Germany nd
Berliner Linke | Zweifaches Versagen
Der Umgang des Magazins »Spiegel« mit einem Interview der Berliner Linke-Politikerin Elif Eralp ist egoistisch und unwürdig. Ein Kommentar
Deutsch (original) ·Read in English ⇄
Die »Spiegel«-Geschichte ordnet sich ein in die Reihe der Versuche, einen Linke-geführten Senat in Berlin zu verhindern: Elif Eralp vor der Presse Foto: dpa/Katrin Luxenburger Die Berliner Linke-Politikerin und Wahlsiegerin Elif Eralp hat dem »Spiegel« ein Interview gegeben; ihr Büro schickte dem Magazin versehentlich eine interne, nicht endgültig bearbeitete Fassung zurück. Keine Frage: Die Linke selbst hat mit dieser Panne den Ball auf den Elf-Meter-Punkt gelegt. Allerdings hätte der »Spiegel« durchaus entscheiden können oder sogar müssen, auf die Publikation der offensichtlich falschen Fassung (oder von Teilen davon) zu verzichten – auch im Interesse der Sicherheit von Elif Eralp und ihrer Familie. Denn diese wurde in nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Anmerkungen zum Interview thematisiert.
Die Praxis, Zeitungsinterviews von den Interviewten autorisieren zu lassen, ist problematisch. Sie reicht von kleinen Korrekturen bis zu komplett umgeschriebenen Gesprächen; fast jeder Journalist kennt das. Dennoch ist sie in Deutschland die Regel. Dagegen zu verstoßen, ist zumindest fragwürdig. Immerhin illustrieren die zitierten Anmerkungen von Elif Eralp, was für Anfeindungen und welchem Druck Menschen generell ausgesetzt sind, die in der Öffentlichkeit stehen.
Illustriert werden auch die anhaltenden Konflikte in der Linken zum Thema Nahost, die sich nicht zuletzt in den schier endlosen Auseinandersetzungen um die Abgeodnete Vanessa Emde zeigen. Allerdings bettet sich die »Spiegel«-Veröffentlichung nahtlos in das Grundmuster der deutschen Nahost-Debatte ein. Der zweifellos nötigen scharfen Kritik am Terrorismus der Hamas (die indessen oft in eine Generalverurteilung der Palästinenser übergeht) steht da eine äußerst nachsichtige Beurteilung der mörderischen Politik Israels etwa in Gaza gegenüber. Vor diesem Hintergrund ordnet sich die »Spiegel«-Geschichte auch ein in die Reihe der Versuche, einen Linke-geführten Senat in Berlin zu verhindern. Die Gegner der von Rot-Grün-Rot angepeilten Vergesellschaftung von Wohnraum werden es feiern.
Dieser Artikel hat dich nichts gekostet. Uns schon: Recherche, Produktion und Technik. Wir haben bei der Büromiete sowie bei Druck und Vertrieb gespart. Und wir haben auf Gehalt verzichtet. Trotzdem gilt: Ohne dich geht die Rechnung nicht auf. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro. Du zahlst, was du kannst, dafür schreiben wir weiter.
Keine Paywall, kein Kleingedrucktes, nur ein Ziel: dass nd bleibt.