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Demonstration | Streit ums Russische Haus erreicht die Straße
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Szene auf der Kundgebung des BSW unter dem Motto »Brücken statt Mauern: Zur Unterstützung des Russischen Hauses und der Goethe-Institute in Russland« Foto: dpa/Fabian Sommer Wäre es ein Freitag wie jeder andere, so stünde noch bis 20 Uhr eine Mahnwache mit ukrainischen Flaggen vor dem Russischen Haus in der Berliner Friedrichstraße. Doch an diesem Tag findet dort ab 18 Uhr eine Kundgebung des BSW gegen die geplante Schließung des 1984 eröffneten Kulturzentrums statt. Darum weichen die Aktivisten zur nächsten Kreuzung aus und stehen dort mit etwa 50 anderen Leuten bei einer Gegenkundgebung.
Deutschland macht Russland für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Es will mit der Auflösung des Generalkonsulats in Bonn reagieren und mit der Schließung des Russischen Hauses der Kultur und Wissenschaft in Berlin, das einst die DDR gebaut und der Sowjetunion geschenkt hatte. Dessen Mitarbeiter und ihre Familien sollen die Bundesrepublik verlassen. Doch so schnell geht das alles nicht. Erst einmal ist bis spätestens 6. Dezember ein Abkommen von 2011 zu kündigen, damit es sich nicht automatisch um fünf Jahre verlängert.
Am Einlass des Russischen Hauses hieß es am Mittwochabend noch, es sei für Besucher nun nicht mehr zugänglich. Am Freitagabend ist es wieder hell erleuchtet. Gäste strömen rein und raus, Teilnehmer der Kundgebung holen sich im geöffneten Café warme Getränke, während auf der Bühne der BSW-Landesvorsitzende Alexander King spricht und nach ihm die ehemalige Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen. Was das Russische Haus betrifft, sind sich beide mit der Kommunistischen Plattform der Linken einig: Es soll geöffnet bleiben.
»In der DDR entwickelte sich die deutsch-sowjetische Freundschaft. Sie wurde – das ist nicht übertrieben – für Millionen Menschen zur Herzenssache«, steht in einer Erklärung des Bundessprecherrats der Kommunistischen Plattform (KPF). »Länger als ein Vierteljahrhundert leben wir nun in einem anderen Deutschland. Und Russenhass wird wieder großgeschrieben. In der alten Bundesrepublik blieb dieser Hass mehr oder weniger unterschwellig immer existent.«
Deutschland ertüchtige sich, Krieg zu führen – erneut gegen Russland. Angeblich mache der Krieg in der Ukraine die Aufrüstung erforderlich, so die KPF. Damit es nicht zum atomaren Inferno komme, dürften jetzt die letzten Brücken zu Russland nicht abbrechen. »Kultur war nach 1945 so eine Brücke, und das Russische Haus muss so eine Brücke bleiben.«
Ganz anders sieht das Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. »Ich kann freier atmen, wenn ich weiß, dass in diesem Haus nichts mehr stattfindet«, sagt sie bei der Gegenkundgebung. Auf den Drohnenangriff von Leipzig sei dies »eine milde Reaktion« und »überfällig«. Dass Russland im Gegenzug die Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg dichtmachen wolle, bedauert Jarasch zwar, aber richtig traurig macht sie das nicht. »Da konnte doch nichts mehr stattfinden«, winkt die Politikerin ab. Im Prinzip seien dort nur noch Deutschkurse angeboten worden. Die Kultur werde ja unterdrückt in Russland.
Die Gegendemonstranten sind froh, wenn das Russische Haus endlich geschlossen wird. Foto: dpa/Fabian Sommer Zwischen der Kundgebung und der Gegenkundgebung postierte sich zusätzlich noch eine dritte Gruppe – ein Dutzend Männer und Frauen, zumeist Russen, die unter anderem skandieren: »Rossija bjes Putin.« Also Russland ohne seinen Präsidenten Wladimir Putin. Diese Gruppe zeigt weiß-blaue Flaggen. Das sei die »russische Fahne des Friedens«, erläutert einer der Männer, der selbst Russe ist. Die Staatsflagge Russlands ist weiß, blau und rot. Doch das »Blutrot« haben die Oppositionellen bewusst entfernt, um zu zeigen, dass sie mit dem Blutvergießen in der Ukraine nicht einverstanden sind.
»Völker sind keine Feinde. Sie werden nur aufgehetzt.«
An der BSW-Kundgebung nehmen mehrere hundert Menschen teil, darunter Ellen Brombacher und andere Genossen von der Kommunistischen Plattform. Nicht eingeladen, aber auch nicht zufällig vorbeigekommen, sondern ganz bewusst vor dem Russischen Haus dabei ist auch der sächsische Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse von der AfD. Warum? »Weil ich unabhängig von den politischen Grundüberzeugungen mit den Menschen für Frieden und Völkerverständigung auf der Straße sein will«, sagt Hilse dem »nd«, als er von einem Mitarbeiter der Linksfraktion erkannt wird. Hilse ist überzeugt: »Völker sind keine Feinde. Sie werden nur aufgehetzt.« Die Eskalation mache ihm Angst.
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Source: nd