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Berlin-Wahl | Gelebte Utopie: Zwei Wirsingrouladen für drei Euro

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Das zur Kiezkantine umfunktionierte Bistro »Spumante« erlebt am Samstag großen Andrang. Foto: nd/Andreas Fritsche Im Bistro »Spumante« in der Reichenberger Straße 73 essen die Gäste am Samstag vegetarische Wirsingrouladen für unschlagbare drei Euro. Eigentlich müsste das Mittagessen rund zehn Euro pro Portion kosten. Doch die Berliner Linke bezahlt eine Woche lang bis zum 19. September die Differenz. Täglich von 12 bis 15 Uhr wird das Bistro so zum Testfall und Demonstrationsobjekt für die Kiezkantinen, die nach dem Willen der Linken überall in der Stadt entstehen sollen. Mindestens eine Kiezkantine soll es in jedem Bezirk geben. Der Senat soll die dort ausgegebenen Mahlzeiten mit insgesamt 19 Millionen Euro im Jahr subventionieren.

»Hallo Nachbarn, hallo Genossen«, begrüßt Grete Ohlendorf die ersten Gäste des umfunktionierten Bistros. »Ich bin hier jeden Tag«, erzählt die junge Frau, die bei der Berlin-Wahl am 20. September für die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg kandidiert. Ohlendorf wohnt und arbeitet in der Gegend und kennt die Obdachlosen, die um etwas zu essen bitten. In der Kiezkantine soll jeder für wenig Geld satt werden.

»Das ist gelebte Utopie. Das zeigt, wie Berlin sein könnte, wenn es überall solche Orte geben würde.«

»Das ist gelebte Utopie. Das zeigt, wie Berlin sein könnte, wenn es überall solche Orte geben würde«, schwärmt die Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter. »Alles wird immer teurer und wir wollen, dass Berlin endlich bezahlbar wird.«

Die erste Portion bekommt ein Mann aus dem Nachbarbezirk Neukölln, der gegenüber vom Bistro »Spumante« arbeitet. Er will die Grünen wählen, wie er zugibt, wünscht sich aber zugleich, dass die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin von Berlin wird.

Eralp ist als Gast angekündigt, aber zunächst noch nicht eingetroffen. Ihre Position ist auch so bekannt. »Nicht nur die teuren Mieten, auch die hohen Lebensmittelpreise belasten viele Berlinerinnen und Berliner. Immer mehr Menschen in unserer Stadt können sich keine tägliche warme und gesunde Mahlzeit leisten«, erklärte die Spitzenkandidatin bereits im Februar, als sie das Konzept ihrer Partei für die Kiezkantinen vorstellte. Auch Einsamkeit sei ein großes Thema, sagte damals Eralp. »Es fehlen Orte, an denen Nachbarinnen und Nachbarn, sei es der Student oder die Seniorin, einfach mal zusammenkommen können. Für ein gemeinsames Essen, für ein Gespräch. Wir wollen das ändern.«

Am Samstag ist dafür ein Anfang gemacht. Es wird viel gelacht und geschwatzt in der Reichenberger Straße. Es gibt sogar Livemusik. Am 20. September wird gewählt. Dann entscheidet sich, ob mehr daraus werden kann.

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Source: nd