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Big Tech | Europaweiter Widerstand gegen Rechenzentren

Hunderte dringen in Amsterdam auf eine Baustelle vor – bis zu 200 Festnahmen. Am Freitag und Samstag fanden weitere Aktionen in Europa statt.

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Aktivist*innen von Geef Tegengas werden von der Polizei aufgehalten, als sie auf dem Weg sind, ein im Bau befindliches Microsoft-Rechenzentrum zu besetzen. Foto: Storm Groenendijk/ZUMA Press Wire/dpa Auf der Baustelle eines Microsoft-Rechenzentrums in Amsterdam zieht blauer und roter Pyronebel durch die Luft. Auf einem Kran sitzen vier Aktivist*innen. »Down with all data centers« (Weg mit allen Rechenzentren) und »Fuck AI« (Scheiß auf KI) sind auf einem Transparent zu lesen, das die Aktivist*innen am Kran befestigt haben.

Rund 300 Aktivist*innen waren am Freitag in Amsterdam auf die Baustelle eines Microsoft-Rechenzentrums vorgedrungen, um gegen den Bau zu protestieren. 150 bis 200 Demonstranten seien wegen Hausfriedensbruchs festgenommen worden, teilte die Polizei in der niederländischen Hauptstadt mit. Bei einigen sei mutmaßlich von der Baustelle gestohlenes Material sichergestellt worden, andere sollen dort Sachbeschädigungen begangen haben. Alle Festgenommenen sollten verhört werden, so die Polizei weiter.

Die Aktivist*innen berichten in den sozialen Medien von »brutaler Polizeigewalt«: Demnach seien sie geschlagen und mit Pfefferspray besprüht worden. Videos des Senders NOS zeigen sogar, wie die Polizei mit Schlagstöcken gegen Demonstrant*innen vorging.

»Warum wird dieses Rechenzentrum gebaut?«, fragt ein Aktivist der Gruppe Geef Tegengas in einem Video in den sozialen Medien, aufgenommen vor dem Rechenzentrum. Das Rechenzentrum diene nur den »Big-Tech-Faschisten«, um noch mehr Geld zu machen. Außerdem zerstöre es das Klima und leiste Beihilfe zu Völkermorden.

Am Baugelände hätten sich laut NOS Demonstrant*innen zweier Gruppen versammelt. Während die Klimaschutz- und Bürgerbewegung Fossielvrij NL vor der Baustelle habe demonstrieren wollen, weil Rechenzentren enorme Mengen Energie verschlingen, hätten Aktivist*innen der Gruppe Geef Tegengas versucht, mit Werkzeug Zäune aufzubrechen, um auf die Baustelle selbst zu gelangen. Die Gruppe geht mit Blockaden von Infrastruktur, Häfen oder Baustellen gegen fossile Energien, Kapitalismus, Aufrüstung oder große Tech-Projekte vor.

Nach Angaben der Polizei habe sie die Demonstrant*innen zunächst aufgefordert, ihr Werkzeug abzugeben und ihnen dann den Weg zum Ort der Kundgebung freigegeben. Dennoch hätten die Demonstranten sich danach gewaltsam Zugang zur Baustelle verschafft.

Microsoft teilte NOS mit, dass man über die Proteste informiert sei. »Wir verstehen, dass dieses Projekt viele Emotionen weckt und respektieren das Recht der Menschen, ihre Meinung friedlich zu äußern. Wir billigen jedoch keine Handlungen, die gegen das Gesetz verstoßen oder die Sicherheit von Menschen gefährden«, so das Unternehmen.

Die Aktion in der niederländischen Hauptstadt war nur eine von vielen Aktionen gegen Rechenzentren. Die internationale Initiative »Stop Dirty Data Centres« hatte am 6. und 7. November zu europaweiten Protesten aufgerufen. Über 100 Organisationen hatten sich dem Aufruf angeschlossen.

Die Initiative fordert ein Moratorium für den Bau großer Rechenzentren, bis soziale und ökologische Bedenken geklärt sind. Die Pause soll Raum für eine öffentliche Debatte schaffen, darüber welche digitale Infrastruktur die Gesellschaft tatsächlich braucht, wo diese gebaut werden soll und vor allem unter welchen ökologischen Bedingungen.

In Berlin demonstrierten am Freitag rund zwanzig Aktivist*innen vor einem Rechenzentrum im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Am Samstag fand eine Konferenz mit dem Titel »Widerstand gegen Rechenzentren vernetzen« statt. Veranstalter waren die Grüne Liga, ein Netzwerk ökologischer Bewegungen, und die Veranstaltungsreihe Nodes of Resistance, die auf die Konferenz Cables of Resistance folgt.

Die Proteste fallen in eine Zeit, in der die EU ihre digitale Infrastruktur massiv ausbauen will. Mit dem AI Continent Action Plan vom April 2025 will die EU-Kommission die Rechenzentrumskapazität der Union binnen fünf bis sieben Jahren mindestens verdreifachen. Mit dpa

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