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Basketball | Alba Berlins neue Gelassenheit

Der amtierende Meister lässt sich von seinem holprigen Saisonstart nicht aus der Ruhe bringen und kommt langsam immer besser in Fahrt.

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Gegen Bilbao holten Jonas Mattisseck (3.v.l.) und Co. am Mittwoch einen wichtigen Sieg in der Champions League. Foto: imago/camera4+ Ein Jahr ist eine Ewigkeit im Sport. Vor ziemlich genau zwölf Monaten war die Verunsicherung bei Albas Basketballern geradezu greifbar. Nach nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen der Saison 2025/26 drängten sich unangenehme Fragen auf: Reicht die Qualität des runderneuerten Berliner Kaders? Ist Cheftrainer Pedro Calles der Richtige, um den Umbruch zu gestalten? Oder droht dem früheren Serienmeister nach seiner finanziellen Schrumpfkur in der Basketball-Bundesliga (BBL) der Absturz ins Mittelmaß?

Im Oktober 2026 hätten sich diese Fragen in leicht abgewandelter Form erneut stellen können. In der aktuellen Spielzeit starteten die Berliner mit nur zwei Siegen aus den ersten fünf BBL-Spielen ähnlich schlecht wie vor einem Jahr. Die Betonung liegt auf »hätte«, denn von Verunsicherung war bei Alba trotz des erneuten Stolperstarts bislang keine Spur. Stattdessen strotzen die Berliner nach ihrem sensationellen Meistercoup gegen den FC Bayern Basketball im Juni noch immer vor Selbstvertrauen.

»Wir sind am Anfang der Saison. Es geht darum, dass man am Ende zusammengewachsen ist. Und da gehören solche Phasen jetzt auch dazu«, erklärte Malte Delow nach dem schwachen Ligastart. Tatsächlich sind der 25-jährige Flügelspieler und seine Teamkollegen schon wieder auf dem besten Weg, den Turnaround zu schaffen. Im Achtelfinale des BBL-Pokals warf Alba zuletzt Titelverteidiger Bamberg aus dem Wettbewerb. Und nach dem Heimsieg gegen Bilbao am Mittwochabend stehen die Berliner in der Basketball Champions League nach drei Spieltagen ungeschlagen an der Spitze der Gruppe G.

Der 103:100-Erfolg gegen die Spanier in der Arena am Ostbahnhof war dabei ein Musterbeispiel für alles, was gut läuft, und alles, was noch besser werden muss beim amtierenden deutschen Meister. Unter den Körben hatte Alba ohne den 2,18 Meter großen Norris Agbakoko, der wegen eines gebrochenen Knöchels noch monatelang ausfallen wird, Probleme gegen Bilbaos Physis – auch weil der erst vor zwei Wochen nachverpflichtete neue Center Yankuba Sima noch Zeit braucht, um sich richtig ins Team zu integrieren.

Außerdem offenbarte die Partie am Mittwoch erneut, wie schwer es Alba zurzeit fällt, Spiele zu kontrollieren und über die gesamten 40 Minuten eine konstante Leistung zu bringen. Im zweiten Viertel fanden die Berliner in der Verteidigung kaum noch Antworten. Und nach der Pause kamen sie zu zaghaft aus der Kabine, was zwischenzeitlich zu einem 48:61-Rückstand führte.

»Dann haben wir irgendwie einen Weg gefunden, das Spiel zu drehen. Das ist eine Qualität, die wir auch letztes Jahr schon hatten«, freute sich Malte Delow über die weiterhin vorhandene Stehauf-Mentalität, die Alba in der vergangenen Spielzeit bis zum Titel trug und gegen Bilbao für die nächste erfolgreiche Aufholjagd sorgte. Dennoch sieht der Nationalspieler sein Team noch lange nicht auf Topniveau: »Wir müssen gerade defensiv noch Schritte nach vorne machen«, forderte Delow.

Dass es trotzdem schon zu einem letztlich verdienten Sieg gegen einen Europapokal-Teilnehmer aus der starken spanischen Liga reicht, verdeutlich das große Potenzial, das noch in dieser Berliner Mannschaft schlummert. Ähnlich sah es auch Spielmacher Martin Hermannsson: »Für mich ist das immer ein gutes Zeichen, wenn wir nicht perfekt spielen, aber trotzdem gewinnen«, sagte der 32-jährige Routinier, der gegen Bilbao nach einer gerade erst überstandenen Muskelverletzung noch etwas weniger Minuten auf dem Parkett stand als gewöhnlich.

Am Mittwoch übernahmen deswegen zwei Neuzugänge in der Offensive das Kommando. Der pfeilschnelle Jordan Ford steuerte 21 Punkte und sechs Assists zum Sieg bei. Noch erfolgreicher war sein US-amerikanischer Landsmann Brandon Angel, der alle seine zehn Würfe aus dem Feld verwandelte und auf insgesamt 24 Punkte kam. Der Schlusspunkt gehörte dann allerdings wieder einem Alba-Urgestein: Justin Bean, der wertvollste Spieler der Finalserie gegen Bayern, versenkte elf Sekunden vor Schluss den vorentscheidenden Dreipunktewurf zum 102:98.

Die Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern und treffsicheren Neuzugängen wächst immer besser zusammen. Bleibt das Team von weiteren schweren Verletzungen verschont, sollte für Alba sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League noch viel möglich sein. Erst recht, wenn in den kommenden Wochen auch noch Jack Kayil nach seiner Wadenverletzung zurückkehrt. Der 20-Jährige, der in der vergangenen Saison ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zur Meisterschaft war, gilt weiterhin als eines der größten deutschen Basketballtalente. Sein im Sommer geplanter Sprung in die NBA klappte zwar nicht, an seiner Bedeutung für die Berliner ändert das jedoch nichts.

Beim Auswärtsspiel am Sonntag in Bonn wird Kayil definitiv noch fehlen. Gelingt Alba in einer der lautesten Hallen der BBL trotzdem ein Sieg, wäre die Trendwende auch in der Bundesliga endgültig vollzogen. Und sollte es eine Niederlage geben, werden sie sich beim Meister auch nicht verrückt machen. Die Saison ist schließlich noch lang – und erst am Ende muss wirklich alles passen.

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