Skip to content
Faultline Prefer us on Google

Germany nd

Autoindustrie | Rechte Emotionen

Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner im US-Wahlkampf kommt nicht überraschend

Deutsch (original) ·Read in English ⇄

Audi-Chef Gernot Döllner Foto: Imago/ Mike Schmidt Gernot Döllner gilt als Manager, der hoch hinaus will. So hat der Audi-Chef das »klare Ziel« ausgegeben, 2030 um die Formel-1-Weltmeisterschaft mitzufahren. Dass dieser »Motorsport« mit Verbrenner-Rasern und extrem hohem Material- wie Spritverbrauch mit Blick auf die Mobilitätswende völlig überholt ist, sagt der 57-Jährige nicht. In Döllners Autowelt geht es um »emotionale Aufladung«, wie er in Interviews betont. Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, ist nicht sein Ding.

Da kann sein Auftritt am Wochenende bei einer Hassrede-Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump, für das der aus Niedersachsen stammende Ingenieur viel Schelte in Deutschland bezogen hat, nicht wirklich überraschen. Dabei kündigte er eine Milliardeninvestition im Bundesstaat Georgia an. Wohlgemerkt, Audi gehört zum VW-Konzern, wo derzeit radikale Sparmaßnahmen zu Lasten der Beschäftigten auf den Weg gebracht werden. Auch deshalb äußerte sich VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo fassungslos zu Döllners Auftritt mit Trump: »Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzernrepräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe.«

Zum VW-Konzern war Döllner bereits mit 24 Jahren nach seinem Maschinenbau-Studium an der TU Braunschweig gekommen. Nach einigen Jahren bei der Marke Porsche kehrte er 2021 zu Volkswagen nach Wolfsburg zurück, wo er die Leitung der Konzernstrategie und des Generalsekretariats übernahm. Zwei Jahre später wurde der Chef der Markengruppe Progressive, zu der neben Audi auch reine Luxusmarken wie Lamborghini und Bentley gehören. Auch hier steht für eine rückwärtsgewandte Strategie mit exklusiv designten Spritschleudern ohne Umstellung auf Batterieantriebe, weshalb man insbesondere am riesigen Markt in China große Absatzeinbrüche verzeichnet. Audi produziert neue E-Autos dort verschämt ohne das Logo mit den vier Ringen, um ein junges Zielpublikum anzusprechen.

Es sind eher klassische rechte Emotionen, für die Audi unter Döllner steht. Eine klare Positionierung gegen Rechts gehören nicht zum Auftreten des geborenen Bückeburgers, der sein Abitur am Gymnasium Adolfinum absolviert hat. Dabei wäre dies gerade bei VW wichtig, das in der Nazizeit als NS-Vorzeigebetrieb gegründet wurde und später mit der Militärjunta in Brasilien nicht nur zusammenarbeitete, sondern auch selbst Menschenrechtsverletzungen beging. Und die Audi-Vorgängerin Auto-Union rüstete die Wehrmacht aus.

Nicht nur in der Formel 1 mischt Audi mit. Der Autohersteller ist Großsponsor und Anteilseigner bei Bayern München, natürlich einem der ganz Großen im Weltfußball, und Döllner ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats. Denn wie in den USA unter Trump und in der Formel 1 will er auch im imageträchtigen Kommerz-Fußball hoch hinaus.

Dieser Artikel hat dich nichts gekostet. Uns schon: Recherche, Produktion und Technik. Wir haben bei der Büromiete sowie bei Druck und Vertrieb gespart. Und wir haben auf Gehalt verzichtet. Trotzdem gilt: Ohne dich geht die Rechnung nicht auf. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro. Du zahlst, was du kannst, dafür schreiben wir weiter.

Keine Paywall, kein Kleingedrucktes, nur ein Ziel: dass nd bleibt.

Originally published bynd
Read the original