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Aufrüstung | Raketenproduktion in Leipzig stößt auf Widerstand
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Die Marschflugkörper, die Covenant im Raum Leipzig produzieren will, sollen eine Reichweite von 1500 Kilometern haben. Foto: dpa/Covenant Die geplante Ansiedlung des Rüstungsunternehmens Covenant im Raum Leipzig stößt auf wachsenden Widerstand. Für diesen Samstag lädt ein Bündnis mit dem Namen »Keine Raketenfabrik in Leipzig« zu einer Protestveranstaltung auf dem zentralen Augustusplatz. Das neu formierte Bündnis wird von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Kleinparteien getragen und von der Linken sowie dem BSW unterstützt. Zuvor hatte es bereits am 2. September am Rand einer Stadtratssitzung eine Kundgebung vor dem Rathaus gegeben.
Covenant will, wie kürzlich bekannt wurde, in der Region Marschflugkörper mit einer Reichweite von 1500 Kilometern herstellen. Das US-israelische Unternehmen will die Produktion bereits im kommenden Jahr aufnehmen und in einer einen Hektar großen Fabrik zunächst 1000 Stück, später bis zu 5000 Stück im Jahr produzieren. Die Waffen vom Typ »Anthem« sollen deutlich preiswerter sein als etwa die US-amerikanischen »Tomahawks«. Sie sollen Sprengladungen von 200 Kilogramm tragen und für Präzisionsschläge weit hinter gegnerischen Linien genutzt werden können. Die in Leipzig hergestellten Systeme sind nach Unternehmensangaben für europäische Kunden gedacht; erste Aufträge lägen bereits vor.
Mitglieder der Landesregierung hatten die Ansiedlung des Unternehmens in Leipzig begrüßt. CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte in einem Interview mit zwei Regionalzeitungen in Anspielung auf den aktuellen Verlust von Industriearbeitsplätzen etwa in der Automobilbranche, Sachsen sei nicht in der Situation, »dass wir sagen können aus Luxus: Wir verzichten auf den Bereich Verteidigung«. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) wurde im Deutschlandfunk mit der Einschätzung zitiert, in Leipzig würden mit der Ansiedlung von Covenant »hochwertige Arbeitsplätze geschaffen, die industrielle Basis gestärkt und das technologische Knowhow ausgebaut«. Als einen der ausschlaggebenden Faktoren für die Ansiedlung nennt das Unternehmen die Unterstützung der sächsischen Wirtschaftsförderung, die dem von Panter geführten Ministerium nachgeordnet ist.
»Diese Ansiedlung macht Leipzig einmal mehr zur militärischen Zielscheibe.«
Faktoren wie Arbeitsplätze dürften indes nicht unabhängig vom Unternehmenszweck bewertet werden, sagen die Kritiker der Ansiedlung. »Rüstungsinvestitionen enden in einem Teufelskreislauf«, sagt Johannes Schmidt, Stadtchef der Linken: »Neue Aufträge gibt es nur, wenn Waffen auf Schlachtfeldern verbraucht werden.« Das neue Bündnis betont, man wolle »zivile, gesellschaftlich sinnvolle und tarifgebundene Arbeitsplätze statt Rüstungsproduktion«. Erklärtes Ziel ist es, den Produktionsbeginn zu verhindern.
Die Kritiker warnen auch vor Folgen der Ansiedlung für die Sicherheit der Stadt. Der BSW-Kreisverband Leipzig erklärt, mit der Produktion von »Erstschlagwaffen gegen Russland« mache sich Leipzig zu einem »potenziellen Ziel«. In einer Mitteilung heißt es, die »Anthem«-Marschflugkörper hätten eine »Reichweite bis nach Moskau«, wobei die russische Hauptstadt 2000 Kilometer von Leipzig entfernt ist. Der BSW-Landtagsabgeordnete Eric Recke warnt vor »ernsten Gefahren für Bevölkerung und Wirtschaft«. Auch Skadi Jennicke, die Kulturbürgermeisterin der Linken, warnt davor, Leipzig könne zur »militärischen Zielscheibe« werden.
Dass sich Jennicke zu dem Thema äußert, liegt daran, dass sie Kandidatin ihrer Partei bei der Wahl eines neuen Oberbürgermeisters ist, die im Februar 2027 stattfindet. Neben ihr äußern sich auch BSW-Kandidat Recke sowie der designierte AfD-Bewerber Alexander Wiesner ablehnend zu der Ansiedlung. Zu den Kandidaten zählt allerdings auch SPD-Minister Panter. Allein diese Personalien dürften dafür sorgen, dass die Covenant-Ansiedlung eine gewichtige Rolle im OB-Wahlkampf spielt.
Die Stadtpolitik beschäftigt sie bereits jetzt. Im Stadtrat hat die Linke einen Antrag eingebracht, mit dem sich Leipzig als »Stadt des Friedens« bekennen soll. Die Ansiedlung von Rüstungsunternehmen solle »im gesamten Stadtgebiet« verhindert werden. Die Verwaltung solle dazu »alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen«. Im Fall konkreter Ansiedlungsvorhaben sollten im betroffenen Gebiet Einwohnerversammlungen durchgeführt werden.
Die geplante oder tatsächliche Ansiedlung von Rüstungsunternehmen ist bisher in Sachsen auf unterschiedliche Resonanz gestoßen. Als im Sommer 2023 Pläne des Rheinmetall-Konzerns publik wurden, in Großenhain auf dem Gelände eines früheren Militärflugplatzes eine Munitionsfabrik zu errichten, gab es breiten Widerstand. Das Vorhaben zerschlug sich. Als dagegen im Frühjahr 2025 der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS den traditionsreichen, zuletzt unter dem Dach von Alstom produzierenden Görlitzer Waggonbau übernahm, regte sich in der Stadt und der Belegschaft kaum nennenswerter Widerstand. In der ostsächsischen Stadt überwog die Erleichterung darüber, dass immerhin 400 der zuvor 700 Arbeitsplätze erhalten blieben.
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Source: nd