Politics · nd · · 2h
AfD | AfD als Nachbar unerwünscht
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Student Jörn zeigt die Unterschriftenlisten, bevor er sie einwirft. Foto: nd/Andreas Fritsche Mit ihrem Einzug in das Haus am Köllnischen Park in Berlin-Mitte versuche die AfD, »sich in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren und sich als normale Partei auszugeben«. Doch dabei müsse sie mit Widerstand rechnen. So heißt es in einer Petition, die bis jetzt von etwa 24.800 Menschen unterzeichnet wurde. Am Mittwochabend hat Student Jörn vom Bündnis »Mitte liebt Vielfalt« die bis dahin geleisteten Unterschriften in den Hausbriefkasten des Bürogebäudes eingeworfen.
Jörn gehört zu den Studierenden der Psychologischen Hochschule Berlin, die in diesem Bürohaus untergebracht ist. Er und andere Menschen, die in dem Gebäude Psychologie studieren, Deutsch lernen, bei den Stadtwerken, der Hilfsorganisation Oxfam oder beim Arbeiter-Samariter-Bund arbeiten oder die in dieser Gegend leben, sind mit der AfD als neuem Nachbar nicht einverstanden.
Das Viertel im Herzen Berlins sei bunt und vielfältig und biete Menschen aus aller Welt ein Zuhause, eine Arbeitsumgebung und einen Ort zum Feiern. Die AfD sei eine in Teilen rechtsextreme Partei und bekämpfe diese Vielfalt, heißt es in der Petition. Mit Beschäftigten der AfD in der fünften Etage des Hauses am Köllnischen Park fühle man sich hier nicht mehr sicher.
Es werde beobachtet, wie Umzugskartons in die fünfte Etage gebracht werden, auf denen AfD stehe, berichtet Joachim Baur von »Mitte liebt Vielfalt«, was ihm von Augenzeugen erzählt wurde. Es war vermutet worden, dass es sich um die AfD-Bundesgeschäftsstelle handelt, die ihr bisheriges Domizil in Berlin-Reinickendorf verlassen muss. Die Partei hatte dort Büros, einen Veranstaltungssaal und Stellplätze in der Tiefgarage angemietet. Doch die Verträge laufen aus, und die ursprünglich ausgehandelte Option auf eine Verlängerung nutzt der AfD nichts.
»Man braucht keine politische Vorerfahrung. Man braucht nur eine antifaschistische, demokratische Haltung.«
Der Vermieter ist unter anderem deswegen sauer auf die Partei, weil sie ohne seine Erlaubnis am Abend der Bundestagswahl im Februar 2025 den Hof für ihre Wahlparty nutzte. Er wollte nach dem Vorkommnis sogar den sofortigen Rausschmiss erwirken, konnte sich damit vor Gericht aber nicht durchsetzen. Nun sollte die AfD Ende September die ersten Räume und schrittweise bis Ende des Jahres alle übrigen freiziehen.
Dass die AfD-Bundeszentrale nicht im Haus am Köllnischen Park unterkommen solle und dass die AfD dort auch keine Räume gemietet habe, hat die Partei dem »nd« bereits am 23. Juli mitgeteilt, aber weder damals noch jetzt Nachfragen beantwortet. Angeblich hat eine mit der AfD verbundene Immobilienfirma die fünfte Etage gemietet und stellt ihr diese zur Verfügung. Dem Vernehmen nach hat eine andere Mietpartei deswegen gerade ihre Räume gekündigt. Das »nd« hat auch in dieser Sache nachgefragt, aber noch keine Antwort erhalten.
Am Mittwochabend gab es vor dem Haus eine Kundgebung von »Mitte liebt Vielfalt«. Die rund 200 Teilnehmer singen dabei: »Auf die Barrikaden, leistet Widerstand!« Eine Frau spielt die Melodie auf dem Horn. Student Jörn moderiert die Versammlung so gekonnt, als hätte er so etwas schon sehr oft getan. Dabei ist das gar nicht der Fall: Er ist noch neu beim Bündnis, erst bei der für ihn zweiten Aktion dabei.
»Wir brauchen jede und jeden«, sagt Joachim Baur. »Man braucht keine politische Vorerfahrung. Man braucht nur eine antifaschistische, demokratische Haltung.« Mit dem Einzug der AfD würde die Gegenwehr nicht eingestellt werden. »Wir werden niemals neutral bleiben gegenüber Menschenfeindlichkeit«, versichert bei der Kundgebung eine Rednerin. Man werde nicht abwarten, bis man aus dem Haus verdrängt werde. Denn es geht die Angst um, die AfD wolle sich Stück für Stück auf weitere Etagen ausdehnen.
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Source: nd