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Baden-Württemberg | MeToo erreicht Boris Palmer
Eine ehemalige Gemeinderätin wirft dem Tübinger Oberbürgermeister sexuelle Übergriffe vor. Die Affäre könnte für Palmer politische Folgen haben.
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Boris Palmer soll sich mit einer ehemaligen Gemeinderätin in erotischen Chats ausgetauscht haben. Foto: Bernd Weißbrod/dpa Um Boris Palmer war es zuletzt ruhiger geworden, was wohl auch dem glücklichen Umstand zu verdanken ist, dass er die KI für sich entdeckt hat. Bevor er seine Meinung meist über Social Media in die Welt postet, verriet er unlängst, lässt er sie noch einmal von Chat GPT checken, ob er über die Stränge schlägt. So hat Tübingens Oberbürgermeister so manchen Shitstorm umschifft.
Nur noch gelegentlich gehen mit ihm öffentlich die Gäule durch. Als er sich etwa auf Facebook über einen E-Scooter-Fahrer ausließ, der sein Gerät unsachgemäß abgestellt hatte. »Das muss man auch erst mal schaffen, sowohl eine Garageneinfahrt als auch den Gehweg komplett zu blockieren. Glückwunsch. Dürfen eigentlich auch Gehirn amputierte solche Roller benutzen?«
Nun ist Palmer erneut in die Schlagzeilen geraten. Eine frühere Gemeinderätin hat schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. In einem 17-seitigen Papier schildert sie eine Affäre mit dem Oberbürgermeister und wirft ihm »sexuelle Übergriffe« und »emotionalen Missbrauch« vor. Sie veröffentlichte auch Chats, in denen sie ihn mit den Vorwürfen konfrontierte. Die Staatsanwaltschaft Tübingen prüft den Fall. Es liegt eine Anzeige vor. Palmer weist die Vorwürfe als haltlos zurück und kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Die Medien bat er darum, seine Privatsphäre zu respektieren. Auszüge aus den Chats mit Palmer und das Schreiben der Betroffenen liegen dem »nd« vor.
Kontroversen begleiten den 54-Jährigen seit Jahren. Seine öffentlichen Aussetzer offenbaren eine Mischung aus Rüpelhaftigkeit und schwäbischer Spießigkeit, die ihn zum politischen Querkopf gemacht hat. Mit den Grünen hat er sich längst überworfen, 2023 verließ er die Partei. In Tübingen wurde er dennoch auch als Parteiloser zum Oberbürgermeister gewählt. Denn seine unkonventionelle Art ist eng mit seinem politischen Talent verbunden: Palmer stellt dickköpfig infrage, was zwar selbstverständlich scheint, aber nicht alternativlos sein muss.
Das brachte ihn auch in die Nähe der schwarz-grünen Landesregierung. Dort beriet er den befreundeten Ministerpräsidenten Cem Özdemir (Grüne) bei Fragen des Bürokratieabbaus. Bislang zumindest. Auf Bitten der Landesregierung lässt er sein Ehrenamt vorerst ruhen.
Bei den Grünen dürfte man die Vorwürfe aufmerksam verfolgen. Zuletzt hatte es wieder eine vorsichtige Annäherung an den Tübinger Rathauschef gegeben. Özdemir hatte erklärt, er würde sich wünschen, dass Palmer einen Weg zurück in die Partei findet. Auch Palmer selbst hatte sich offen für eine Rückkehr gezeigt.
Wie ernst die Lage für Palmer ist, zeigt eine erste Konsequenz. Wegen der öffentlich gewordenen Vorwürfe fällt am Donnerstagabend ein Comedy-Auftritt Palmers im Tübinger Kulturzentrum Sudhaus aus. Der Veranstalter hatte die Show abgesagt. Palmer sollte dort über seine Erlebnisse mit der Bürokratie erzählen.
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