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War & Militarism nd

Boris Pistorius | »Männerladen«, aber wohl doch kein Bedarf für Wehrpflicht

Der Verteidigungsminister sieht die Bundeswehr auf Kurs einer Freiwilligenarmee. Marineeinsätze in der Straße von Hormus nennt er unwahrscheinlich.

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»Wenn es auf den Demonstrationen heißt, wir wollen nicht an die Front und im Krieg sterben, dann kann ich nur sagen: Wir wollen genau dasselbe«, sagt Pistorius. Allerdings will der Verteidigungsminister dazu weiter aufrüsten. Foto: dpa/Carsten Koall Berlin. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich zuversichtlich geäußert, dass die Bundeswehr ihren Personalbedarf auch ohne Rückkehr zur Wehrpflicht decken kann. Die im neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verankerten Maßnahmen wirkten, die Bundeswehr habe aktuell mit rund 190.000 Soldatinnen und Soldaten den höchsten Stand seit 13 Jahren, sagte Pistorius den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). »Wenn sich der Kurs fortsetzt, haben wir keine Aufwuchsprobleme.« Dann müsse es auch »keine Diskussion geben über eine wie auch immer auszugestaltende Wehrpflicht«.

Zu den jüngsten Demonstrationen Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich auch gegen eine Wehrpflicht richteten, sagte Pistorius, er habe viel Verständnis für junge Leute, die sich noch nie mit diesen Fragen hätten beschäftigen müssen und die sich jetzt Sorgen machten, was auf sie zukommen könnte. »Aber wenn es auf den Demonstrationen heißt, wir wollen nicht an die Front und im Krieg sterben, dann kann ich nur sagen: Wir wollen genau dasselbe.« Gerade deshalb seien starke Streitkräfte notwendig, »die abschrecken können, damit wir gar nicht in die Situation kommen, überhaupt irgendwo kämpfen zu müssen«.

Der Minister kündigte neue Anstrengungen an, um mehr Frauen für den Dienst in der Bundeswehr zu gewinnen. Zahlenmäßig seien die Streitkräfte weiterhin ein »Männerladen«, das werde sich so schnell auch nicht ändern lassen. Derzeit sei eine positive Entwicklung bei den Bewerbungen und Einstellungen von Frauen zu sehen, sagte Pistorius. Die Zahlen seien aber noch nicht zufriedenstellend.

Zu der zuletzt gestiegenen Zahl von Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung in der Bundeswehr sagte Pistorius: »Wir tun alles dafür, dass solche Vorfälle, wie wir sie in letzter Zeit leider hatten, durch gute Prävention möglichst verhindert werden.« Träten solche Fälle auf, würden sie »entschieden und kompromisslos bestraft«. Rund 460 Verdachtsfälle im vergangenen Jahr schienen angesichts der Größe der Bundeswehr auf den ersten Blick nicht viel, sagte Pistorius. Aber sie richteten großen Schaden bei den Betroffenen an und brächten die Bundeswehr in Verruf. Er werde in der kommenden Woche die Ergebnisse einer Dunkelfeldstudie zu diesem Thema vorlegen, kündigte der Minister an.

Die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Marineeinsatzes zum Minenräumen in der Straße von Hormus ist nach den Worten von Pistorius angesichts der Lage in der Golfregion gesunken. »Ein Einsatz würde ein sicheres Umfeld voraussetzen. Das haben wir nicht«, sagte Pistorius. »Die Situation ist durch die Angriffe der Huthis eher noch gefährlicher geworden.«

Die Bundeswehr stehe zwar weiter bereit, sagte Pistorius. Er werde aber in Kürze entscheiden, wie lange sich das Minenjagdboot »Fulda« und der Tender »Rhein« noch im östlichen Mittelmeer aufhalten sollten. Dorthin waren die Schiffe verlegt worden, um bei einer möglichen internationalen Mission in der Straße von Hormus schneller ins Einsatzgebiet gelangen zu können.

Pistorius äußerte sich auch zum Aus für das deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS und kündigte Ende März 2027 eine Grundsatzentscheidung über eine Alternative an. Er habe großes Interesse daran, dass die deutsche Luftfahrtindustrie eine Rolle spiele, sagte der SPD-Politiker der Funke Mediengruppe. »Auf dem Tisch liegen zwei Optionen – eine Beteiligung am Global Combat Air Programm von Briten, Italienern und Japanern. Da sind wir in Gesprächen«, sagte Pistorius. Als zweite Option könne Airbus mit anderen europäischen Partnern ein eigenes Projekt für den Anfang der 40er Jahre entwickeln.  AFP/nd

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