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Allgemeinmedizin | Hausärzte zwischen Sparzwängen und noch mehr Aufgaben
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Solche Routineuntersuchungen könnten in Zukunft noch mehr von Beschäftigten in nichtärztlichen Berufen übernommen werden. Foto: dpa/Bernd Weißbrod Die hausärztliche Versorgung ist in den letzten Jahren nicht besser geworden: Zwar stieg die Zahl der Allgemeinmediziner sogar leicht an, aber immer mehr von ihnen arbeiten lieber als Angestellte, etwa in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), als selbstständig in eigener Praxis. Hinzu kommt: Die angestellten Ärzte arbeiten häufiger in Teilzeit. Auch in diesem Bereich tickt die demografische Uhr: Rund 40 Prozent der Berufsgruppe sind über 60 Jahre alt.
Die Bürger nehmen die Auswirkungen dieser Mangelsituation durchaus wahr – und zwar immer deutlicher. Laut einer neuen Umfrage im Auftrag des Hausärzteverbandes hat sich für 44 Prozent von 5000 Befragten die Versorgung in ihrer Region in den letzten fünf Jahren verschlechtert. Regional gibt es Unterschiede: In Bayern wird eine Verschlechterung von 40 Prozent wahrgenommen, in Sachsen-Anhalt von 55 Prozent.
Der geplante Attestzwang ab dem ersten Krankheitstag befördert unnötige Bürokratie.
Dass es besser werden könnte, daran glauben die wenigsten. Konkret wurde nach Folgen des GKV-Spargesetzes gefragt. Hier erwarten 62 Prozent längere Wartezeiten und 60 Prozent, dass die Mediziner weniger Zeit für sie haben. Unter dem Strich würde eine sichere hausärztliche Versorgung durchaus Einfluss auf Wohn- und Lebensqualität in den Regionen haben, finden immerhin 81 Prozent. Solch ein hoher Wert sei selten in Meinungsumfragen, kommentiert Nicola Buhlinger-Göpfarth, Ko-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV).
Die Auswirkungen der unzureichenden Versorgung reichen aber auch in die Zukunft: Denn 51 Prozent der Befragten geben an, dass das Thema ihre Entscheidung bei den kommenden Wahlen beeinflussen wird. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren, sagt Buhlinger-Göpfahrt. Und es ist aus ihrer Sicht ein Thema immer jüngerer Menschen: »Die Erreichbarkeit ist für jüngere und mittlere Jahrgänge, für Familien, Berufstätige ein Thema – und nicht mehr nur für Senioren.« Die Hausärzte seien Teil der Daseinsvorsorge und der Zuwachs an diesem Punkt ein »Warnsignal«.
Ein Signal eben auch an die Politik. Und die hat laut HÄV noch nicht klargemacht, wo es nun zwischen Sparvorgaben und neuen Aufgaben für die Hausärzte eigentlich hingehen soll. Entsprechend hat der Verband anlässlich des Hausärztetages am Donnerstag und Freitag dieser Woche seine Forderungen noch einmal formuliert.
An der Spitze steht hierbei die Umsetzung des sogenannten Primärversorgungssystems. Ein solches System soll die ambulante Ergänzung der stationären Versorgung nach der Krankenhausreform sichern. Zwar steht es als Vorhaben im Koalitionsvertrag, aber der für diesen Sommer geplante Referentenentwurf wurde noch nicht gesichtet. Erste Auswirkungen sind frühestens für 2028 angekündigt – was weder Hausärzten noch Patienten beruhigen dürfte. Die Berufsgruppe hält diese Reform nur für machbar, wenn sie die hausarztzentrierte Versorgung umfasst und stärkt.
Bei diesem Thema wird besonders deutlich, dass sich die Gesundheitspolitik in den letzten Monaten und Jahren in Widersprüche verstrickt hat, die nur schwer aufzulösen sind. Einerseits wird im Zuge des GKV-Spargesetzes auch in der hausärztlichen Versorgung gekürzt: Ab 2027 wird die gerade erst 2025 erkämpfte Entbudgetierung faktisch beschnitten. Auch Neueinschreibungen von Patienten dürften sich finanziell weniger lohnen. Stattdessen drohen Abschläge bei der Vergütung.
Für Buhlinger-Göpfahrt ist das absurd: Die Hausärzte sollen nämlich andererseits mehr leisten – etwa zwingend vor Facharztkontakten aktiv werden. Das soll sich offenbar über Skalierungseffekte tragen. »Wir sind aber nicht in einer Radiologiepraxis. Mehr Patienten bedeuten mehr Platzbedarf und mehr Praxispersonal.«
Gleichzeitig sollen, nämlich mit der Reform der Notfallversorgung, von den Hausärzten noch mehr Aufgaben übernommen werden, etwa die Mitarbeit an einem neuen System mit mehr Notarztpraxen und einem stark ausgeweiteten Besuchsdienst in Notfällen – und das auch noch zu den Öffnungszeiten der Praxen. Außerdem wird aus Sicht von Ärzten, Unternehmen und Beschäftigten unnötige Bürokratie befördert, und zwar durch den geplanten Attestzwang ab dem ersten Krankheitstag und den Wegfall der telefonischen Krankschreibung.
Die Ausgestaltung des Primärarztsystems ist jedoch an einigen Punkten noch unklar, unter anderem dabei, ob nur Hausärzte die Lotsenfunktion übernehmen dürfen oder auch andere Fachgruppen. Weitere Forderungen der Hausärzte betreffen die dringend nötige Regulierung von MVZ, die von fachfremden Investoren eingerichtet werden, oder Erleichterungen bei den Regressforderungen von Krankenkassen gegenüber den Praxen.
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Source: nd