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Bundespräsidentin | Friedrichs Dame für Bellevue

Eine Frau soll Bundespräsidentin werden: Bundeskanzler Merz könnte als »männliche Simone de Beauvoir mit der Haarinsel« in die Geschichte eingehen.

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Merz und seine Frau Charlotte im Schloss Bellevue: Jetzt soll auch noch eine Frau Bundespräsidentin werden. Foto: dpa/Hannes P. Albert Friedrich Merz hat sich dazu durchgerungen, dass der nächste Bundespräsident eine Frau werden soll. Er muss es sogar! »Ich bin festgelegt in der Frage, dass es eine Frau werden muss«, diktierte Merz den aufgeregten Hauptstadtjournalisten in ihre Notizbücher. Das ist eine noble Geste! Der edle schwarze Ritter aus Brilon hält einer Dame die Tür von Schloss Bellevue auf. Wer hätte einem geborenen Sauerländer solch charmanten Großmut zugetraut?

Doch die bange Frage bleibt, ob eine Frau den hohen Herausforderungen des Amtes überhaupt gewachsen wäre. Gut, der große Dienstwagen kommt mit einem Chauffeur. In die missliche Lage, dieses Fahrzeug rückwärts in eine Parklücke fahren zu müssen, wird eine Präsidentin deshalb zum Glück nie kommen.

Andreas Koristka ist Redakteur der Satirezeitschrift »Eulenspiegel«. Für »nd.DieWoche« schreibt er alle zwei Wochen die Kolumne »Betreutes Lesen«. Alle Texte unter dasnd.de/koristka.

Aber wie sieht es mit den körperlichen Anforderungen aus? Aus gut unterrichteten Kreisen hört man, dass der bisherige Amtsträger Frank-Walter Steinmeier täglich neuneinhalb Liegestütze macht und seine Rotatorenmanschette mit dem Theraband trainiert. Zusätzlich macht er Übungen mit einem Handtrainer, damit sein Handschlag fest und dennoch geschmeidig bleibt. Das ist die Mindestvoraussetzung für den Job als Grüßaugust! Eine weitere ist es, beim Staatsbankett die eigenen Körperfunktionen unter Kontrolle zu halten und nicht laut zu rülpsen.

Nicht nur aus der Union hört man leise Zweifel, ob zierliche Frauenkörper diesen Anforderungen standhalten. Hinzu kommt, dass weibliche Wesenszüge in dem knallharten Amt hinderlich sein könnten. Dass man als Bundespräsident ein Bobby-Car auch dann nicht annehmen darf, wenn es für die eigenen Kinder bestimmt ist, ist jedem Mann der Republik seit der Causa Wulff bekannt. Aber könnte eine Frau standhaft bleiben, wenn sich in den leuchtenden Knopfaugen des eigenen Nachwuchses das begehrte Spielzeug widerspiegelt? Was ist, wenn dieser Anblick in ihr einen Hormonschub auslöst? Kann man ausschließen, dass ihr diese Hormone den Blick vernebeln? Würde sie gar dem Trugschluss anheimfallen, dass die Annahme eines verkackten Bobby-Cars nicht den Straftatbestand der Korruption erfüllt?

Es gibt also durchaus Gründe, warum es seit Bestehen der BRD keine Bundespräsidentin gegeben hat. Merz riskiert eine Menge, wenn er von dieser althergebrachten demokratischen Sitte abrückt. Im Sinne der Gleichberechtigung muss man ihm das hoch anrechnen. Und vielleicht darf man auch vorsichtig optimistisch sein: Heinrich Lübke konnte zehn Jahre lang als Bundespräsident arbeiten, obwohl er unter Demenz litt. Joachim Gauck hat sich sogar fünf Jahre lang nur mit den beiden Wörtern »Freiheit« und »Verantwortung« durchs Amt gemogelt. Angesichts dieser Erfahrungen mit den männlichen Vorgängern darf man vielleicht vorsichtig optimistisch sein, dass eine Bundespräsidentin die Republik nicht nachhaltig zerstören würde.

Ausschließen kann man es natürlich nicht. Aber Versuch macht kluch. Und wenn alles gut funktioniert, dann wird es Friedrich Merz gewesen sein, der die Emanzipation vollendet haben wird. In diesem Fall wird er zu Recht als die »männliche Simone de Beauvoir mit der Haarinsel« in die Geschichtsbücher eingehen. Allein, dass er die Möglichkeit zu diesem Erfolg hat, hätten ihm wohl die wenigsten zugetraut.

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Originally published bynd
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