeutete Verbrennen von Büchern. Die »Süddeutsche« fand, diese Assoziation sei an den Haaren herbeigezogen.

Denis Scheck selbst fand sich höchstwahrscheinlich sehr witzig. Schon 2013 hatte er für einen kleinen Skandal gesorgt. In seiner Sendung »Druckfrisch« trat er damals mit schwarz geschminktem Gesicht auf. So wollte er sich über Verlage lustig machen, die aus bekannten Kinderbüchern das N-Wort entfernt hatten. Das nannte er »feigen vorauseilenden Gehorsam vor den Tollheiten einer auf die Kunst übergriffigen politischen Korrektheit«. Kritikern dieses Rückgriffs auf rassistische Stereotype hielt Scheck anschließend entgegen, er habe doch in seinem Beitrag zum Thema zugleich gegen jede Art Diskriminierung Position bezogen. Und so wird er wohl auch jede Ähnlichkeit zwischen seiner Darstellung der Linken und dehumanisierender Nazi-Sprache leugnen.

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Source: nd