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Augenheilkunde | Flimmern, Blitze, Zickzacklinien
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Auch verschwommenes Sehen kann ein Alarmzeichen sein – unter anderem für Grauen oder Grünen Star. Foto: imago/Seeliger Großes Augentheater: Nebel, blendendes Licht in der Mitte, dazu viele kleine Lichtpunkte. Oder bunte Zickzacklinien. Oder Blindheit in der Mitte. Blinkende oder stehende helle Lichter, bunte Punkte, Kreise oder geometrische Formen. Oder das verschwommene Bild verzerrt sich und leuchtet farbig. Blitze, Flimmern, Sterne, Funken – alles scheint möglich. Aber diese Phänomene sind kein Rauscherleben und kein Film von Silvester oder einem Vergnügungspark. Sie sind Krankheitszeichen. Wer sie sieht, braucht möglicherweise dringend medizinische Hilfe.
Mit solch einem akuten Erlebnis, das in der Regel schnell wieder abklingt, kommen Patienten auch zum Augenarzt. Mit Blick auf den diesjährigen Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in dieser Woche in Berlin haben die Veranstalter vorab auf das Thema hingewiesen. Um zu erkennen, was hinter den ungewöhnlichen Lichtern oder dunklen Bereichen steckt, braucht es einiges an Systematik. Einen Überblick dazu gab Julia Biermann, die sowohl am Klinikum Bielefeld als auch in einer Praxis in Münster tätig ist. Die Fachärztin für Augenheilkunde unterscheidet zunächst danach, ob die Phänomene positiv sind – also etwas zusätzlich gesehen wird – oder eben negativ, wenn weniger von der Umwelt gesehen wird.
Eine plötzliche, schnell vorübergehende Erblindung kann ein Vorzeichen für einen Schlaganfall sein.
Ein nächster Unterschied ist, ob beide Augen betroffen sind oder nur eins. Nicht immer kann das rückwirkend geklärt werden, weil die wenigsten Patienten in der Situation jeweils ein Auge schließen, um das zu erfassen. Einseitige Sehstörungen weisen auf Ursachen in den Teilen des Auges hin, die vor der Netzhaut liegen, also im Glaskörper, oder eben in der Netzhaut selbst, im Sehnerv oder in der Aderhaut. Werden die Phänomene beidseitig gesehen, dann liegen die Ursachen hinter der Kreuzung der Sehnerven, an der Schädelbasis direkt unterhalb des Gehirns. Die Auslöser können wiederum vielfältig sein: Blutdruckabfall durch zu schnelles Aufstehen, Blutzuckerschwankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten; auch das Pressen von Atemluft gegen den geschlossenen Mund und die verschlossene Nase kann zu einer visuellen Störung führen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium zur Unterscheidung der Phänomene ist die Frage, ob sie mit Kopfschmerzen verbunden sind oder nicht. Unter anderem bei Migräne ist das der Fall. Und hier sind die visuellen Effekte auch sehr vielfältig. »Es sind bis zu 26 verschiedene Störungen beschrieben«, erklärt Biermann, »und sie sind immer beidseitig. Aber die Patienten nehmen sie oft als einseitig wahr«. Typisch für diese visuelle »Aura« bei Migräne ist, dass sich die Störung langsam innerhalb von fünf Minuten aufbaut und bis zu einer Stunde andauert, und zwar oft – aber nicht immer – mit den Kopfschmerzen verbunden. Die Migräne-Aura mit visuellen Ereignissen ist auch die häufigste. Die entsprechenden Wahrnehmungen wandern laut Biermann in Richtung Peripherie über das Gesichtsfeld – und verschwinden dann irreversibel. Dennoch ist bei erneutem Auftauchen entweder eine augenärztliche sowie eine neurologische Untersuchung zu empfehlen.
Ein höchst alarmierendes Zeichen für einen Schlaganfall kann ein Verschluss der Netzhautarterien sein. Der Fachbegriff lautet Amaurosis fugax. Diese plötzliche, schmerzfreie und schnell vorübergehende Erblindung oder Sehbeeinträchtigung betrifft meist nur ein Auge. Das Geschehen kann Vorbote für einen drohenden Schlaganfall sein und dauert höchstens eine Minute. Wird es von Ärzten diagnostiziert, sollten die Patienten umgehend in eine neurologische Klinik oder Notaufnahme überwiesen werden – bis zu zwei Wochen nach einem solchen Ereignis.
Andere Ursachen für Sehstörungen sind Netzhautablösungen, erhöhter Hirndruck oder ein spezielles Glaukom. Letzteres zeigt sich durch verschwommenes Sehen und Halos, also farbige und helle Ringe um Lichtquellen, und ist verbunden mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch hier sollten Patienten sofort zum Augenarzt oder zum Augennotdienst gehen. Eher harmlos sind indessen kleine Pünktchen oder schattenhafte Gebilde, die sich mit dem Blick bewegen – deren Ursache sind meist altersbedingte Trübungen des Glaskörpers.
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Source: nd