Faultline Faultline Kommando 161

Germany · nd · · 1h

Chemie | Evonik baut weitere Stellen ab

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Der Evonik-Standort in Essen Foto: IMAGO/Michael Gohl Im Zuge des großen Sparprogramms beim Spezialchemieunternehmen Evonik aus Essen fordert die Chemiegewerkschaft IGBCE den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten und zugleich richtungsweisende Investitionen in die Zukunft der Evonik-Standorte vorzunehmen. Derweil nimmt der bereits angekündigte Konzernumbau weiter konkrete Formen an. Vorgesehen sind Werkschließungen, ein massiver Stellenabbau und Firmenverkäufe. Das MDax-Unternehmen will bis 2029 gut 3200 Arbeitsplätze streichen, davon 2150 in Deutschland, heißt es. Von den beiden Töchtern Oxeno und Syneqt mit knapp 4300 Beschäftigten will sich der Konzern ebenso trennen. Besonders NRW mit dem riesigen Chemiepark in Marl ist davon betroffen.

Mit einem bereits seit etwa drei Jahren laufenden Sparprogramm, das nun bis 2029 verlängert wird, soll somit die Belegschaft von Evonik um insgesamt rund 10.000 auf dann nur noch 20.000 Mitarbeitende schrumpfen. Im Zuge des Umbaus werden betriebsbedingte Kündigungen noch ausgeschlossen. Frei werdende Stellen sollen aber nicht nachbesetzt, Beschäftigte vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet oder freiwillige Abgänge über Abfindungen vereinbart werden.

»Es braucht jetzt mutige Investitionen in die deutschen Standorte.«

Von Mitarbeitenden des Essener Konzerns hört man, dass viele sich Sorgen machten. Zumal schon viele Kürzungs- und Personalabbauprogramme mitgetragen wurden. »Wir werden die Betriebsrätinnen und Betriebsräte in den anstehenden Verhandlungen weiter unterstützen. Klar ist für uns: Diese Verhandlungen müssen auf Augenhöhe stattfinden«, sagt Sophia Schönborn vom IGBCE-Landesbezirk NRW auf nd-Anfrage.

Trotz aktuell gut laufender Geschäfte – aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, dass Evonik sogar von dem Angriffskrieg der USA auf den Iran profitiert – will der Konzern auf die strukturellen Probleme der Chemieindustrie reagieren. Für das Gesamtjahr hat der Verband der Chemischen Industrie (VCI) zuletzt seine Produktionsprognose auf einen Rückgang um 1,5 Prozent abgesenkt. Noch zu Beginn des Jahres sprach der VCI von einer »Stagnation«. Es steht also nicht gut um die Schlüsselbranche mit knapp einer halben Million von Beschäftigten in Deutschland.

Die Chemiebranche kämpft seit Langem mit unterdurchschnittlicher Auslastung, teurer Energie, US-Zöllen, der schwachen Konjunktur und vor allem mit ausländischer Konkurrenz am Weltmarkt. Der Iran-Krieg belastet viele Chemiefirmen in Deutschland zusätzlich.

Aus dem Konzern ist zu hören, dass insbesondere das Ergebnis des zweiten Quartals deutlich über den Erwartungen lag. Das habe damit zu tun, dass der Konzern multinational aufgestellt sei und eben nicht auf Vorprodukte und die Handelsroute über die Straße von Hormus angewiesen sei. Die gesteigerte Nachfrage werde im Konzern aber lediglich als temporärer Effekt eingestuft. Am Umbau werde »konsequent festgehalten«, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Aus IGBCE-Sicht seien nunmehr »konkrete Zukunftsperspektiven und Investitionen in die innovative Modernisierung der Standorte hierzulande« entscheidend. »Drumherum gibt es gute Fachkräfte, Infrastrukturen, eine stabile Demokratie und einen großen Markt«, so Sophia Schönborn.

Evonik hat verlautbaren lassen, es wolle künftiges Wachstum insbesondere in Asien und Amerika vorantreiben. Diese Ausrichtung dürfe nicht zulasten der deutschen Standorte gehen, mahnt Schönborn. »Wachstumschancen in anderen Märkten zu nutzen, ist nachvollziehbar. Gleichzeitig braucht es jetzt mutige Investitionen in die deutschen Standorte.« Gerade Nachhaltigkeit und die Transformation zur Klimaneutralität böten weiterhin lohnenswerte Zukunftsmärkte. »Dieses Potenzial gilt es zu nutzen, statt die Standorte immer wieder mit neuen Kürzungsrunden zu konfrontieren«, sagt Schönborn.

Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär.

→ unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen

Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

Read the full story at the source

Source: nd