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Berlin | Stillstand am Fließband
Noch keine Lösung im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie. In Berlin und Brandenburg ist die IG Metall offen für phasenweisen Lohnverzicht.
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Gewerkschaftsmitglieder protestieren vor dem Werk von Siemens Energy in der Huttenstraße in Berlin-Moabit. Foto: dpa/Soeren Stache Es scheinen vor allem die Arbeitgeber zu sein, die in den Angriffsmodus geschaltet haben. »Die IG Metall schürt bei ihren Leuten Erwartungen von einem anderen Stern«, schäumte Henning Brandes, Verhandlungsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME). Und weiter: »Mit Plakaten und Trillerpfeifen wird es nicht gelingen, die Probleme unserer Branche aus der Welt zu schaffen. Das gelingt nur am Verhandlungstisch.«
An diesem waren zuvor am Freitag die Verhandlungen zwischen dem VME und der IG Metall ergebnislos zu Ende gegangen. Die ganze Woche über hatte die IG Metall zahlreiche Betriebe bestreikt, auch noch am Freitag. Bis zur Wochenmitte zählte die Gewerkschaft 7000 Mitglieder, die ihre Arbeit mindestens zeitweise niedergelegt hatten.
Die Arbeitgeber verbreiteten ihrerseits düstere Zukunftsperspektiven. Den Abbau von branchenweit 300.000 Jobs stellte Gesamtmetall für die kommenden zwei bis drei Jahre in Aussicht und damit mit 3,4 Millionen Beschäftigten den niedrigsten Stand in dieser Branche seit der Wiedervereinigung. Seit 2019 seien bereits 350.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Wie zur Bestätigung hatte nur einen Tag vorher der Autozulieferer Schaeffler den Abbau von Arbeitsplätzen hauptsächlich in Deutschland verkündet. Der Standort in Berlin, wo unter anderem Elektromotoren und Antriebstechnologien entwickelt werden, soll komplett schließen. Dadurch fallen 259 Stellen weg.
»Verzicht ist keine Zukunftsstrategie und sichert keinen Arbeitsplatz und keinen Standort. Das geht nur mit Investitionen und Innovationen in die Werke bei uns in der Region.«
Die Arbeitgeber führen ihre Zurückhaltung in der laufenden Tarifrunde auf die fortwährende Krise zurück: fehlende Aufträge, steigende Kosten und immer schärfere Konkurrenz aus dem Ausland. »Die extrem schwierige Lage bei dem Großteil unserer Betriebe verbietet es, Arbeit noch weiter zu verteuern«, sagte VME-Verhandlungsführer Brandes. »Die Strukturprobleme lassen sich nicht wegstreiken.«
Die IG Metall hält das bisherige Vorgehen der Arbeitgeber für das falsche Krisenmanagement. »Verzicht ist keine Zukunftsstrategie und sichert keinen Arbeitsplatz und keinen Standort. Das geht nur mit Investitionen und Innovationen in die Werke bei uns in der Region«, sagte Jan Otto, Leiter des Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen.
Nichtsdestotrotz legte die IG Metall am Freitag ein Konzept vor, mit dem »Investitionen in Zukunftsprodukte mit verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung verbunden werden«. Eine Tarifforderung der IG Metall ist die Absicherung von Standorten und Arbeitsplätzen. Das nun vorgelegte Konzept soll als Tarifvertrag für klar begrenzte Fälle vereinbart werden. Wie ein Sprecher auf Nachfrage von »nd« mitteilte, müssten Details hierzu noch ausverhandelt werden. Aus Sicht der IG Metall könne das aber auch den phasenweisen Verzicht auf Teile des Lohns bedeuten.
Während die IG Metall am einen Ende auf schwache Unternehmen Rücksicht nehmen will, fordert sie von profitablen Unternehmen für ihre Mitglieder eine Gewinnbeteiligung. Das Bild der Arbeitgeber von einer »Krise überall« entspreche nicht der Realität, sagte der IG Metall-Sprecher weiter.
Die Gewerkschaft verweist auch mit Blick auf ihre Lohnforderungen auf sich bessernde Konjunkturprognosen. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber, die Gehälter erst im Juli 2028 um 1,3 Prozent anzuheben, bezeichnete Bezirksleiter Otto als ein »freches Minus-Angebot«, das hinter die allgemeinen Preissteigerungen zurückfalle. Die IG Metall war mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Gehalt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten in die Tarifrunde gegangen.
Die Arbeitgeber bezeichneten ihren Vorschlag als ein Zeichen des Entgegenkommens. Sie wiesen darauf hin, dass es erst im April dieses Jahres 3,1 Prozent mehr Geld für die 96.000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg gegeben habe.
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