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Armut | Jeder zweite Mieter muss sich wegen hoher Wohnkosten einschränken

Hohe Mieten werden immer mehr zur Belastung – selbst die Familienplanung ist inzwischen davon betroffen. Das zeigt eine Umfrage.

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Besonders in den Großstädten ist die Wohnsituation angespannt. Foto: dpa/Andreas Arnold Berlin. Mehr als jeder zweite Mieter muss sich einer Umfrage zufolge wegen hoher Wohnkosten in anderen Lebensbereichen finanziell einschränken. Laut einer Umfrage für den Sozialverband Deutschland (SoVD), die der »Rheinischen Post« am Donnerstag vorlag, gaben 18 Prozent der Befragten an, sich angesichts ihrer Wohnsituation »sehr stark« finanziell einschränken zu müssen. Weitere 35 Prozent bezeichneten die Einschränkungen als »eher stark«.

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des SoVD durchgeführt. Laut der »Rheinischen Post« wurden Ende September Menschen online befragt, darunter 2500 Mieter.

Wie die Zeitung weiter berichtet, sind die finanziellen Einschränkungen umso stärker, je jünger die Mieter sind. Rund zwei Drittel der befragten Mieter im Alter von 18 bis 29 Jahren gaben demnach an, sich wegen der Miet- und Nebenkosten finanziell einschränken zu müssen. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 60 Prozent. Insgesamt halten 48 Prozent der Befragten ihre Miete für zu hoch.

»Wenn sich mehr als die Hälfte der Mieterinnen und Mieter einschränken muss, nur um Miete und Nebenkosten bezahlen zu können, läuft bei der Bezahlbarkeit des Wohnens etwas grundlegend schief«, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der »Rheinischen Post«.

Auch persönliche Lebensentscheidungen werden der Umfrage zufolge von hohen Wohnkosten beeinflusst. Fast die Hälfte der Befragten hat deshalb bereits konkrete Lebenspläne geändert oder aufgegeben. Mehr als ein Viertel hat demnach seine Wohnungswahl angepasst, rund 20 Prozent die Wahl des Wohnortes. Zehn Prozent gaben an, wegen der Wohnkosten ihre Familienplanung verändert zu haben.

»Wenn die Frage, ob Menschen eine Familie gründen oder erweitern, zunehmend davon abhängt, ob sie sich eine geeignete Wohnung leisten können, dann entscheidet zunehmend der Geldbeutel über den Kinderwunsch«, mahnte Engelmeier. Wohnen sei »damit längst nicht mehr nur eine Frage der Bezahlbarkeit, sondern auch der sozialen Sicherheit und der Freiheit, das eigene Leben planen zu können«.

Auch mit Blick auf die Zukunft sind die meisten Befragten wenig optimistisch. 61 Prozent der Mieter erwarten der Umfrage zufolge nicht, dass Mieten und Wohnkosten künftig allgemein bezahlbarer werden. Vor diesem Hintergrund kritisierte Engelmeier die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen beim Wohngeld. Diese sendeten »das völlig falsche Signal« aus.

»Für viele Menschen ist das Wohngeld unverzichtbar, um ihre Miete bezahlen zu können und nicht in Armut abzurutschen«, sagte die SoVD-Chefin. »Solange die Politik steigende Mieten nicht wirksam begrenzt, darf sie die finanziellen Folgen nicht auf die Mieterinnen und Mieter abwälzen.« AFP/nd

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