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ARD-Tatort | Max Ballauf: 100 ist das neue 30 beim »Tatort«
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Foto: IMAGO/Christoph Hardt Fernsehen macht alt. Der Schauspieler Klaus J. Behrendt will nicht mehr beim »Tatort« mitmachen. Nächstes Jahr, nach der 100. Folge des Kölner »Tatorts« ist Schluss. Er ist dann 67 Jahre alt (in echt) und seit 50 Jahren berufstätig, weil er mit 17 angefangen hat zu arbeiten, als er eine Ausbildung zum Bergbaumechaniker machte. Doch Anfang der 80er starben schon die Zechen, und Behrendt wurde vorsichtshalber Schauspieler.
Als solcher ist er nur mit einer einzigen Rolle bekannt geworden: als Kriminalhauptkommissar Max Ballauf, der seit 1997 im Duo mit Alfred »Freddy« Schenk (gespielt von Dietmar Bär) im Kölner Raum ermittelt. Am Ende von fast jeder Folge stehen sie vor einer Imbissbude am Rhein, essen Currywust, trinken Bier und schauen auf den Rhein. So geht Tradition im deutschen Sonntagabendfernsehen, das linear auf dem Weg nach unten ist. Der»Tatort«, erfunden zu Zeiten, als Willy Brandt noch Kanzler war und Gerd Müller Mittelstürmer des FC Bayern, inflationiert sich zu Tode: Es gibt konstant mehr Ermittler*innen in immer mehr Städten und Regionen, die von immer weniger Leuten angeschaut werden. »Tatort«-Fans sind wie die SPD-Wähler, »Frankfurter Rundschau«-Leser oder Squash-Spieler: eine abnehmende Spezies.
Mit ihnen ist Behrendt als Max Ballauf gealtert. Zuerst ermittelte Ballauf in einem anderen »Tatort«-Team des WDR, und zwar in der Kölner Rivalenstadt Düsseldorf, wo er Assistent des bedächtigen Bernd Flemming (Martin Lüttke) war: jung und aufgeregt und kaum zu bremsen. Dann verließ der echte Behrendt die Serie und kehrte 1997 als Ballauf zurück, diesmal als neuer Kollege von Freddy Schenk in der Kölner Mordkommission.
So etwas passierte im »alten« Fernsehen äußerst selten, etwa als 1974 im ZDF Fritz Wepper als Harry Klein von »Der Kommissar« zu »Derrick« wechselte und beim »Kommissar« von seinem Bruder Erwin, der auch noch von Weppers echten Bruder Fritz gespielt wurde, ersetzt wurde. Im »neuen« Fernsehen der Streamingdienste mit seinen Spinn-offs, Prequels und Sequels ist das aber nichts Besonderes mehr.
Ballaufs Wechsel von Düsseldorf nach Köln ging mit einem Charakterwandel einher. Jetzt war Schenk der aufbrausende Typ und Ballauf sehr zurückhaltend, am Rande einer Depression und beziehungsunfähig. Leicht mysteriös, aber gerade deshalb interessant. Wie auch die Kölner »Tatorte« überhaupt, die neben denen aus München die letzten »Tatorte« waren, deren Drehbücher noch nicht so abgeflacht und vorhersehbar sind wie die anderen dieser Serie.
Die »Münchner« sprengten als Erste die Marke der 100. Folge (und traten dann ab). In Köln soll Bär als Schenk weitermachen. Seine WDR-«Tatort«-Vorgänger mussten früher aufhören: Flemming nach 15 Folgen, dessen Vorgänger Schimanski nach 29. Doch der kehrte dann als unerträglicher Pseudo-James-Bond mit eigener »Schimanski«-Serie wieder. Das ist mit Ballauf nicht zu machen. Klaus J. Behrendt ist ein sympathischer, umgänglicher, eigentlich schüchterner Mensch, heißt es.
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Source: nd