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Berliner AfD | AfD in Berlin: Jung, rechts, vernetzt

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Auf dem Treppchen: Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde die AfD drittstärkste Kraft. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka Die Abgeordnetenhauswahl vom vergangenen Sonntag wird nicht nur im Senat zu Veränderungen führen. Die AfD konnte sich um 7,2 Prozentpunkte steigern und verfügt in der neuen Legislaturperiode über 29 statt der bisherigen 16 Sitze im Landesparlament. Auf diesem Weg übernehmen neue Köpfe der Partei politische Ämter. Auffällig ist dabei ein Generationenwechsel: Mehrere der neu Eingezogenen haben ihre politische Laufbahn in den Jugendorganisationen der AfD begonnen. Zugleich scheiden andere aus der landespolitischen Arbeit aus. Diese personellen Wechsel geben einen Hinweis auf den zukünftigen Kurs der Partei in der Hauptstadt.

Für den Wahlkampf schickte die AfD mit Kristin Brinker eine Spitzenkandidatin ins Rennen, die oftmals als Vertreterin einer vermeintlich gemäßigten Politik gesehen wird. Ohne selbst übermäßig mit diskriminierenden Äußerungen in der Öffentlichkeit aufzufallen, liefert sie der Partei ein wählbares Gesicht. Dennoch baut ihre gegenwärtige Position vor allem auf dem Zuspruch extrem rechter Akteure und Netzwerke innerhalb der Partei auf. Deren Unterstützung verhalf Kristin Brinker im Frühjahr 2021 zum Landesvorsitz. Vor allem der sogenannte »Flügel« übte großen Einfluss aus. Dabei handelt es sich um einen völkisch ausgerichteten Zusammenschluss innerhalb der AfD, der sich stark an der Politik des thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke orientierte.

In Berlin gelang es diesem Höcke-Flügel, über die Jahre zunehmend politische Ämter zu übernehmen. Auch nach seiner offiziellen Auflösung im Jahr 2020, mit der der Zusammenschluss einem Verbot zuvorkommen wollte, sind seine Anhänger*innen weiterhin aktiv. In die neue Berliner AfD-Fraktion sind sie vor allem über aussichtsreiche Plätze der Landesliste oder Direktmandate eingezogen. Aus Treptow-Köpenick behält Alexander Bertram sein Mandat, genauso wie Rolf Wiedenhaupt und Carsten Ubbelohde aus Reinickendorf. Vom Verband Marzahn-Hellersdorf ziehen neben Gunnar Lindemann und Jeanette Auricht weitere Unterstützer*innen des ehemaligen »Flügels« ins Abgeordnetenhaus ein. Martin Koblischke und Jörn Geißler etwa nahmen bereits 2017 an Veranstaltungen mit Björn Höcke teil und standen mit ihren E-Mail-Adressen auf dem Berliner Verteiler des Flügel-Netzwerks. Beide haben nun ein Direktmandat gewonnen.

Auch Anneliese Dummer, die ebenfalls über ein Direktmandat einzieht, wurde bereits vor Jahren bei Veranstaltungen des Netzwerks dokumentiert. Mit Thorsten Weiß scheidet dagegen der ehemalige Obmann des Flügels in Berlin aus dem Abgeordnetenhaus aus. Laut »Tagesspiegel« will er seinen Lebensmittelpunkt nach Thüringen verlegen. Das würde ihm zumindest erlauben, die Politik von Björn Höcke unmittelbarer zu unterstützen.

Doch neben dem »Flügel« vergrößert in der neuen AfD-Fraktion mit der »Generation Deutschland« eine weitere parteiinterne Gruppierung ihre politischen Spielräume. Die neue Jugendorganisation der Partei wurde Anfang 2026 gegründet und löste die »Junge Alternative« ab, die aufgrund extrem rechter Umtriebe ins Visier der Ermittlungsbehörden gelangte. Die personellen Netzwerke bestehen jedoch fort.

In der neuen Fraktion finden sich Abgeordnete zusammen, die völkische Politik aktiv vorantreiben.

In Berlin wurde im Februar mit Martin Kohler der ehemalige Vorsitzende der »Jungen Alternative« zum Vorsitzenden der »Generation Deutschland« gewählt. Nun sitzt der 28-Jährige für die AfD im Abgeordnetenhaus. Als er wenige Tage vor der Wahl dafür warb, Wahlbeobachter zu werden, verwies er auf ein Angebot des völkischen Vereins »Einprozent«, der der »Identitäten Bewegung« nahesteht. Zuletzt nahm das Mitglied der schlagenden Burschenschaft »Gothia« Mitte September mit Evangelikalen und extremen Rechten am antifeministischen »Marsch für das Leben« teil.

Mit Jan Streeck aus Pankow konnte zudem ein weiteres Mitglied des ehemaligen Berliner JA-Vorstands erstmals ins Abgeordnetenhaus einziehen. Auch er ist 28 Jahre alt. Mittlerweile führt Streeck gemeinsam mit Daniel Krüger den Pankower AfD-Bezirksverband. Ohnehin verfügen viele der jetzigen AfD-Abgeordneten über eine Vergangenheit in führenden Positionen der alten Parteijugend. Dazu zählen unter anderem Herbert Mohr, Marc Bernicke und ihr ehemaliger Vorsitzender David Eckert aus Lichtenberg. Auch der Draht der neuen Abgeordneten zur »Generation Deutschland« scheint kurz zu sein. Neben Bernicke waren die Fraktionsmitglieder Robert Eschricht, Alexander Bertram und Andreas Otti Anfang Februar auf der Gründungsveranstaltung des Berliner Jugendverbandes anwesend.

Insgesamt unterstreicht die zukünftige AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus die starke Rolle der Parteijugend in der Landespolitik. Eine Vielzahl der neuen Abgeordneten rekrutiert sich aus den jahrelang gewachsenen Netzwerken der Nachwuchsorganisationen, die trotz Auflösung und Neugründung fortbestehen. Diese ergänzen sich mit den informellen Strukturen des ehemaligen »Flügels«. So treffen in der neuen Fraktion junge Kader wie Kohler und Streeck auf Abgeordnete, deren Verbindungen zu den alten Netzwerken bereits seit Jahren dokumentiert sind. Über die Generationen hinweg finden sich in der neuen Fraktion zunehmend Abgeordnete zusammen, die eine völkische Politik aktiv vorantreiben und dabei auch nicht den Schulterschluss mit Gruppen der extremen Rechten außerhalb der Parlamente scheuen.

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Source: nd