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BVG | Gleisschaden nahe Alex: Kürzere Bahnen auf mehreren Tramlinien
Wegen eines Gleisschadens musste die BVG die Zwei-Wagen-Züge von der M4 abziehen. Der Fahrgastverband kritisiert die mal wieder mangelnde Information.
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Der Einsatz der kapazitätsstarken GT6-Doppeltraktionen auf der M4 ist vorerst Geschichte. Foto: Nicolas Šustr Das Schrammen auf dem Asphalt ist nicht zu überhören, als der Zug der Straßenbahnlinie M4 kurz vor dem Alexanderplatz von der Otto-Braun-Straße in die Wadzeckstraße einbiegt. Der letzte Wagenteil der aus zwei dreiteiligen Fahrzeugen bestehenden Komposition setzt satt auf dem Straßenbelag auf.
Das »nd« vorliegende Video zeigt eindrücklich, warum die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Mittwochnachmittag die kapazitätsstarken GT6-Doppel von der M4 abgezogen haben. Ersetzt wurden die 300 Fahrgäste fassenden Züge durch siebenteilige Flexity-Bahnen, die Platz für nicht einmal 250 Passagiere bieten.
Zur konkreten Ursache sagt die BVG auf Anfrage von »nd« nichts. Sie informiert, dass die Gleise in der Wadzeckstraße »perspektivisch zur Erneuerung« anstünden und »laufend geprüft« würden. Wann genau wieder die gewohnte Kapazität auf der mit fast 100.000 Fahrgästen täglich am zweitstärksten nachgefragten Berliner Tramlinie angeboten werden kann, bleibt offen.
»In den nächsten Tagen stehen noch Vermessungsarbeiten an. Bis zum Abschluss der Analyse können die gekoppelten GT6-Bahnen vorerst nicht auf der M4 eingesetzt werden«, heißt es von der BVG.
»Wer seine Fahrgäste liebt, der informiert sie – schnell und vollständig.«
Das Offensichtliche bestätigen BVG-Insider: Es hat sich ein sogenannter Gleislagefehler ausgebildet. Es ist vermutlich eine Senke oder ein Buckel entstanden und in der Folge sei die Schiene abgerissen oder lose. Das führt dazu, dass die Züge vom Typ GT6 »eintauchen und aufsetzen«, sagt der Kenner. »Das Phänomen ist nicht neu, aber in so heftiger Ausprägung habe ich das noch nicht gesehen«, so der Insider weiter.
Das liegt an der Konstruktion der vorwiegend in den 90er Jahren gebauten dreiteiligen Fahrzeuge. Nur das hintere der beiden Gelenke kann auch nach oben und unten ausschwenken. Dadurch bilden die vorderen zwei Wagenteile einen Hebel, der bei Buckeln das Heck tief nach unten drückt.
Flexity und Urbanliner, die neueren Fahrzeugtypen der BVG, zeigen dieses Verhalten nicht und können daher weiter auch auf diesem Streckenabschnitt eingesetzt werden. Nur die seit Juli fahrenden Urbanliner bieten die gleiche Kapazität wie die GT6-Doppel. Immerhin zehn Stück sind vom Hersteller Alstom inzwischen geliefert und in Betrieb genommen worden. Doch im Berufsverkehr werden für die M4 27 Züge benötigt.
Abgezogen wurden die ersatzweise eingesetzten siebenteiligen Flexity unter anderem von der Linie M1. Dort fahren die GT6-Wagen nun einzeln. Der Berliner Fahrgastverband IGEB beklagt in einer Pressemitteilung vom Freitag die deutlich geringere Kapazität von 150 Fahrgästen.
Die neuesten Züge vom Typ Urbanliner können weiter auf der Strecke der M4 fahren. Foto: Nicolas Šustr Die Fachleute hätten »umgehend und im Sinne der Fahrgäste reagiert«, heißt es von der BVG. Um auf der stark genutzten Linie M4 die größtmögliche Kapazität zu schaffen, seien kurzfristig lange Flexity-Züge von anderen Linien auf die M4 verlagert worden. »Der Fahrzeugeinsatz und die betrieblichen Optionen in den kommenden Tagen werden aktuell geprüft. Oberste Priorität haben dabei die Sicherheit und ein unter den gegebenen Umständen bestmögliches Angebot für unsere Fahrgäste«, so die BVG weiter. Man bitte die Fahrgäste »um Verständnis dafür, dass es deshalb vorübergehend auf einigen Linien zu einem veränderten Fahrzeugeinsatz kommen kann«.
Es ist bemerkenswert, dass die BVG es erneut nicht schafft, eine Verschlechterung einfach mal als solche zu benennen. Zum Glück sorgen die Herbstferien insgesamt für weniger Fahrgastnachfrage, bei der M1 noch eine baustellenbedingte Kürzung.
»Die schnelle Reaktion der Straßenbahner auf das Problem ist erfreulich«, lobt der Fahrgastverband IGEB. »Aber leider hat es die BVG erneut versäumt, ihre Fahrgäste zeitnah über die daraus resultierenden Kapazitätseinschränkungen zu informieren«, kritisiert die Fahrgastlobby. Das müsse nachgeholt werden, damit sich betroffene Fahrgäste gegebenenfalls alternative Routen suchen können.
Auf die am Donnerstag von »nd« gestellte Frage an die BVG, warum nicht über die Kapazitätseinschränkung und ihre Ursache transparent informiert wird, gab es übrigens keine Antwort.
Unvollständige Informationen beklagt die IGEB auch im Berliner Südwesten. Wegen herabfallender Fassadenteile am Bierpinsel ist seit Donnerstag unter anderem die Fahrbahn Richtung Süden der Schlossstraße gesperrt. Die BVG verkünde auf ihrer Homepage »nur den Haltausfall an der Kieler Straße, nicht aber die verlängerten Fahrzeiten der Busse durch Umleitung und zeitweise Staus«. Betroffen sind die Buslinien M48, M85, 186 und 282.
»Auch in diesem Fall nimmt die BVG ihren Fahrgästen die Chance, vorab über Alternativen nachzudenken«, heißt es von der Fahrgastlobby. »Wer seine Fahrgäste liebt, der informiert sie – schnell und vollständig.« Sämtliche Appelle in diese Richtung ließ die BVG jedoch bisher folgenlos an sich abperlen.
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