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Buchenwald / NS-Gedenken | Erinnern an Außenlager des KZ: »Buchenwald war überall«

Das NS-Konzentrationslager bei Weimar hatte rund 140 Außenstandorte. Längst nicht an alle wird noch erinnert. Ein Verein will das ändern.

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Stelen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, die an die Vernetzung der Arbeits- und Vernichtungslager untereinander in der Zeit der Nazidiktatur erinnern Foto: AFP/Jens Schlueter Wer das Wort Buchenwald hört, denkt in der Regel zuerst an das einstige Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar. Doch ein Verein, der die Erinnerung an die dort verübten Gräuel wachhalten will, möchte jetzt noch stärker ins Bewusstsein rücken, dass es auch ein riesiges System von Außenlagern gab. An deren Standorten wird heutzutage meist nicht mehr an diese erinnert. Der Verein ließ deshalb die Webseite des Projekts »Buchenwald war überall« überarbeiten und will so einen Beitrag zur Stärkung der Erinnerung an solche Außenlager leisten. Die aktuelle Version dieser Seite zeige, »dass Täterorte verschwinden, dass sie überbaut werden und dem Vergessen preisgegeben werden«, sagte Kolja Lohf, der diese für den Förderverein Buchenwald neu konzipiert hatte, am Freitag bei deren Präsentation in Weimar. Die Webseite ist seit Kurzem online.

Das Projekt zeigt auch: Längst nicht nur auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, sondern sogar bis nach Frankreich, Belgien und Polen hat die Macht derer gereicht, die vom Ettersberg aus Tod, Folter, Hunger und Krankheit über zehntausende Menschen gebracht haben. Die Schergen des NS-Regimes, die aus dem KZ Buchenwald heraus arbeiteten, bestimmten nicht nur über Leben und Tod auf dem Gelände des Stammlagers. Sie hatten auch Einfluss auf das, was in den etwa 140 Außenlagern geschah.

Und Buchenwald-Außenstandorte gab es sogar in anderen europäischen Ländern. In Kortemark in Belgien zum Beispiel. Oder in Doullens in Frankreich und im damaligen Lauenburg, dem heutigen Lebork in Polen. Auch in Bad Arolsen, in Lippstadt und in Rothenburg befanden sich Standorte – alle drei Städte liegen außerhalb Thüringens. Wie verzweigt das System der Buchenwald-Außenlager war, dürfte heutzutage nur wenigen Menschen bewusst sein. Das Stammlager war unter der Aufsicht der SS ab 1937 von Gefangenen errichtet worden.

»Das Projekt zeigt, dass Täterorte verschwinden, dass sie überbaut werden und dem Vergessen preisgegeben werden.«

Nach den Recherchen des Fördervereins gibt es nur an 48 ehemaligen Standorten von Außenlagern Gedenkzeichen an die dort begangenen Verbrechen in Form von Tafeln oder Mahnmalen. Oft kümmern sich demnach engagierte Einzelpersonen um diese Orte. In vielen anderen Fällen aber erinnert nichts mehr daran. Auf der neu gestalteten Webseite lassen sich Detailinformationen zu allen bekannten Standorten finden, zu denen auch mehr als 20 Frauenlager gehörten wie etwa die in Duderstadt, Aschersleben oder Stadtallendorf.

Häufig gab es für die Errichtung der Außenlager wirtschaftliche Motive. Oft mussten die Häftlinge dort unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten. »In fast allen Fällen war es übrigens auch so, dass die Unternehmen zur SS gekommen sind – und nicht andersrum«, sagt der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, János Varga. Das System der Buchenwald-Außenlager sei auch ein Beweis dafür, dass das Grauen der Lager vielen Deutschen während der Zeit der Naziherrschaft nicht verborgen geblieben sein könne. Denn die Häftlinge seien in der Regel in der unmittelbaren Umgebung der Unternehmen untergebracht worden, in denen sie arbeiten mussten, sagt Varga. Manchmal hätten sie auch auf dem jeweiligen Fabrikgelände geschlafen. »Es gibt aber auch Fälle, in denen die SS zum Beispiel die örtliche Turnhalle angemietet hat.«

Das Projekt und die Neugestaltung der Webseite sollten auch dazu beitragen, die Arbeit derer zu unterstützen, die sich in Zeiten des Rechtsrucks vor Ort für eine Erinnerung an die Außenlager einsetzten, sagte Varga. Es solle helfen, Engagierte zu vernetzen, sichtbarer zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine seien.

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