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Basketball-WM | Die WM der Frauen in Berlin – und die Geschichte des Sports
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Länderspiele in Sporthallen: Die DDR-Frauen, hier 1982 gegen Rumänien, spielten nur eine Nebenrolle. Foto: imago/Karl-Heinz Stana In den ersten zwei Jahrzehnten der DDR gehörte der Basketball der Frauen zum staatlichen Leistungssportsystem. An den Schulen wurden talentierte Mädchen gesichtet und gefördert. Unter den erwachsenen Spielerinnen wurden die Besten in zentrale Sportklubs berufen – nach Halle, Leipzig oder Berlin. Sie wurden von ihrer Arbeit freigestellt und konnten jeden Tag trainieren. Das zeigte Wirkung: Bei der EM 1966 gewannen die Basketballerinnen Bronze, ein Jahr später bei der WM wurden sie Vierte.
Zu jener Zeit, Mitte der 60er Jahre, hoffte auch Inge Laabs auf eine Berufung ins Nationalteam. Doch im März 1969 wurde ihre Hoffnung getrübt: Das Politbüro der SED verkündete den »Leistungssportbeschluss«. Fortan wurden in der DDR, mit Blick auf die Olympischen Spiele 1972 in München, medaillenträchtige Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen und Turnen gefördert. Andere Disziplinen, etwa Teamsportarten wie Eishockey, Hockey und Basketball, rückten wegen geringerer Medaillenchancen in den Hintergrund.
Laabs gehörte damals noch nicht zu den Topspielerinnen, aber sie erlebte, wie viele ihrer Berliner Teamkolleginnen unter dem SED-Beschluss litten. »Wir waren sehr traurig«, erinnert sie sich. »Einige Spielerinnen haben aufgehört. Und es gab einen großen Umbruch.«
An diesem Sonntag endet die WM der Frauen in Berlin. Das Finale findet in der Multifunktionsarena am Ostbahnhof statt, im früheren Ostberlin. Warum das eine Erwähnung wert ist? Weil auch der Basketball eng mit der Geschichte im Kalten Krieg verknüpft ist. Und weil die Entwicklung in der DDR und der Bundesrepublik unterschiedlich verlaufen ist.
»Basketball ist auch heute ein Frauensport, der sehr modern ist und stark auf Inklusion setzt.«
Diesem Thema haben das Zentrum deutsche Sportgeschichte, das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und andere Partner eine Ausstellung gewidmet: »Freigespielt!« Sie zeichnet unter anderem nach, wie die US-amerikanische Besatzungsmacht im Westen auch den Basketball für ihr Re-Education-Programm nutzte. »Man hat versucht, den Jugendlichen auch mithilfe des Basketballs Werte wie Fairplay und Teamfähigkeit nahezubringen«, sagt die Historikerin Jutta Braun, eine der Kurator*innen der Ausstellung. »Und tatsächlich hat sich Basketball dann auch in der amerikanischen Besatzungszone in Westberlin und in Süddeutschland besonders gut entwickelt.«
Braun erzählt, dass die Teams aus Westberlin wegen ihrer geografischen Insellage in der Bundesrepublik im Nachteil waren. Trotzdem gewannen zwei Frauenteams aus Westberlin die Deutsche Meisterschaft, die Neuköllner Sportfreunde im Jahr 1953 und der VfL Lichtenrade 1969. Es ging im Kalten Krieg aber nicht nur um Sport, sondern auch um politisches Prestige. »Ost- und Westberlin konkurrierten um spektakuläre Sportveranstaltungen, und sie haben Länderspiele in ihre Stadthälften geholt«, berichtet Braun. Besonders offensichtlich war das 1951, als die Weltfestspiele der Jugend in Ostberlin stattfanden. Braun sagt: »Da hat Westberlin dann die Harlem Globetrotters ins Olympiastadion eingeladen und mit 75.000 Zuschauern auch einen Zuschauerrekord für Basketball aufgestellt.«
Die Ausstellung blickt auch intensiv nach Ostberlin, etwa auf die Basketballerin Inge Laabs, die Anfang der 70er Jahre fünf Länderspiele für die DDR bestritt. Wegen der gestrichenen Förderung durfte das Team nicht mehr ins »kapitalistische Ausland« reisen. Die Frauen spielten stattdessen in Bulgarien, Polen und sogar in Nordkorea. Später trainierte Laabs eine Jugendauswahl der DDR. Einladungen zu Turnieren wurden vom Deutschen Turn- und Sportbund auch politisch geprüft. Gab es gegnerische Teams aus dem Westen? 1983, bei einem Turnier in Ungarn, traf das Team von Laabs auf Frankreich. Die DDR-Funktionäre forderten eine Erklärung. »Da habe ich geantwortet, dass ich die Einladung vorab nicht gesehen habe«, erinnert sich Laabs. »Deshalb kannte ich auch vorab die Gegner nicht.«
Nach dem Mauerfall mussten sich die Basketballerinnen um Sponsoren bemühen und sich in den bundesdeutschen Sport einfügen. Laabs blieb ihrem Sport treu – als Trainerin, Betreuerin, Organisatorin. Mit anderen ehemaligen DDR-Spielerinnen baute sie eine Auswahl von Seniorinnen auf. Sie reisten in Länder, in die sie früher nicht reisen durften: etwa in die USA und nach Brasilien.
Es sind Biografien wie diese, die die Ausstellung vorstellt. »Basketball ist auch heute ein Frauensport, der sehr modern ist, der sehr fortschrittsorientiert ist, der sehr stark auf Inklusion setzt«, sagt Braun. Ein Partner der Ausstellung war der Bundesligist Alba Berlin, der gerade ein Basketballmuseum aufbaut. Laut Braun ist Alba ein Symbol für die gelungene Einheit im Sport. Die Basketballerinnen des Klubs tragen ihre Heimspiele in der Sömmeringhalle in Charlottenburg aus, im ehemaligen Westberlin, ihre männlichen Kollegen spielen am Ostbahnhof.
Während der Basketball-WM der Frauen war die Ausstellung »Freigespielt!« an den Spielorten in Berlin zu sehen. Und womöglich wird sie auch noch an anderen Orten gezeigt. Laabs hat sich über das Interesse gefreut. Noch heute, mit 81 Jahren, führt sie Kinder und Jugendliche als Trainerin an den Spitzensport heran. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht.
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Source: nd