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BVG | Berlin: Immer wieder Kurzzüge auf der U5 auch im Berufsverkehr

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Gleich zwei Kurzzüge hintereinander waren am vergangenen Montag auf der U5 im morgendlichen Berufsverkehr im Einsatz. Foto: Nicolas Šustr Erst Ende August feiert die BVG per Pressemitteilung die Inbetriebnahme des 100. Wagens der neuen U-Bahn-Baureihe J auf der U5. »Jeder neue Zug steht für mehr Zuverlässigkeit für unsere Fahrgäste. Wir nähern uns Schritt für Schritt unserem Ziel von 99 Prozent Zuverlässigkeit. Schon jetzt wird dieser Wert immer wieder erreicht«, erklärte BVG-Chef Henrik Falk zum Anlass.

Doch regelmäßige Fahrgäste der U5 wundern sich. Trotz der vielen neuen Fahrzeuge sind auch im Berufsverkehr immer wieder Kurzzüge mit nur vier statt sechs Wagen im Einsatz. Das führt in der gut nachgefragten Linie immer wieder zu Enge in den Zügen und Verspätungen, weil der Fahrgastwechsel an den Bahnhöfen dann länger dauert als geplant.

Das ist erstaunlich, denn die Flotte ist derzeit mehr als üppig. Insgesamt 31 Züge in voller Länge lassen sich laut den meistens zuverlässigen Angaben der Fanseite berliner-linienchronik.de mit den derzeit auf der U5 stationierten Wagen aus sechs verschiedenen Baureihen zusammenstellen.

In der Spitze sind 20 Züge auf der Linie im Einsatz. Das entspricht einer Werkstattreserve von über einem Drittel. Das liegt deutlich über der zuletzt von der BVG genannten Werkstattquote von 25 Prozent für die vollkommen überalterte Bestandsflotte vor Ablieferung der neuen Baureihe J durch den Hersteller Stadler Rail.

An den jüngsten Fahrzeugen kann es eigentlich nicht liegen, wenn man den Aussagen der Berliner Verkehrsbetriebe Glauben schenkt. Ende August ließen sie wissen, diese seien »im Alltagseinsatz stabil und zuverlässig unterwegs«. Aus ihnen lassen sich bereits 19 Züge in voller Länge bilden.

»Grundsätzlich sind wir inzwischen ausreichend mit Fahrzeugen ausgestattet, um den vorgesehenen Takt auch mit der vollen Wagenzahl zu fahren«, heißt es von der BVG auf Anfrage von »nd«. Dennoch könne es »im Alltag immer mal wieder vorkommen, dass Kurzzüge unterwegs sind«. Man setze diese aktuell »vor allem gezielt ein, um einen stabilen Takt sicherzustellen und Fahrtausfälle zu vermeiden«.

»Grundsätzlich sind wir inzwischen ausreichend mit Fahrzeugen ausgestattet, um den vorgesehenen Takt auch mit der vollen Wagenzahl zu fahren.«

Immer mal wieder müsse ein Zug »kurzfristig aus dem Betrieb genommen werden«, erläutert die BVG. »Damit diese Fahrt nicht gänzlich ausfallen muss, werden teilweise Wagen aus anderen Zügen abgekoppelt und zu einem Ersatzzug zusammengeführt.« So könnten »vorübergehend« gleich mehrere Kurzzüge entstehen.

Die BVG erläutert also ein Betriebsverfahren. Angesichts des üppigen Fahrzeugbestands wäre es eigentlich naheliegend, einen Ersatzzug aus der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde loszuschicken, die ziemlich genau in der Mitte der Linie liegt. Warum dies nicht geschieht, bleibt offen.

Betriebskenner vermuten, dass etwas voreilig mit dem Abzug oder der Abstellung von Altfahrzeugen begonnen worden ist. Denn trotz aller Stabilitätsprogramme wird weiterhin ein harter Sparkurs bei der BVG gefahren. Altfahrzeuge mit Reparaturbedarf werden im Zweifelsfall abgestellt, statt noch einmal Hand an sie zu legen.

Dieses Phänomen war und ist auch bei den wegen der geringeren Abmessungen der Tunnel und Fahrzeuge sogenannten Kleinprofillinien U1 bis U4 zu beobachten. Obwohl 126 der 140 bestellten Wagen der neuen Baureihe JK seit September 2025 in Betrieb gestellt worden sind, sind immer wieder kürzere Züge als vorgesehen im Einsatz.

Das liegt unter anderem an den unter anderen mit Ausgleichsleisten an den Seiten adaptierten Kleinprofilzügen der Baureihe IK, die noch auf der U5 stationiert sind oder gerade die Hauptuntersuchung durchlaufen. Immerhin 68 recht neue Wagen aus den Jahren 2017 und 2020 kommen somit hinzu.

Offenbar nimmt die BVG deswegen auch bei U1 bis U4 einen zwischenzeitlichen Wagenmangel in Kauf, um im Gegenzug Instandhaltungskosten zu sparen. Ein weiterer Grund könnten begrenzte Reparaturkapazitäten sein, da die Betriebswerkstatt am Bahnhof Olympiastadion im laufenden Betrieb umgebaut wird.

Rechnet man die noch 14 ausstehenden Wagen der JK-Bestellung bei Stadler Rail hinzu, kommen insgesamt noch 82 brandneue bis wenige Jahre alte Wagen ins Kleinprofilnetz. Das reicht bei Weitem nicht, um die rund 30 bis über 60 Jahre zählenden drei Altbaureihen abzulösen. Von denen sind derzeit noch 194 Wagen im Bestand.

Im Großprofil sollen nach Angaben der BVG auf der U9 ab Ende September die ersten neuen J-Züge in den Einsatz kommen. Wenn zunächst tatsächlich die U5 komplett auf die neue Baureihe umgestellt werden soll, dürften es dieses Jahr allerdings kaum mehr als drei Züge werden.

Denn durch ihre Insellage im Netz bis zur Fertigstellung des neuen Verbindungstunnels zur U8 nahe dem Alexanderplatz ist auf der U5 eine höhere Betriebsreserve nötig. Somit dürften rund 150 der 170 noch dieses Jahr zu liefernden Neufahrzeuge dort gebunden sein.

2027 sollen weitere 174 Wagen des Typs J geliefert werden. Im Laufe des Jahres sollten die neuen Züge also mindestens auf einer dritten Linie auftauchen. Ob weiterhin Linie für Linie auf den neuen Typ umgestellt werden soll, ist offen.

Denn nach rund einem Jahr Betrieb der neuen Kleinprofilzüge ist der Einsatz nicht mehr auf die U2 beschränkt. Nicht nur auf der baustellenbedingt für ein paar Tage eingerichteten U12 zwischen Ruhleben und Warschauer Straße waren sie Anfang September im Einsatz. Auch auf U1 und U4 waren sie schon zu sehen.

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Source: nd