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Dauerinflation | USA: Die Armen werden ärmer

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Die Schlange vor einer Essensausgabe in New York. Foto: IMAGO/Xinhua Das Hauptproblem der US-Amerikaner sechs Wochen vor den nationalen Zwischenwahlen ist: Fast alles wird teurer. Benzin kostet im Durchschnitt 4,47 Dollar pro Gallon (ca. 3, 8 Liter), 41 Prozent mehr als vor einem Jahr. Diesel stieg auf den Rekordpreis von sechs Dollar pro Gallon. Insgesamt kletterten die Verbraucherpreise seit 2019 um mehr als 30 Prozent.

Nach einer Umfrage der New York Times und dem Siena College Research Institute ist die Verteuerung der Lebenshaltungskosten für die Mehrheit die wichtigste Frage bei den kommenden Zwischenwahlen. 75 Prozent der US-Bürger sind deshalb mit Trumps Politik unzufrieden. Joe Biden verlor die Präsidentschaftswahl 2024 wegen der immensen Inflation nach der Pandemie. Sie hatte im Juni 2022 eine Rate von 9,1 Prozent erreicht.

Dagegen betrug die Inflation in diesem August 3,4 Prozent. Zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit lag sie lediglich bei 2,3 Prozent. Das ist beinahe die Rate, die die US-Zentralbank ansteuert. Es folgten Trumps Zollpolitik sowie der Krieg mit dem Iran. Seit fünf Monaten können die Lohnzuwächse mit der Inflation nicht mehr mithalten. Die Zentralbank setzte nun auf eine Zinserhöhung, um die Entwicklung auszubremsen.

Nicht nur Rentner oder Sozialhilfeempfänger merken das Preisniveau schmerzlich. Der Geschäftsführer des Discounters »Dollar General«, Todd Vasos, berichtet, dass auch Kunden der oberen Mittelschicht ihre Einkaufspraktiken geändert hätten. Selbst jene, die 100.000 Dollar im Jahr verdienen, kaufen inzwischen vorsichtiger ein.

Waren 2020 nur 9,4 Prozent der über 65-jährigen Bürger offiziell arm, waren es letztes Jahr bereits 15,4 Prozent.

Um so drastischer sind die Einsparungen für die Armen. Gideon Lukens, vom Forschungsinstitut Center on Budget and Policy Priorities, beschreibt die aktuelle Lage als »Ruhe vor dem Sturm«. Die Armutsrate, die 2024 und 2025 13,1 Prozent der Bevölkerung umfasste, werde in die Höhe schießen, da sich nun auch Trumps massive Sozialkürzungen vom Juli 2025 auswirken. Auch die Zahl der US-Amerikaner mit staatlich-subventionierter Krankenversicherung (Obamacare) fällt. Im Allgemeinen erwarten Analysten eine Verringerung von 20 Prozent. Waren 2020 nur 9,4 Prozent der über 65-jährigen Bürger offiziell arm, waren es letztes Jahr bereits 15,4 Prozent.

Die Ohio Association of Foodbanks (Essenstafeln) berichtet von einer deutlich gestiegenen Nachfrage. Im Nordosten befürchtet Generation Power CT, eine Organisation, die Finanzhilfe für Heizungskosten bereitstellt, dass die übliche Hilfe von 500 Dollar pro bedürftigem Haushalt nicht einmal mehr die Lieferkosten abdecken wird. Heizöl kostet bis zu 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausgerechnet in den trumptreuen ländlichen Bezirken fährt man im Durchschnitt 26 Prozent längere Strecken als anderswo.

So mutet die Rhetorik der Trump-Regierung zunehmend absurd an. Vizepräsident J.D. Vance erklärte beim republikanischen Wahlkampfauftakt in Dallas Anfang September: »Vor zwei Jahren, meine Damen und Herren, war unsere Nation müde. Wir waren es leid, mit anzusehen, wie unsere Fabriken schlossen … Wir waren es leid, uns nichts mehr leisten zu können. Unser Land (wurde) schmutziger, ärmer, unsicherer und weniger wohlhabend ... Das Erbe der Demokraten aus den letzten Jahren bestand darin, dass sie unser Land in den Ruin getrieben und uns arm zurückgelassen haben.«

Trump versucht, die Folgen der Inflation frontal anzugehen. In Dallas versprach er einen 5000-Dollar-Scheck für jeden erwachsenen Amerikaner, wenn seine Partei die Wahlen gewinnen sollte. 1,3 Billionen Dollar würde seine Idee den Staat kosten.

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Source: nd