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Sparprogramm und Effizienzsteigerung dank E-Auto auch bei Daimler Leiharbeiter zuerst
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Dossier
„Der Betriebsratsvorsitzende bei Daimler in Untertürkheim stellt fest: „Durch die E-Mobilität steigt für die Autobauer der Druck auf die zukünftigen Renditen und der Zwang zu Kostenoptimierungen“. (…) Daimler und Porsche haben deshalb neue „Sparprogramme“ von vier bzw. sechs Milliarden Euro aufgelegt. Wenn im Zentrum der Programme die „Steigerung der Effizienz in der Produktion“ steht, dann ist das nur eine schöne Umschreibung zur Steigerung der Rationalisierung und Arbeitshetze. Die Beschäftigen müssen sich deshalb auf eine Verschärfung des Kurses einstellen. Eine wesentliche Methode bei Daimler sind dabei Fremdvergaben von Aggregaten und Produktionsschritten in einem bisher nicht gekannten Umfang. So soll in Mettingen die Stahlgießerei und Bearbeitung von Turboladergehäusen wegkommen, in Sindelfingen die Sitzfertigung in Hulb…“ Beitrag vom 17.08.2018 bei Rote-Fahne-News
(„Autokonzerne reagieren auf sinkende Profitrate – „Sparprogramme“ stehen für Steigerung der Rationalisierung und Arbeitshetze“) – siehe dazu bundesweit und für einzelne Standorte:
- „Ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt!„: Rede von Sven Vaith bei der Betriebsversammlung bei Mercedes-Benz Hamburg am 8. September
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Sven Vaith, ich arbeite in Halle 16 an der Bandmontage. Und ich stehe heute hier, weil mir – wie vermutlich euch allen – langsam der Kragen platzt! Überall bei Mercedes wird die Ausbeutungsschraube angezogen. Aber wir Arbeiter schaffen die ca. 3 Milliarden €, die als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt wurden! (…) Bevor wir nur einen Tag für unsere berechtigten Lohnforderungen gestreikt haben, hat der Mercedesvorstand und die Merzregierung den Frontalangriff auf unsere Lebenslage ausgerufen: Gemeinsam wollen sie die Arbeitszeit auf 40 Stunden ausdehnen, ohne Lohnausgleich. (…) Kollegen und Kolleginnen wir müssen in die Gegenoffensive mit unseren eigenen Gegenforderungen gehen – klar und laut: satter Lohnnachschlag wegen der stark gestiegenen Preise! Alles wird teurer. 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! (…) Jetzt kommt der 21. September! Die IG Metall ruft zu einem bundesweiten Aktionstag in der gesamten Automobilindustrie auf. Das ist unsere Chance! Lasst uns diesen Tag nutzen – und wenn es sein muss, machen wir ihn zu einem bundesweiten gewerkschaftlichen Streiktag!...“ Text der Rede von Sven Vaith
, Halle 16, Bandmontage, bei der Betriebsversammlung Mercedes-Benz Werk Hamburg am 8.9.2026
- Siehe auch das Dossier: Der Widerstand gegen die Folgen der Profitkrise für die Auto-Belegschaften wächst
- Offener Brief an den Bundeskanzler der Vertrauenskörperleitungen der IG Metall bei Mercedes-Benz „nicht als Bittsteller an Sie, sondern als Partner“: Schluss mit dem Klassenkampf von oben!
„Mit ihrem offenen Brief an den Bundeskanzler bringen die Vertrauenskörperleitungen der IG Metall bei Mercedes-Benz die wachsender Verunsicherung und Unzufriedenheit unter den Beschäftigten zum Ausdruck, die durch die Angriffe der Bundesregierung auf Sozialstaat und Arbeitnehmerrechte entstehen. Der offene Brief im Wortlaut: (…)
im Austausch mit den Beschäftigten an den Standorten der Mercedes-Benz Group erleben wir als Vertrauenskörperleitungen der IG Metall derzeit sehr deutlich, wie die politischen Diskussionen über Rente und Arbeitszeit in den Betrieben ankommen. Mit den Sorgen der Kolleg:innen wächst die Wut. Wut darüber, dass ausgerechnet diejenigen für die Krise zahlen sollen, die dieses Land Tag für Tag am Laufen halten.
Wir hören aus der Politik immer wieder dieselbe Botschaft:
Angeblich sind wir schuld an den Problemen der deutschen Wirtschaft. Wir seien zu faul. Zu teuer. Zu häufig krank. Und deshalb sollen wir jetzt den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Wir sollen länger arbeiten. Später in Rente gehen. Und bei der Gesundheitsversorgung immer tiefer in die eigene Tasche greifen. Gleichzeitig sollen in den kommenden Jahren zehntausende Industriearbeitsplätze verschwinden. All das ist ein direkter Angriff auf uns Arbeitnehmer und auf die Zukunft unserer Kinder!
Besonders kritisch sehen wir die Diskussion über eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. (…)
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Altersteilzeit. Seit vielen Jahren ist sie ein bewährtes Instrument, um den industriellen Wandel sozialverträglicher zu gestalten. Sie hilft, Beschäftigung zu sichern, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, den Generationenwechsel zu organisieren und Planungssicherheit für Beschäftigte wie Unternehmen zu schaffen. Wer die Altersteilzeit schwächt, nimmt der Industrie ein wichtiges Instrument für den Strukturwandel. Deshalb ist für uns klar: Die Altersteilzeit muss bleiben!
Mit größter Sorge verfolgen wir außerdem die Diskussion über eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes. Der Acht-Stunden-Tag ist keine veraltete Vorschrift. Er ist eine der größten sozialen Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung. (…)
Längere Wochen- und Lebensarbeitszeiten führen zu weniger Arbeitsplätzen, höherer Arbeitslosigkeit und sinkender Kaufkraft. So kann kein Wachstum erzeugt werden. (…)
Mit Verlaub, Herr Bundeskanzler: Auf solche weltfremden „Reform“-Pläne kann nur jemand kommen, der noch nie an einer Montagelinie gearbeitet hat; der es sich nicht ausmalt, wie es ist, bei Gluthitze in einer Gießerei zu stehen; der keine Vorstellung davon hat, was es bedeutet, trotz Bandscheibenvorfall und chronischen Schmerzen bis zur Rente weiter schuften zu müssen. (…)
Sie haben die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen. Einen Weg, der sich an den Interessen und der Lebenswirklichkeit der Beschäftigten orientiert.
Deshalb wenden wir uns nicht als Bittsteller an Sie, sondern als Partner: Wir sehen die dringende Notwendigkeit unsere Wirtschaft in Deutschland anzukurbeln, denn ohne funktionierende Wirtschaft – ohne große Unternehmen, ohne den Mittelstand –, gibt es auch keine Arbeitsplätze in diesem Land. Aber wir sehen auch, dass der Weg dorthin, im Moment an uns Arbeitnehmern vorbeigehen soll. Wir appellieren daher an Sie: Setzen Sie den Kurs des Klassenkampfs nicht weiter von oben fort, sondern hören Sie den Menschen in diesem Land – hören Sie ihren Wählerinnen und Wählern – zu…“ Offener Brief der Vertrauenskörperleitungen der IG Metall bei Mercedes-Benz vom 28. Juli 2026 bei der IG Metall Stuttgart
- „Heißer Sommer“ der IG Metall Teil 1 bei Mercedes-Benz: 33.000 Kolleg:innen protestieren gegen unbezahlte Arbeitszeitverlängerung – folgen mehr Hitzefrei-Aktionen?
- Mercedes: Zehntausende Beschäftigte protestieren bundesweit: Klare Worte statt Appelle
„… Die Kolleginnen und Kollegen wollen sich das nicht gefallen lassen. In kämpferischen Kundgebungen haben sie ihrem Widerstand Ausdruck verliehen und weitere Aktionen angekündigt. Michael Claus, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Werk Untertürkheim, sprach bei der Kundgebung in Mettingen vor rund 2.000 Kolleginnen und Kollegen von einem Generalangriff auf soziale Standards und tarifliche Errungenschaften. Insbesondere über den Angriff auf die Arbeitszeit zeigte er sich aufgebracht, denn durch noch längere Arbeitszeiten würden noch mehr Arbeitsplätze vernichtet. Claus rechnete vor, dass die Kolleginnen und Kollegen die Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden, die in den 1980er und 1990er Jahren erfolgte, selbst bezahlt haben. Die Tariferhöhungen blieben in dieser Zeit weit unterhalb der Inflation und unterhalb der Produktivitätssteigerung. 12,9 Prozent Tariflohnerhöhung in den Jahren von 1985 bis 1995 standen 27,9 Prozent Inflation und Produktivität gegenüber. Jetzt soll durch die 40-Stunden-Woche ohne Lohnerhöhung doppelt abkassiert werden. Das sei Lohndiebstahl und für Diebstahl komme man in den Knast, so Claus.
Auf die Ansage des Konzernchefs Ola Källenius, alle Entgeltbausteine und Sonderzahlungen prüfen zu wollen, reagierte Claus mit einem eigenen Vorschlag: „Sollen wir nicht mal prüfen, ob wir uns diesen Vorstand noch leisten können?“ Dafür bekam er viel Applaus. Auch die Frage der Aufrüstung ließ Claus nicht außen vor: Die Angriffe auf soziale Errungenschaften bei Rente, Familienversicherung, Altersteilzeit und Gesundheit seien die Kehrseite davon, dass über 40 Prozent des Bundeshaushalts in die Kriegsmaschinerie gepumpt würden. Er berichtete vom Kampf im Jahr 1996 gegen die Angriffe auf die Lohnfortzahlung bei Krankheit durch die Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl (siehe auch Seite 17) und durch den damaligen Vorstandschef der Daimler-Benz AG, Jürgen Schrempp. Letzterer hatte die von der Regierung festgelegte Kürzung des Krankengeldes von 100 auf 80 Prozent bei Daimler trotz anderslautender Tarifverträge umgesetzt. Nur durch Flächenstreiks sei das damals verhindert worden, so Claus – und das sei jetzt wieder angesagt, um diesen Generalangriff auf unsere tariflichen Standards und Sozialleistungen abzuwehren. Es brauche jetzt eine „Generalmobilmachung“, ein Zusammenführen der Kämpfe in der Automobilindustrie. „Es braucht einen Generalstreik. Dazu muss man nicht aufrufen, der passiert halt, wenn ihr es wollt“, so Claus weiter. Auch für diese Aussage bekam er viel Applaus. Bevor er sie machte, tauschte er seine IG-Metall-Schildmütze gegen eine Kuba-Mütze mit rotem Stern.
Auch die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung wandte sich gegen die Verzichtspolitik und fragte unter großem Beifall, wann endlich mal der Vorstand verzichten würde. Sie sprach sich gegen Arbeitszeitverlängerung aus, weil damit Zeit für Familie, Kinder, Gesundheit und Leben geklaut würde. „Ohne Streik wird sich nichts verändern“, so ihr Schlusssatz…“ Bericht von Christa Hourani in der UZ vom 10. Juli 2026
- Aktionstag bei Mercedes-Benz: „Statt zurück zur 40-Stunden-Woche steht die Verkürzung auf 30 Stunden an.“ – 33.000 Beschäftigte der Autoindustrie geben Warnung ab
„Um ein deutliches Zeichen zu setzen, sind über 33.000 Beschäftigte von Mercedes-Benz vor die Werkstore ihrer Standorte gezogen. „Hallo Management: So läuft es nicht! Während Aktionäre mehr als ordentlich profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich festgeschriebenen Rechte opfern? Sicher nicht!“, betonte Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, die zu den Beschäftigten am Standort Düsseldorf gereist war.
Bei Mercedes-Benz soll kräftig gespart werden – auf Kosten der Beschäftigten. Die Unternehmenslenker finden, dass die Beschäftigten fünf Stunden die Woche mehr arbeiten sollten, ohne dafür einen Cent mehr Geld zu bekommen. Zeitgleich verschieben sie die Auszahlung des im Juli anstehenden Trafobausteins auf April nächsten Jahres – mit dem Vorbehalt, die Zahlung ganz zu streichen. „Das Vorgehen des Unternehmens verunsichert und demotiviert viele Kolleginnen und Kollegen massiv. Statt Perspektiven für Standorte und Beschäftigung zu schaffen, wird Druck aufgebaut“, kritisierte Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, vor dem Werkstor 7 in Sindelfingen. (…) Die Beschäftigten der Automobilindustrie sind es leid, dass planlose Vorstandsvorsitzende ihre Zukunft verspielen – gemeinsam mit der IG Metall wehren sie sich gegen den Kahlschlag. Den Anfang machten am Freitag die Beschäftigten von Mercedes-Benz. In einem bundesweiten Aktionstag gingen sie auf die Straße: in Kuppenheim, Rastatt, Sindelfingen, Untertürkheim, Bremen, Berlin, Düsseldorf, Ludwigsfelde und Germersheim. Es ist der Auftakt. Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen…“ Bericht der IG-Metall vom 3.7.2026
- Siehe auch bei der IG Metall Stuttgart Berichte aus Mettingen
, Sindelfingen
und Untertürkheim
– siehe aber auch den Bericht aus Berlin 
- Lt rf-news.de
ruft die IG Metall für Donnerstag, den 9. Juli, zu einem (was sonst?) Autokorso in Stuttgart auf – bei dieser nirgends gefunden - Bei Benz brennt’s: Bundesweite IG-Metall-Mobilisierung gegen unbezahlte Mehrarbeit beim Autobauer Mercedes-Benz – weitere Proteste angekündigt
„… Rund 20.000 Arbeiter verließen laut IG Metall Stuttgart im größten Daimler‑Werk in Sindelfingen am Freitag morgen ihre Arbeitsplätze am Band. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber jW Produktionseinbußen während der Proteste. Die könnten aber »zeitnah aufgefangen« werden. Laut Nachrichtenagentur dpa wertet Mercedes die Aktionen als »Arbeitsniederlegungen«. In einer Unternehmensmitteilung heißt es süffisant: »Wir respektieren, dass sich der Betriebsrat zur Produktivitätsoffensive äußert.« Wie reagierte die Belegschaftsvertretung? »Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und dem Abbau des Sozialstaats nicht einverstanden«, sagte Konzernbetriebsratschef Ergun Lümali der dpa. Weitere Kundgebungen während der Mercedes‑Frühschicht organisierten Gewerkschaft und Betriebsrat im Süden der BRD – beispielsweise in Untertürkheim, Rastatt, Kuppenheim und Germersheim. Ferner gab es Aktionen und Proteste im Norden – etwa in Bremen und Hamburg. Und nicht zuletzt in der Bundeshauptstadt…“ Artikel von Michael König in der jungen Welt vom 04.07.2026
- [Flugblatt der Sol] Aktionstag bei Daimler: Konsequenter Kampf gegen Sozial- und Job-Kahlschlag! Betriebsversammlungen, Arbeitsniederlegungen, Streiks
„Die Mercedes-Chefs wollen die in langen Streiks der 1980iger Jahre erkämpfte 35-Stunden-Woche zurücknehmen und die Arbeitszeit am liebsten auf 40 Stunden verlängern. Gleichzeitig kürzen sie Sonderzahlungen. Im VW Konzern dringen schon wieder Schließungspläne von vier weiteren Werken durch. Der Job-Kahlschlag in der gesamten Autoindustrie fällt zusammen mit dem größten Generalangriff der Bundesregierung unter Merz und Klingbeil gegen die Interessen der Lohnabhängigen: Abschaffung des 8h-Tags, Rente mit 70 und Absenkung des Rentenniveaus, Abschaffung des Blockmodells bei der Altersteilzeit, …die Liste wird immer länger. Massive Gegenwehr von den Gewerkschaften ist nötig!
Bis hin zum Streik!
„Wir engagieren uns in unserer Gewerkschaft und verlangen so bald wie möglich, Demonstrationen gegen die Gier der Bosse, gegen die Regierung und für eine bessere Zukunft zu organisieren. Bis hin zum Streik.“ Mit diesem Aufruf haben die Vertrauensleute bei Mercedes in Untertürkheim Ende Juni einen Weckruf gestartet. Die IG Metall rief danach zu einem bundesweiten Protest vor allen Mercedes-Werken auf. Das kann aber sicher nur ein Anfang sein. Die Proteste müssen gesteigert werden, nicht nur außerhalb der Arbeitszeit. Die Vorstände und Großaktionäre verstehen keine andere Sprache als die, dass die Produktion nicht weiterläuft. Streiks sollten vorbereitet werden. Unmittelbar könnten Betriebsversammlungen durchgeführt werden, die faktisch zu Produktionsstopps führen. Diese sind angesichts der Ankündigungen sowieso nötig, denn es gibt viele Fragen und Diskussionsbedarf. Deshalb wäre es angebracht, wenn in allen Standorten Betriebsversammlungen auch über mehrere Tage laufen. (…)
Schluss mit Verzicht!
Die Ankündigungen der Autobosse machen eine gemeinsame Strategie für den Kampf um den Erhalt aller Arbeitsplätze nötig. Leider lässt sich bei der IG Metallführung noch kein Plan für konsequenten Kampf erkennen. Einerseits wird jetzt – aufgrund des Drucks von unten – zu Protesten aufgerufen. Andererseits war am 29.6.26 im Handelsblatt eine gemeinsame Stellungnahme der IG Metallvorsitzenden Benner mit dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes BDI Leibinger zu lesen, wo es hieß: „Industrieverbände und Industriegewerkschaften sind gemeinsam bereit für eine Agenda für ein zukunftsfähiges Deutschland – die Kosten senkt, auch die vom Staat verursachten, und Arbeitsvolumen und Produktivität erhöht.“ Das ist wieder die alte Leier, die besagt, Lohnverzicht und Produktivitätssteigerung zulasten der Beschäftigten wären ein Mittel, um Arbeitsplätze zu sichern. Das Gegenteil ist der Fall! Verzicht rettet keinen einzigen Arbeitsplatz, weder bei Mercedes noch bei Mahle noch bei VW. (…)
Überführung in Gemeineigentum
Die tiefe Krise der Autoindustrie schreit danach, dass innerhalb der IGM die Diskussion darüber geführt wird, die Arbeitsplätze durch die Überführung aller „markt- und wirtschaftsbestimmenden Unternehmen in Gemeineigentum“ (§ 2 IGM-Satzung) zu retten. Wer entlässt und weiter von massiven Lohnsenkungen bzw Arbeitszeitverlängerungen profitieren will, gehört enteignet. (…)
Wir schlagen vor:
– Werks- und Konzernübergreifenden Widerstand organisieren.
– Gewerkschaftliche Aktionskonferenzen
– Außerordentliche Betriebsversammlungen ohne zeitliche Begrenzung
– Landesweite Proteste, Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen
– Internationale gewerkschaftliche Solidarität als Gegenmittel gegen Verzicht und Stellenabbau…“ Flugblatt der Sol vom 3. Juli 2026
- Mercedes: Zehntausende Beschäftigte protestieren bundesweit: Klare Worte statt Appelle
- „IG Metall wird Unternehmenslenkern heißen Sommer und Herbst bescheren“: Als erstes gehen am Aktionstag am Freitag, 3. Juli die Kolleg:innen von Mercedes-Benz auf die Straße (aber „Wichtig: Ausstempeln!“)
- Aktionstag bei Mercedes-Benz: Beschäftigte der Autoindustrie geben Warnung ab
„Den Beschäftigten der Automobilindustrie reicht es. Nicht länger lassen sie sich zum Sündenbock machen, wenn Managementfehler und geopolitische Konflikte Ursache der Krise sind. Als erstes gehen Beschäftigte von Mercedes-Benz auf die Straße. Es ist der Auftakt eines heißen Sommers und Herbstes.
Bei Mercedes-Benz soll kräftig gespart werden – auf Kosten der Beschäftigten. Die Unternehmenslenker finden, dass die Beschäftigten fünf Stunden die Woche mehr arbeiten sollten, ohne dafür einen Cent mehr Geld zu bekommen. Zeitgleich verschieben sie die Auszahlung des im Juli anstehenden Trafobausteins auf April nächsten Jahres – mit dem Vorbehalt, die Zahlung ganz zu streichen.
Sparprogramme, Stellenabbau, Verlagerungen, Werkschließungen: In ganz Deutschland sorgen die Entscheider der Automobilhersteller und Zulieferer für schlechte Nachrichten. 50.000 Arbeitsplätze haben sie vergangenes Jahr in der Automobilindustrie abgebaut – und es wird so weiterlaufen, wenn es nach ihnen geht. Aber eines vergessen sie: Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Misere. Das macht der Gesamtbetriebsrat von Mercedes-Benz deutlich (…)
Es ist Zeit, dass die Entscheider der Automobilindustrie endlich Verantwortung übernehmen und echte Zukunftsstrategien entwickeln, statt Traditionsunternehmen mit Sparprogrammen in die Bedeutungslosigkeit zu führen: „Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Innovation, technologische Stärke, attraktive Produkte und vor allem durch die Kompetenz der Beschäftigten – nicht durch pauschale Belastungsverschiebungen“, verdeutlicht der Gesamtbetriebsrat von Mercedes-Benz. (…)
Den Anfang machen am Freitag die Beschäftigten von Mercedes-Benz. In einem bundesweiten Aktionstag gehen sie auf die Straße. Es ist der Auftakt. Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen. Solange weiter Gerüchte aus den Wolfsburger Chefetagen kommen, dass VW neben dem geplanten Stellenabbau zusätzlich 50.000 Arbeitsplätze streichen will, solange Zulieferer ihre Werke schließen und Produktionen verlagern, solange Unternehmen wie BMW die Schlagzeilen dominieren mit Ankündigungen zu Kostensenkungen, solange wird die IG Metall auf massive Gegenwehr schalten.“ Meldung der IG Metall vom 1. Juli 2026
- Begrüßenswerter Move der IG Metall, obgleich der Wirderstand sich dagegen richtet, dass „jetzt erneut die Beschäftigten einen erheblichen Teil der Last tragen [sollen]“ – mehr geteiltes Leid könnte evtl. den Kampf um „Wettbewerbsfähigkeit“ abschwächen…
Geplant sind Kundgebungen vor den Werkstoren, in Berlin zwischen 10:30 und 11:30 („Wichtig: Ausstempeln!“) – entnommen dem Plakat der Vertrauensleute im Berliner Werk „Gegenwehr jetzt!“ in: - Jetzt Gegenwehr! Am Freitag raus vor die Werkstore aller deutschen Mercedeswerke!
„… In Berlin Marienfelde drückten schon vor Monaten über 400 Kollegen und Kolleginnen mit ihrer Unterschrift ihre Erwartung an die IG-Metall Führung aus, endlich in der Automobilindustrie eine Kämpferische Gangart einzuschlagen und auch für Streiks zu mobilisieren.
In den Betrieben werden hitzige politische Debatten geführt. Gängige Argumente werden hinterfragt. Einige Beispiele.
Profite sichern, um Arbeitsplätze zu erhalten? Oder wendet sich nicht jeder Cent, auf den die Beschäftigten zugunsten des Proifits verzichten, gegen sie selbst? Wandert nicht das gesammelte Kapital immer dorthin, wo es am besten noch mehr durch Auspressung von Arbeitenden vermehrt werden kann?
Mercedes hat in den letzten Jahren schwindelige Gewinne abgeschöpft. Was machen sie damit? Kamen E-Mobilität und Batterieproduktion nicht deshalb ins Hintertreffen, weil die Gier auf die besonderen Extraprofite aufgrund abgeschriebener Investitionen mit Verbrennern zu groß war? (…)
„Warum gibt es eine Friedenspflicht nur für uns?“ Warum dürfen Kapital und Staat Versprechen und Regelungen brechen und ständig die Preise und Abgaben erhöhen? Die Unternehmen berufen sich auf veränderte Rahmenbedingungen. Warum müssen nur die Beschäftigten den „Preis“ für ihre Ware Arbeitskraft beibehalten, obwohl sich die Voraussetzungen auch hier gewaltig verändert haben? „Warum sollen wir nicht Streiken dürfen?“ Das wurde angesichts angedrohter arbeitsrechtlicher Konsequenzen durch den Konzern in Bremen und Düsseldorf diskutiert. Und was sind das für Machtverhältnisse, wenn selbst die Gewerkschaften am kommenden Freitag nicht mal zum Streik direkt aufrufen dürfen?
Am Freitag gibt es jetzt endlich eine bundesweite einheitliche Kampfaktion der IG Metall vor allen Werkstoren. Mercedes Benz. Die edle Marke mit dem Stern meint viele hart erkämpfte gewerkschaftliche Errungenschaften zurückdrehen zu können.
Im Aufruf der IG Metall heisst es dazu:
– Kämpfen für den Erhalt der 35 Stunden Woche
– Angriffe auf Einkommen und Sonderzahlungen stoppen
– Für den Erhalt unserer Arbeitsplätze in allen deutschen Werken
Vor dem Hintergrund der massiven Angriffe durch den Konzern, aber auch durch die von Kapitalinteressen geleitete Politik, kann diese Aktion nur ein Auftakt sein, um tiefste soziale Einschnitte bei den Beschäftigten abzuwehren…“ Beitrag von Peter Vlatten vom 1. Juli 2026 im Forum gewerkschaftliche Linke Berlin
- Aktionstag bei Mercedes-Benz: Beschäftigte der Autoindustrie geben Warnung ab
- Mercedes Bremen: Keine Sonderzahlung, aber Abmahnungen, weil über 500 Kolleginnen nach der Mittagspause Hitzefrei beschlossen haben (Proteste auch in Düsseldorf)
- Hunderte Arbeiter bei Streiks und BR-Info in der Früh- und Spätschicht bei Mercedes-Benz Düsseldorf
„Am Freitag haben die Horrornachrichten des Vorstands die ganze Konzernbelegschaft mit einem Schlag aufgewühlt.
Ein Kollege sagte zur Frage, ob wir direkt streiken sollen bzw. ob es erlaubt ist: „Wenn dir einer eine reinhaut, fragt auch niemand zuerst, ob er sich wehren darf, oder?!“
Die spannende Frage war, wie jeder das privat über das Wochenende individuell verarbeitet. Unsere Erfahrung mit immer mehr Angriffen, Kämpfen und faulen Kompromissen prägt aber eine klassenmäßige Verarbeitung. Am Montag früh musste ein angestautes großes Informationsbedürfnis von allen Betriebsräten bedient werden. So traf es sich, dass ca. 350 Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig die Arbeit niederlegten und zum Betriebsratsbüro marschierten. Die anwesenden Betriebsräte hoben vor allem hervor, dass sie solch einen Angriff bislang nicht so erlebt haben, und dass wir das als Konzernbelegschaft zusammen verhindern werden.
Für solche kämpferischen Aussagen gab es regelrechtes Aufatmen: „Endlich!“. Kollegen forderten, dass wir in Düsseldorf jede Überstunde verweigern sollten, weil wir aktuell 8 Stunden täglich arbeiten, plus einmal pro Schicht und Monat einen Samstag, dann ist es eine 48h-Woche. Die Antwort darauf war, dass wir keine Alleingänge machen sollen. Das hat nicht ganz überzeugt. Der Alleingang besteht doch darin, dass wir in Düsseldorf länger arbeiten?! „Wir wollen denen auch weh tun“, hörte man nicht nur einmal. Nach etwa 35 Minuten gingen die Kollegen wieder an die Arbeit.
Der zweite Streik war in der Spätschicht, mit ca. 250 Kollegen. Auch hier war die kämpferische Stimmung und Wut sehr groß, man hörte nicht nur einmal: „Wenn sie Krieg wollen, kriegen sie ihn.“ Ein Kollege hob den Zusammenhang hervor, dass es kein Zufall ist, das VW und Mercedes-Benz gleichzeitig angreifen. „Deshalb müssen wir doch auch nicht nur konzernweit, sondern auch branchenweit und darüber hinaus streiken! Alle Arbeiter zusammen, weil wir alle betroffen sind.“…“ Korrespondenz-Meldung vom 29.06.2026 auf rf-news.de
- Der Geist ist aus der Flasche: Mercedes Arbeiter:innen im Werk Bremen legen eine „Pause“ ein!
„Irgendwann ist das Maß voll. Bei Mercedes Benz. Ein Einsparprogramm jagt das nächste. Verlagerungen in Richtung Osteuropa. An den Stammbelegschaften wird gesägt, auf Leiharbieter:innen wird verstärkt zurückgegriffen. Werksschliessung in Südafrika. In Ankündigung: Keine sofortige Lohnfortzahlung bei Krankheit und 5 Stunden mehr arbeiten ohne zusätzlichen Lohn. (…)
Und jetzt als Sofortmaßnahme: die tarifliche Sonderzahlung für 90.000 der rund 108.000 Beschäftigten soll für dieses Jahr gestrichen werden.
Dass es unter den Automobilarbeiter:innen brodelt, hat sich schon lange abgezeichnet.
Die Warnzeichen aus den Mercedes Belegschaften häufen sich. In Berlin Marienfelde forderten über 400 Kolleg:innen von der IG Metallführung eine konsequentere Mobiliserung zum Kampf gegen die Angriffe. Letzte Woche verabschiedeten die Vertrauensleute Mercedes Benz Stuttgart Untertürkheim eine Resolution mit dem Titel „„Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik“.
Am Ende der Woche sind Kolleg:innen im Werk Bremen jetzt zur Tat geschritten. Am Freitag hiess es in einem Flugblatt: „Moin Kollegen der Spätschicht! Die Frühschicht empfängt euch heute nicht in voller Stärke: Über 500 Kollegen der Halle 9 haben in der Mittagspause beschlossen, dass unsere Kinder Hitzefrei haben und wir uns kümmern müssen. Die Überhitzung liegt an den Forderungen des Vorstands an uns: Wir sollen länger arbeiten und die Löhne sollen gekürzt werden. Zeitgleich wird in der Regierung über Rente mit 70 und weiteren massiven Kürzungen im Bereich Gesundheit, Rente, Bildung,… diskutiert. Nicht mit uns!!! Schickt eure Vertrauensleute zur Versammlung um 13:30 Uhr! Damit auch ihr diskutieren könnt, ob sich Hitzefrei nicht auch für euch lohnt: Bei 36°C auf einem Freitag Nachmittag“
Aktuell hat uns die Meldung erreicht. Auf den Widerstand der Kolleg:innen folgte auf der Stelle die Repression des Konzerns. Es sollen Abmahnungen ausgesprochen worden sein. Das geht alle Kolleg:innen im ganzen Konzern an. Das verlangt eine geschlossene Antwort. Alle Abmahnungen sind sofort zurückzunehmen!...“ Beitrag von Peter Vlatten vom 29. Juni 2026 im Forum gewerkschaftliche Linke Berlin
mit der Grafik des Flugblattes - Hitzefrei bei Mercedes: Neuerliche Angriffe von Mercedes auf Arbeitsrechte der Beschäftigten haben für Überhitzung gesorgt. In Bremen sorgte das für Produktionsstopp
„Die Nachricht verbreitete sich am Freitag vormittag wie ein Lauffeuer in den Betrieben. Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs. Am Mittag stand die Produktion im Bremer Werk still. Die Mitarbeiter der Frühschicht gingen in die Mittagspause und kehrten nicht an ihre Arbeitsplätze zurück. (…)
In einem Schreiben an die Beschäftigten informierte der Vorstand darüber, dass die tarifliche Sonderzahlung für 90.000 der rund 108.000 Beschäftigten für dieses Jahr gestrichen werden soll. Als Sofortmaßnahme. Das ist kein Pappenstiel, denn die für Juli erwartete Sonderzahlung beträgt 18,4 Prozent vom regelmäßigen individuellen Monatsgehalt. Aber das ist nicht alles.
Auch die weiteren Drohungen des Managements kommen bei den Arbeitern nicht gut an. Bereits vor einem Jahr hatte Mercedes auf sinkende Umsätze und Gewinne mit einem Sparprogramm reagiert. Nun heißt es: Der Standort Deutschland habe stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren. (…)
»Wir werden bei Mercedes-Benz Prozesse radikal beschleunigen und gewachsene Strukturen verschlanken«, hieß es weiter. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. »Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten«, so der Vorstand. Bereits Anfang vergangener Woche hatte Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller gegenüber dem Handelsblatt eine Rückkehr von der 35- zur 40-Stunden-Woche ins Spiel gebracht.
Im Hintergrund läuft in den deutschen Mercedes-Werken derzeit ein Wettbewerb um die circa 30.000 Einheiten, die bei der Schließung des Mercedes-Betriebs in Südafrika auf andere Werke verteilt werden könnten, erläuterte Gerwin Goldstein, ehemaliger Betriebsrat bei Mercedes Bremen, am Sonntag gegenüber jW. Weil die Drohung, ein Werk zu schließen, auch hierzulande im Raum steht, besteht die Gefahr, dass Werksleitungen und Betriebsräte einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zustimmen – im Gegenzug für zusätzliche Stückzahlen aus Südafrika.
In Bremen kommt hinzu, dass ein großer Teil der Stammbelegschaft durch Leiharbeiter ersetzt wurde. Von rund 10.000 in der Produktion sind etwa 2.000 Leiharbeiter. Die sind in der Regel vier Jahre im Werk. Dann gibt es eine Auswahl der besten, und etwa 120 werden übernommen. Es ist eine Negativabweichung vom sogenannten Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, der der dortige Betriebsrat zugestimmt hatte. Die Situation habe dazu geführt, dass es jahrelang im großen und ganzen ruhig gewesen sei bei Mercedes in Bremen, so Goldstein. Doch mit den neuerlichen Sparankündigungen sei am Freitag offenbar eine Überhitzung erreicht worden.
Und tatsächlich gibt es in Bremen bereits eine Betriebsvereinbarung für den Fall, dass das Bremer Werk Einheiten aus Südafrika bekommt. Darin enthalten: eine Erhöhung der Leiharbeiterquote. Darauf angesprochen, sagt Goldstein, so eine Vereinbarung allein sei schon ein Verrat an den Arbeitern in Südafrika. Und auch an denen in Deutschland.
Die Kollegen der Spätschicht sind am Freitag trotz 36 Grad Celsius nicht ins Hitzefrei gegangen. In dieser Woche allerdings wird ihre Solidarität gefragt sein. Denn die Personalabteilung hat bereits angekündigt, Abmahnungen auszusprechen, wenn sie ausfindig macht, wer der Arbeit unter diesen Hitzebedingungen den Rücken gekehrt hat.“ Artikel von Susanne Knütter in der jungen Welt vom 29.06.2026
- Siehe auch die angesprochene Resolution der IG Metall Vertrauensleute Mercedes Benz Untertürkheim: „Schluss jetzt. Protest, Widerstand, Streik! Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben!“
- Und wir erinnern an 2020: Konflikt bei Hitzebelastung: Offener Brief der Vertrauenskörperleitung Daimler Werk Wörth
- Hunderte Arbeiter bei Streiks und BR-Info in der Früh- und Spätschicht bei Mercedes-Benz Düsseldorf
- Mercedes Berlin Marienfelde: „Stammbelegschaft raus,150 Leiharbeiter rein? Lassen wir uns nicht spalten!“
„Wir werden alle zur Verfügungsmasse, auch die Stammbelegschaft, wenn wir zulassen, dass es Kolleginnen und Kollegen 2. und 3. Klasse gibt. Je mehr Leiharbeiter oder Arbeiter auf Zeit, umso manövrierfähiger ist die Kapitalseite und umso mehr sind wir alle erpressbar. Von entscheidender Bedeutung ist, das die Mehrheit der Stammbelegschaft das erkennt und Druck macht. Einheit, Werhaftigkeit und Zukunft der Beschäftigten gehören zusammen. Zukunft bedingt Wehrhaftigkeit, Wehrhaftigkeit bedingt Einheit der Bschäftigen. Die Stammbelegschaft raus,150 Leiharbeiter rein? Lassen wir uns nicht spalten! Neueinstellungen nur direkt und unbefristet!
Die Werkleitung (WL) behauptet: Um den Anlauf des Axialflussmotors (AFM) zu stemmen, müssen mindestens 150 Leiharbeiter eingestellt werden – vorerst bis Jahresende befristet. Gleichzeitig geht gemäß Zielbild 2.0 der Stellenabbau der Stammbelegschaft weiter. Etliche Kollegen empfinden dies zu Recht als Schlag ins Gesicht. Über Jahre die Kollegen raustreiben und jetzt nicht genug Leute für den AFM-Anlauf? „Unterm Strich ein Austausch der Belegschaft“ äußerten viele. Relativ gute Industriearbeitsplätze abbauen und unsichere 2.-Klasse-Jobs reinholen. Was soll diese Spaltung?! Gleichzeitig werden ca. 200 Kollegen, die dem werksinternen „Arbeitsamt“ zugeordnet sind, ewig nicht in die Abteilungen überschrieben, in denen sie eingesetzt sind -teilweise seit zwei Jahren. Dieser Zustand ständiger Unsicherheit soll uns mürbe machen. (…)
Der Leiharbeiter-Einsatz ist zustimmungspflichtig durch den Betriebsrat. Aber die Personalkommission des BR hat bereits den Einsatz der ersten 53 Leiharbeiter abgenickt. Sie wurden bereits von DEKRA und Randstad geschickt und werden angelernt. Für viele nicht der erste Einsatz im Werk. Mit einigen haben wir bereits zusammen am OM642 geschraubt.
Wenn sie Arbeitskräfte brauchen, dann sollen sie anständig einstellen und den Stellenabbau beenden! Es ist höchste Zeit, dass unsere Gewerkschaft für folgende Forderungen in Aktion tritt:
– Schluss mit dem Stellenabbau im Werk!
– Schließt das Arbeitsamt! Umschreibung aller Kollegen in ihre aktuellen Abteilungen!
– Unbefristete Übernahme der bereits eingesetzten Leiharbeiter!
– Der BR muss alle zukünftigen Anträge auf Leiharbeiter-Einsatz an die WL zurückverweisen mit der Forderung: Neueinstellungen nur direkt und unbefristet!…“ Beitrag von Peter Vlatten vom 13. Februar 2026 bei gewerkschaftliche-linke-berlin.de
– oder die Dokumentation eines Flugblattes? - Mercedes-Benz / Daimler Truck: Der große Leiharbeiterbluff
„Die Leiharbeit in der Produktion wurde vor zehn Jahren gegen den Protest der Belegschaft durchgedrückt. Die verlogenste Lüge war: „Es schützt die Stammbelegschaft.“ Mancher Stammkollege glaubt daran heute noch. Aber wenn ein Leiharbeiter seit sieben Jahren hier arbeitet, gehört er zum Stamm! Und wie kann man von einem „Schutz“ der Stammbelegschaft sprechen, wenn doch mit der Entlassung von ca. 1000 Leiharbeitern 2020 eine ganze Nachtschicht samt ihrer Arbeitsplätze abgebaut wurde?! Diese Arbeitsplätze fehlen dem Standort und in Zukunft der Jugend! Deshalb ist jetzt Vorsicht geboten: Wenn wieder die Stückzahlen hochgehen, werden wieder Leiharbeiter eingestellt. Aber zugleich werden pro Jahr ca. 200 Kollegen in Rente geschickt, und es kommen nur ca. 40 Azubis nach. Bis 2035 wird so Düsseldorfer Belegschaft halbiert. … Wer um eine Zukunft des Standortes kämpfen will, muss das zusammen mit den Leiharbeitern!“ Artikel der Redaktion Düsseldorf in der aktuellen Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Mercedes-Benz und Daimler Truck, „Stoßstange“ – dokumentiert am 30.12.2025 in den Rote-Fahne-News
- [Daimler-Benz Mannheim] Aus dem Leben eines Leiharbeiters: Vom Zittern und Bangen um die Vertragsverlängerung, von Probezeiten und 50 plötzlichen Kündigungen
„… Leiharbeiter bin ich schon lange. Meine Frau sagt: zu lange. Über den Vertrag beim Benz vor eineinhalb Jahren haben wir uns riesig gefreut. Der Stundenlohn ist gut, im Vergleich zu vorher. Klar, die Festangestellten, die die gleiche Arbeit machen, bekommen mehr. Fair ist das natürlich nicht. Immer das Zittern und Bangen um die Vertragsverlängerung greift meine Nerven auch ganz schön an. Immer kurz vor knapp werden wir informiert. Die Frist für das Arbeitsamt ist da längst abgelaufen.Immer hofft man auf einen Festvertrag. Jetzt soll dieses Hoffen aber nicht mehr nach zwei Jahren, sondern nach drei Jahren ein Ende haben. Daimler hatte seine eigenen Gesetze. Danach? Dann vielleicht einen Zweijahresvertrag. Wenn es gut läuft, nach insgesamt fünf Jahren dann einen Festvertrag. Aber erst natürlich noch Probezeit. Weil man hat ja nicht bereits schon fünf Jahre bewiesen, dass man zuverlässig arbeitet … .Anfang des Jahres dann die gute Nachricht: verlängert bis 31. August 2025! Mein Meister hat mir sogar Urlaub im Sommer genehmigt. Der erste Sommerurlaub seit vier Jahren! … Dann die Kündigung zum 31. Mai 2025. Nicht nur ich. 50 andere Kollegen auch. Einfach so. Wir sind halt zu viele. Manch einer stand sogar kurz vor einem Festvertrag, weil die zwei Jahre Leiharbeit rum waren. Das kann kein Zufall sein. Eine Vertragsverlängerung beim Benz, die ist wohl gar nichts mehr wert, weil innerhalb von vier Wochen kann man uns eh alle kündigen!
Die Stoßstange fordert: Festeinstellung aller Leiharbeiter! Weg mit dem Sonderkündigungsrecht der Leiharbeiter!“ Beitrag aus der Kollegenzeitung „Die Stoßstange“ bei Rote Fahne News am 23. Juli 2025
(„Daimler-Benz Mannheim: Aus dem Leben eines Leiharbeiters“) - Betriebsversammlung-Rede von Sven Vaith im Mercedes-Benz Werk Hamburg: „Die Friedensbewegung und die Klimagerechtigkeitsbewegung kämpfen bereits für eine andere Zukunft. Und wir? Wir müssen uns anschließen!“
„Ich bin Sven Vaith und arbeite in Halle 12 an der iSG Montage.
Wir sind heute hier in einer Zeit, in der die Arbeitsplatzvernichtung in der Automobil – und Zulieferindustrie zur bitteren Normalität geworden ist. Während die Konzernspitzen Milliardengewinne einfahren und Aktionäre sich ansteigenden Dividenden erfreuen, geht es uns an die Substanz. Die ersten, die immer dran glauben müssen, sind unsere Leiharbeiter-Kollegen, die genauso hart schuften wie wir, aber mit weniger Rechten, weniger Sicherheit und zum Teil weniger Lohn. (…)
Während wir jeden Tag unsere Leistung bringen, wird unser Anteil am Kuchen immer kleiner. Und was macht der Konzern? Er setzt auf Profitmaximierung – koste es, was es wolle. Doch diese Gier hat Folgen: Sie macht die Klassen-Spaltung der Gesellschaft immer deutlicher. Immer mehr Menschen werden abgehängt, während eine kleine Elite sich die Taschen vollmacht. Viele Unternehmen, in der Metall– und Elektroindustrie, wollen jetzt vom Rüstungswahnsinn profitieren – finanziert mit unseren Steuergeldern! Geld, das stattdessen in Arbeitszeitverkürzung, in ein gutes Gesundheitssystem, in Schulen und Kitas fließen könnte. Aber Krieg bringt keinen Wohlstand – er bringt nur Tod und Zerstörung. (…)
Die Friedensbewegung und die Klimagerechtigkeitsbewegung kämpfen bereits für eine andere Zukunft. Und wir? Wir müssen uns anschließen! Denn eine echte Zukunft für die Autoindustrie heißt: weg vom individualisierten Luxuskarossen-Wahnsinn, hin zu sinnvollen Produkten wie ÖPNV-Lösungen und Straßenbahnen. Jede Vernunft spricht dafür – nur die Kapitalisten – Interessen dagegen. Es heißt immer, die Zeiten seien schlecht. Doch nicht die Zeiten sind schlecht – die Machtverhältnisse sind es!…“ Rede von Sven Vaith
bei der Betriebsversammlung am 24.06. im Mercedes-Benz Werk Hamburg - Betriebsversammlung Mercedes Benz Werk Hamburg am 25. März: „… was hier vereinbart wurde, ist keine Zukunftssicherung. Es ist eine Zukunftsbeschneidung…“
„… Heute möchte ich hier über die Vereinbarung zwischen Vorstand und Gesamtbetriebsrat sprechen, die uns allen die Augen öffnen sollte – und zwar nicht, weil sie so großartig ist, sondern weil sie zeigt, wie sehr wir aufpassen müssen, wenn wir unsere Interessen nicht selbst in die Hand nehmen. Die Vereinbarungen zwischen dem Mercedes-Vorstand und dem Gesamtbetriebsrat, unter anderem die, die uns als „Zukunftssicherung“ bis Ende 2034 verkauft wird, ist ein fauler Kompromiss, der uns Kolleginnen und Kollegen wieder Lohneinbußen kosten soll, während die Aktionäre, welche ja schließlich die Eigentümer dieses Unternehmens hier sind, sich die Taschen füllen. Auch dieses Jahr dürfen sich die Aktionäre wieder auf ca. 4 Milliarden Euro Dividende freuen. Aber Schauen wir mal genauer hin: Der Gesamtbetriebsrat hat mit dieser Vereinbarung auch allen weiteren Plänen zur Verlagerung von Produktion und Outsourcing automatisch zugestimmt. Das heißt, wir haben keine Kontrolle mehr darüber, wo und wie unsere Arbeit in Zukunft stattfindet…“ Text der Rede von Sven Vaith
, Halle 12, iSG Fertigung, Betriebsversammlung Mercedes Benz Werk Hamburg am 25. März 2025 - „Für euch erkämpft“: Nicht nur Verzicht auf die komplette Tariferhöhung im Sparprogramm bei Mercedes-Benz gegen 5 Jahre längere „Beschäftigungssicherung“
- Für euch erkämpft: ZUSI bis 2035 verlängert!
„In den Verhandlungen rund um das Kostensparprogramm Next Level Performance (NLP) konnten sich Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat (GBR) nach vielen anstrengenden Diskussionen auf ein Eckpunktepapier einigen, das in den kommenden Wochen durch Gesamtbetriebsvereinbarungen ausgestaltet wird. IG Metall-Mitgliederbonus kommt! Ergebnisbeteiligung bleibt! Jubiläumsgeld bleibt! Giftliste weitgehend abgewehrt!…“ BRisant vom März 2025 am 04.03.2025
– Informationen für die Beschäftigten am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen – bei IG Metall bei Daimler - Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2035: Mercedes einigt sich mit Betriebsrat auf Sparprogramm
„Mercedes-Benz hat sich mit dem Gesamtbetriebsrat auf ein Sparprogramm geeinigt, um wettbewerbsfähiger zu werden. Es betrifft die rund 91.000 Beschäftigten in Deutschland. Mercedes hat sich mit dem Betriebsrat auf Einsparungen und einen Stellenabbau geeinigt, bestätigte das Unternehmen am Dienstag dem SWR. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, aber ein Abfindungsprogramm für die Mitarbeitenden von Mercedes in Deutschland.
Abfindungen nach dem Prinzip: „doppelte Freiwilligkeit“
Dieses richte sich nicht an die Beschäftigten in der Produktion, sondern an die in der Verwaltung. Wie viele Stellen wegfallen sollen, dazu macht Mercedes keine Angaben. Für das Abfindungsprogramm gilt die sogenannte doppelte Freiwilligkeit. Das heißt: Beschäftigte und Unternehmen müssen zustimmen.
Verzicht auf komplette Tariferhöhung
Außerdem verzichten die Beschäftigten auf rund die Hälfte der geplanten Tariferhöhungen in der Metall- und Elektroindustrie. Im Gegenzug würden betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 statt wie bisher bis 2030 ausgeschlossen. Mercedes-Mitarbeiter werden zusätzlich verpflichtet, mehr Urlaubstage zu nehmen. Bisher konnten sie sich sechs bis acht Tage in Geld auszahlen lassen. Auch das Management soll sparen: Dieses Jahr gibt es eine Nullrunde beim Gehalt. Da die Geschäftszahlen schlecht sind, werden wohl auch die Boni geringer ausfallen.
Verlagerung nach Ungarn
Mercedes-Benz will bei der Fertigung Kosten sparen. Deshalb wird Produktion an das 2012 eröffnete Werk in Kecskemét in Südungarn verlagert. Dort kann Mercedes 70 Prozent günstiger produzieren. Die Löhne sind dort wesentlich niedriger. Zum Vergleich: In Ungarn bekommen Vollzeitbeschäftigte etwa 17.000 Euro Jahresgehalt, in Deutschland etwa 61.000 Euro. In Südungarn werden Verbrenner, Plug-In Hybride und Elektrofahrzeuge gebaut…“ Artikel von Geli Hensolt vom 4.3.2025 beim SWR
- Umfrage am Werkstor in Mettingen: Wie Mercedes-Mitarbeiter auf Sparpaket und Prämie blicken
„… Ein Einblick in die Stimmungslage ist im Esslinger Stadtteil Mettingen möglich. Frank Meisels Gesamteindruck ist mit Blick auf die Sicherung der Arbeitsplätze „sehr gut“. Auch die Stimmung unter den Kollegen habe er als „ziemlich okay“ wahrgenommen – nicht ohne Grund, findet der 55-Jährige aus dem Qualitätsmanagement. Schließlich wäre es „schlimmer, wenn wir erfahren würden: 5000 Leute müssen weg“. Dass die Tariferhöhung nun nur zur Hälfte weitergegeben wird, hält er für angemessen. Einschnitte müsse man „hinnehmen, damit die Gesamtheit weiterhin gut fährt“. Daher wäre für ihn auch eine niedrigere Prämie verständlich gewesen. Doch das Geld entspreche „in vollem Umfang unserer seit letztem Jahr angewandten Berechnungslogik“, sagte der Gesamtbetriebsratschef in der Videobotschaft. (…)
Es gibt auch Kritik an den Beschlüssen
Kritik äußert ein Mitarbeiter aus der Fertigung, der nicht mit Namen erwähnt werden möchte. Auch von vielen Kollegen habe er Misstöne vernommen. Er findet das Sparprogramm nicht fair, was auch mit seinen Bedenken hinsichtlich der Vereinbarung zur Jobgarantie zu tun hat. Diese ist mit einer so genannten „Wind-und-Wetterklausel“ versehen, die bei einer unerwartet schlechten Entwicklung die Tarifparteien zu neuen Verhandlungen verpflichtet. Der Mitarbeiter befürchtet, dass „der Arbeitgeber 2030 auf uns zukommen und sagen kann: Wirtschaftlich geht es bergab, leider müssen wir Leute entlassen“.“ Beitrag von Rouven Spindler vom 04.03.2025 in stuttgarter-zeitung.de
- Ein Stern fällt vom Himmel. Sozialpartnerschaft bei Mercedes: Gesamtbetriebsrat und Konzern beschließen Sparprogramm samt Lohnverzicht und Stellenstreichungen
„Nach Audi und Volkswagen hat nun auch der prestigeträchtige Automobilhersteller Mercedes-Benz ein »Sparprogramm« veröffentlicht. Gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat einigte sich der Konzern auf viele Einzelmaßnahmen, die auf weniger Beschäftigung und schlechtere Bezahlung hinauslaufen. (…) Finanzvorstand Harald Wilhelm hatte bei der Vorlage der Geschäftszahlen in der vergangenen Woche angekündigt, dass Teile der Verwaltung ausgelagert werden sollen. Zusätzlich wolle Mercedes verstärkt in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten produzieren. Frei werdende Stellen sollen nicht wieder besetzt werden. Wie viele Stellen Mercedes-Benz insgesamt streichen werde, sei nicht bekannt, meldete dpa mit Verweis auf die Wirtschaftswoche. Positiv schlägt sich für die Beschäftigten zumindest nieder, dass die bestehende Vereinbarung über Beschäftigungssicherung im Zuge der jetzigen Verhandlungen zwischen Konzern und Gesamtbetriebsrat um fünf Jahre, bis Ende 2034, verlängert wurde. Dafür müssen die 91.000 Beschäftigten in der BRD aber einige Abstriche machen…“ Artikel von Gudrun Giese in der jungen Welt vom 05.03.2025
- Wer ein Déjà-vu haben sollte, siehe unser Dossier: Kahlschlag bei VW ab 2024? Autobauer plant Kürzungen in Milliardenhöhe, um »Effizienz« zu steigern
- Für euch erkämpft: ZUSI bis 2035 verlängert!
- Volkswagen als Vorbild: Mercedes-Chef will Sparkurs forcieren
„Nicht nur VW ist betroffen, alle deutschen Autokonzerne stecken in der Krise. Insbesondere bei den Luxusautos gehen die Verkäufe zurück. Hersteller wie Mercedes haben auf teure Modelle gesetzt und ihre Strategie darauf ausgerichtet. Mit ihnen lässt sich pro verkauftem Auto mehr verdienen. Ebenfalls eingebrochen sind sowohl der Verkauf von elektrischen Autos als auch der Absatz in der VR China. Die Konzerne reagieren mit der massiven Vernichtung von Arbeitsplätzen. Bis zu 130.000 Stellen sollen wegrationalisiert werden, so eine aktuelle Schätzung der Deutschen Bank.
Auch Mercedes-Benz ist davon betroffen. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 1,98 Millionen Pkw abgesetzt und damit 3 Prozent weniger als im Jahr davor. (…)
2022 hatte Mercedes das Ziel ausgegeben, die wertvollste Luxusautomarke der Welt werden zu wollen. Dahinter stand die Vorstellung, das Hochpreissegment sei weniger konjunkturanfällig als der Massenmarkt. Im sogenannten Top-Segment (S-Klasse, Maybach- und AMG-Modelle, EQS und G-Klasse) gingen die Verkäufe um 14 Prozent zurück. (…) In Deutschland ging der Absatz um 9 Prozent zurück, in Europa insgesamt um 3 Prozent. Dank gut gefüllter Kassen aus zurückliegenden Rekordjahren kann dieser Einbruch aber locker verkraftet werden. Das Gejammer des Konzernvorstands ist dennoch enorm.
„Mercedes-Benz steht vor einer Absenkung seiner mittelfristigen Profitziele. Die bisher angepeilte Umsatzrendite von bis zu 14 Prozent gilt als unrealistisch“, heißt es bei „Focus online“. Selbst wenn der Gewinn im letzten Jahr niedriger liegen sollte als die 14,5 Milliarden Euro in 2023, werden nach wie vor gute Gewinne eingefahren. (…)
Gleichzeitig greift Mercedes gerne in die Staatskasse: Für 42 Förderprojekte erhielt der Konzern rund 59 Millionen Euro an Subventionen.
Mercedes-Chef Ola Källenius will seinen „Sparkurs“ ungeachtet dessen fortsetzen. Die bisherige Vorgabe lautete, die Fixkosten bis 2025 um 20 Prozent senken (verglichen mit 2019). Jetzt wurde nachgelegt: Källenius will bis 2027 rund 5 Milliarden Euro einsparen. Es ist von mehr als 20.000 Arbeitsplätzen die Rede, die wegfallen könnten. Die sogenannte „Zukunftssicherung“ 2030 soll nicht in Frage gestellt werden. Wie lange diese Aussage hält, muss sich noch zeigen. An anderer Stelle wird bereits massiv Beschäftigung abgebaut. So zum Beispiel in der Finanzsparte (Mercedes-Benz-Bank, MB Leasing), für die die „Zukunftssicherung“ nicht gilt. (…)
Eine weitere Maßnahme: Bei den Führungskräften werden dieses Jahr die Gehaltserhöhungen gestrichen. Vielleicht ist dies ein Test, um demnächst bei den Tarifbeschäftigten Löhne zu kürzen – wie bei VW. Auch dass Mercedes-Chef Källenius sich lauthals über den hohen Krankenstand und über Missbrauch bei telefonischen Krankmeldungen beklagt, kann als Versuch gewertet werden, die Verantwortung für die Misere auf die Beschäftigten abzuwälzen. Der erfolgreiche Angriff auf die VW-Belegschaft hat das Kapital ermutigt. Bei Mercedes-Benz soll so bald wie möglich nachgezogen werden.“ Artikel von Christa Hourani in der UZ vom 24. Januar 2025
- Siehe zu VW als Vorbild unser Dossier: Kahlschlag bei VW ab 2024? Autobauer plant Kürzungen in Milliardenhöhe, um »Effizienz« zu steigern
- Mercedes-Luxus-Strategie: Kleine Produktion, aber feine Profite!
„Am 19. Mai gab Mercedes-Chef Ola Källenius am Hotspot der Schickeria an der französischen Côte d’Azur, die Entscheidung des Vorstandes bekannt, die zukünftige Produktion und den Verkauf strikt auf Luxus-Modelle an Reiche und Superreiche auszurichten. Der Focus soll auf den als „Top-End Luxury“ bezeichneten Modellen von Maybach, AMG, sowie auf der S-Klasse liegen – den Goldeseln des Konzerns. Das heißt aber, dass Mercedes erheblich weniger Autos produzieren will! So hat der Vorstand das Aus von drei von sieben Kompaktfahrzeugen angekündigt. „Welche Modelle das sind“, so Källenius arrogant zur Presse und seinen „lieben Mitarbeitern“, „überlasse ich Ihrer Fantasie.“ Insider gehen fest davon aus, dass in zwei bis drei Jahren die normale Ausführung der A- und B-Klasse betroffen ist, die von der 6500-köpfigen Belegschaft in Rastatt und in Ungarn produziert wird. Das würde sich natürlich auch auf die Motoren- und Aggregate-Produktion in anderen Werken auswirken, sowie auf die Arbeitsplätze bei den Zulieferern. Es ist deshalb völlig unverständlich und abzulehnen, wenn Mercedes-Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali die Luxus-Strategie unterstützt, weil damit „das Unternehmen deutlich profitabel wachsen“ kann…“ Meldung vom 18.06.2022 bei den Rote-Fahne-News
– während diese empört sind, können wir weniger Autos etwas abgewinnen und sind auch nicht überrascht, denn schon länger werden (die knappen) Teile wie Personal in die profitableren Modelle umgeleitet… - Daimler braucht Dank neuer Luxus-Strategie wieder mehr LeiharbeiterInnen (statt Festeinstellungen)
- Daimler: 700 Übernahmen – jetzt weiter um Festeinstellung aller Leiharbeiter kämpfen!
„Schon sechs Jahre bei Daimler, aber wieder nicht bei der Übernahme dabei“, so erzählt ein total frustrierter Kollege. (…) Die neue Strategie des Daimler-Vorstands: „Nur Luxusklasse, nur Elektro“, zeigt auch in der Wiege des „Elektro und Luxus“, in Sindelfingen, in der Factory 56, ihr hässliches ausbeuterisches Gesicht: Nur Leiharbeiter halten die Produktion am Laufen – in den Gruppen sind inzwischen deutlich mehr Leiharbeiter und Studenten als Festbeschäftigte. 700 Übernahmen für einen Einjahres-Zeitvertrag bei Daimler sind ein Erfolg des Kampfes: Wir können Erfolge erringen, wenn wir zusammenhalten. Jetzt müssen die restlichen ca. 2000 Leiharbeiter aus ihrer Niedergeschlagenheit und ihrem Frust darüber, dass sie bei dieser Auswahl nicht dabei waren, Kampfkraft werden lassen: Gemeinsam für Festeinstellung aller Leiharbeiter!“ Beitrag aus Kollegenzeitung „Die Stoßstange“ am 13.06.2022 in den Rote-Fahne-News
, siehe zuvor: - Daimler: Die Verhandlungen müssen sofort beendet werden!
„Während Ola Källenius seine neue Luxus-Strategie verkündet – und damit auch das Ende von A- und B-Klasse – verhandelt er hinter verschlossenen Türen mit dem Gesamtbetriebsrat über Produktionsstandorte und Stückzahlen für zukünftige Elektrofahrzeuge. Er fordert 200 Millionen Einsparungen, andernfalls droht er, Fahrzeuge nach Finnland, Ungarn oder Südafrika zu vergeben. Man fühlt sich wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Man wacht morgens auf – und schon wieder packt der Vorstand einen neuen Horrorkatalog aus. Was will der Vorstand konkret? Niedrigere Schichtzuschläge, längere Betriebsnutzungszeiten durch fliegenden Wechsel an den Fließbändern, einen höheren Leistungsgrad, generell mehr Flexibilität (also mehr Leiharbeiter und noch mehr Wochenendarbeit und Absageschichten), zwei volle Urlaubstage für Heiligabend und Silvester…“ Aus der Kollegenzeitung „Die Stoßstange“ am 10.06.2022 in den Rote-Fahne-News
- Daimler: 700 Übernahmen – jetzt weiter um Festeinstellung aller Leiharbeiter kämpfen!
- [Zu welchem Preis?] Mercedes-Werk Berlin gerettet – Zukunft bis 2030 gesichert
„Die Zukunft des Mercedes-Werks in Berlin-Marienfelde ist gesichert. Das haben Betriebsrat und IG Metall in Verhandlungen durchgesetzt. Mercedes wollte das Werk schließen. Doch die Beschäftigten haben für ihre Zukunft gekämpft. Jetzt kommen Elektromotoren und ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung. (…) Nach dem nötigen Druck durch die Aktionen gab es die ersten Verhandlungen mit dem Unternehmen. Aus der angedrohten Standortschließung auf Raten wurde ein zukunftsweisendes Kompetenzzentrum für Digitalisierung und Produktion im Bereich der E-Mobilität. Mercedes baut nun in seinem mit fast 120 Jahren ältesten Produktionswerk einen neuen „Digital Factory Campus“ auf, entwickelt dort ab 2022 Software und qualifiziert Beschäftigte dafür. Nun kommen noch die Hochleistungselektromotoren dazu. Das hat Daimler heute offiziell erklärt. Berlin wird Produktionsstandort von Komponenten für E-Drive-Systeme...“ IG Metall-Meldung vom 18. November 2021
, siehe auch die IGM Berlin
(Jan Otto: „Die IG Metall ist als Sozialpartner in diesem Jahrhundert gefragter als je zuvor. Auch wir haben uns erfolgreich „transformiert“ und weiterentwickelt. „Die Zukunft gehört uns!“: Dafür sorgen wir jeden Tag.“) - Mercedes übernimmt 398 Leihbeschäftigte in Rastatt [in feste Verträge ab Februar 2022]
„… Das sah vor einer Woche noch ganz anders aus. 600 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sollten gehen. Ihre Leiharbeitsfirma teilte ihnen per E-Mail mit, dass Ihr Einsatz im Mercedes-Werk zum 1. Oktober endet. Weil Halbleiter-Chips fehlen, gebe es zu wenig Arbeit. Betriebsrat, Beschäftigte und IG Metall liefen Sturm. Sie machten Druck mit Aktionen und über die Medien, mit Abteilungsversammlungen, Flugblattverteilungen und einer Pressekonferenz vor dem Werkstor – bis die Werkleitung schließlich in Verhandlungen einlenkte. Die 398 Leihbeschäftigten, die fest übernommen werden, sind oft schon Jahre bei Mercedes in Rastatt. Die übrigen rund 200 Leihbeschäftigten sind erst seit kurzem da und wurden überwiegend zur Abdeckung der Urlaubszeit im Sommer eingestellt. Das Verhandlungsergebnis sieht vor, dass sie priorisiert wieder eingestellt werden, sobald die Produktion wieder anzieht. (…) Was den Betriebsrat besonders geärgert hat: Die Werkleitung hat die Abmeldung der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ohne Absprache mit dem Betriebsrat angekündigt. Dabei versuchte die Werkleitung wohl, eine Vereinbarung zu umgehen, die demnächst Übernahmen vorsah. Die Betriebsräte bei Mercedes haben nämlich ausgehandelt, dass die gesetzliche Höchstüberlassungsdauer für Leihbeschäftigte von 18 Monaten auf bis zu 48 Monate verlängert wird, gegen mehr Geld und die anschließende Übernahme. Das ermöglicht auch der Tarifvertrag zur Leiharbeit der IG Metall. Bei Mercedes erhalten Leihbeschäftigte ab dem ersten Einsatztag das gleiche Grundentgelt wie frisch ausgebildete Festbeschäftigte – fast 22 Euro in der Stunde. Und anders als das Gesetz, das es Arbeitgebern erlaubt, die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter nach 18 Monaten einfach gegen andere auszutauschen statt zu übernehmen, schließt die Betriebsvereinbarung bei Mercedes in Rastatt diesen „Drehtüreffekt“ aus. Das heißt: nach 48 Monaten kein Austausch – sondern Übernahme. Tatsächlich haben längst nicht alle 398 Leihbeschäftigte in Rastatt die 48 Monate Einsatzdauer erreicht. Dennoch konnte der Betriebsrat letzte Woche mit dem Druck der Belegschaft vorzeitig ihre Übernahme durchsetzen. Die Übernahmen in feste Verträge erfolgen ab Februar 2022…“ Meldung der IG Metall vom 4. Oktober 2021
- Mehr als 600 Leiharbeiter im Mercedes-Werk Rastatt müssen gehen. Den Vorwurf eines unlauteren Vorgehens weist der Daimler-Konzern entschieden zurück – IG Metall: „Prüfen Vorgehen“
„Auch am Tag nach der überraschenden Ankündigung des Autobauers Mercedes-Benz, knapp 600 Leiharbeiter im Rastatter Werk zum 30. September auf die Straße zu setzen, brachen sich die Wellen der Entrüstung Bahn. So unterstellen Betriebsrat und IG Metall dem Autobauer taktische Manöver – etwa absichtlich falsch gestellte Kurzarbeitsanträge –, die eine Auflösung der Leiharbeitsverträge rechtfertigten oder sogar unumgänglich machten. Auf BT-Anfrage wies die Konzernpressestelle in Stuttgart das am Freitag als haltlos zurück. Die Agentur für Arbeit habe mehrfach geprüft, ob Kurzarbeit statt Vertragsende für die Zeitarbeiter möglich sei. „Das Ergebnis lautete eindeutig: Nein. Das kann die IG Metall gerne noch mal prüfen und wird sicher auch zu keinem anderen Ergebnis kommen“, sagte ein Konzernsprecher. Da man schon jetzt wisse, dass das Werk Rastatt im nächsten Quartal aufgrund der Lieferengpässe bei den Halbleitern die Fahrweise in der Produktion drosseln müsse und dafür weniger Personal benötige, dürfe Mercedes-Benz den Regularien des Arbeitsamts zufolge die Zeitarbeitsverträge gar nicht verlängern, so der Sprecher weiter. (…) Auch verwahrt sich der Autobauer gegen die Behauptung, durch den „Rausschmiss“ der Leiharbeiter zum 30. September, die Verpflichtung zu deren Übernahme zu umgehen. (…) Wir hätten keinen der Leiharbeiter, die jetzt gehen müssen, vor dem Jahr 2023 übernehmen müssen.“ Natürlich sei die Auflösung der 600 Verträge auf einen Schlag jetzt viel, aber das sei, so der Sprecher, schlicht dadurch begründet, dass die Verträge nun mal alle zu diesem Stichtag auslaufen würden und man diese aus genannten Gründen mit Blick auf die Produktionsdrosselung im kommenden Jahr nicht verlängern könne. Die Leiharbeitsfirma Dekra, zu der die etwas über 600 gekündigten Beschäftigten gehören, gab auf BT-Anfrage nur ein knappes Statement zu den Vorgängen ab. Man sei, so ein Sprecher, lediglich ein Dienstleister: Die Entscheidung über die Beschäftigungsverhältnisse liege allein bei Mercedes-Benz…“ Artikel „Leiharbeiter: Daimler sieht sich im Recht“ von Florian Krekel vom 24. September 2021 in Badisches Tagblatt online
, siehe dazu
- die IG Metall Gaggenau am 23.09.2021
: Beschäftigte in Ungewissheit entlassen!
„Im Mercedes Benz Werk in Rastatt gibt es dieser Tage kein Grund zur Freude. Grund ist die einseitige Entscheidung der Werkleitung, sich zum 30.09.2021 von über 600 Leiharbeiter:innen zu trennen. Der Betriebsrat sieht sich von der Werkleitung übergangen. Murat Sür, Betriebsratsvorsitzender im Werk Rastatt, kritisiert: „Noch zu Beginn diesen Jahres war das Ansinnen der Werkleitung exakt das selbe. Das wussten wir damals zu verhindern. Genau aus diesem Grund haben wir mit der Werkleitung eine Vereinbarung getroffen, um den sogenannten „Drehtüreffekt“ auszuschließen. Davon will man auf Seiten des Arbeitgebers jetzt aber wohl nichts mehr wissen. Da bekommt einen das Gefühl, dass das von langer Hand so geplant war“. Torsten Höink, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Werk Rastatt, ergänzt: „Zuerst wurde dem Betriebsrat erklärt, es gäbe strukturelle Überhänge“ und deshalb sei keine Kurzarbeit im Werk möglich. Nachdem wir dies überprüfen ließen und der Werkleitung das Gegenteil beweisen konnten, war die Begründung auf einmal eine andere. Ohne ausreichende Rücksprache mit dem Betriebsrat, hat die Werkleitung dann einfach die Abmeldungen durchgeführt. Zeitweilig hatten wir den Eindruck, die Werkleitung weiß selbst nicht so recht, was sie eigentlich möchte.“ Bodo Seiler, 2. Bevollmächtigter von der IG Metall Gaggenau, merkt an: „Kurzarbeitsanträge lassen sich durchaus so ungeschickt stellen, dass die Agentur für Arbeit keine andere Wahl hat, als die Kurzarbeit abzulehnen.“ Ob dies in diesem Falle vorliege, lasse die IG Metall Gaggenau derzeit juristisch überprüfen…“
- die IG Metall Gaggenau am 23.09.2021
- Daimler-Chef Källenius will trotz Milliardengewinns weiter Personal abbauen
„Daimler will trotz stark gestiegener Gewinne drastisch bei den Angestellten sparen. Der Betriebsrat findet das „verrückt“ und fordert ein Einlenken. Daimler vermeldet wieder üppige Milliardengewinne wie in besten Zeiten, will aber an seinem Sparkurs festhalten. Früheren Berichten zufolge sollen allein über diesen Weg bis zu 30.000 Jobs wegfallen. „Weder können wir noch wollen wir das schwäbische Gen des Sparens aufgeben“, sagte Konzernchef Ola Källenius und ging damit auf Konfrontation zum Betriebsrat, dessen Chef Michael Brecht angesichts bestens laufender Geschäfte ein Einlenken gefordert hatte. „Wenn wir volle Auftragsbücher haben und die Gewinne sprudeln, wie soll die Belegschaft da Verständnis haben für Sparmaßnahmen, die über Jahre laufen sollen?“, sagte Brecht der Automobilwoche. Daimler hatte vor rund einem Jahr zu Beginn der Pandemie wegen tiefroter Zahlen und einem Nachfrageeinbruch einen Sparkurs nochmals verschärft. Vor allem über Abfindungsprogramme sollen Tausende Jobs abgebaut werden. (…) Weltweit hatte Daimler Ende 2019 rund 298.700 Beschäftigte, Mitte 2020 noch 293.700 und inzwischen 289.600. Die Zahl dürfte weiter zurückgehen, obwohl Daimler nicht nur Stellen abbaut, sondern vor allem im für die Elektromobilität mitentscheidenden Software-Segment auch Tausende neue Jobs schafft. Brecht bezeichnete die Situation als „verrückt“. Einerseits gebe der Konzern Hunderte Millionen Euro aus, um Leute nach Hause zu schicken. Auf der anderen Seite stelle man Tausende Software-Spezialisten ein. Die Effizienz könne nicht der einzige Maßstab sein…“ Artikel von Florian Pillau vom 21.07.2021 bei heise.de
- Ein Jahr Arbeit bei Daimler
„Was Deutschland nicht bewegt: Fortschritte in einem Machtkampf anderer Art, der in der Republik immerzu und pausenlos stattfindet, nämlich der, den das Kapital gegen die Lohnarbeit im Lande führt. Mit und ohne Verweis auf Corona setzt zum Beispiel der deutsche Automobil-Musterkonzern neue Maßstäbe in Sachen Lohn, Leistung und Beschäftigung, die die Gegenseite zu schlucken hat, wenn sie überhaupt weiterbeschäftigt werden will. Die diesbezüglich erzielten Fortschritte dokumentieren wir in unserer Chronik über ein Jahr Arbeit bei Daimler. Der deutschen Autoindustrie mangelt es nicht an öffentlicher Aufmerksamkeit. Die neuesten Elektro- und Hybridfahrzeuge werden auf ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Modellen von Tesla, Toyota und chinesischen Start-ups hin überprüft, die Fortschritte der nationalen Batterietechnologie werden ebenso aufwändig begleitet wie die Einweihung vollautomatisierter Fertigungsanlagen und der Stand der satelliten- und 5G-gestützten Vernetzung des zahlungspflichtigen Gebrauchs der Ware Mobilität. Die Frage, warum man sich dafür interessieren soll, ob und wie Konzerne deutscher Provenienz es schaffen, diese weltweite Schlüsselindustrie auch in Zukunft so zu dominieren wie gewohnt, wird – wenn sie überhaupt aufkommt – auch beantwortet: Daran hängt „unser Woh
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Source: labournet.de