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Künstliche Intelligenz: KI-Einsatz in der Arbeitswelt Folgen und Mitbestimmung
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Dossier
„… Der Einsatz Künstlicher Intelligenz löse derzeit bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Sorgen und Ängste aus, so Schmitz weiter. „Selbststeuernde Prozesse führen zu einer neuen Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine, ohne dass diese bisher ausreichend erforscht ist.“ Drängende Fragen der Kontrolle, der Ent- oder Belastung, der Qualifizierung und der Beschäftigungssicherung müssten geklärt werden. (…) „Künstliche Intelligenz ist Werkzeug, Mittel zum Zweck. KI-Anwendungen müssen der Verbesserung von Arbeits- und Lebensqualität dienen.“ KI-Systeme seien so zu gestalten, dass die Handlungs- und Gestaltungsspielräume der Erwerbstätigen erweitert werden. „Tätigkeiten sind durch gezielte Qualifizierung aufzuwerten. Dies kann durch Tarifverträge flankiert und durch neue Stellenzuschnitte unterstützt werden.“ ver.di-Pressemitteilung vom 9. Dezember 2020
zur gemeinsamen Studie von ver.di, IBM und Bundesarbeitsministerium, siehe die Studie sowie weitere Beträge zum Thema:
- Dem Algorithmus unterworfen: Im US-Gesundheitswesen werden Pflegejobs zunehmend über Plattformen vergeben. Gewerkschaften warnen vor dramatischer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen
„Beim Thema »künstliche Intelligenz« wird gerne darüber geredet, wie viele Berufsgruppen durch deren Einsatz verschwinden, und wie viele Jobs deshalb abgebaut werden. Weitaus weniger kommt dabei zur Sprache, dass der Einsatz von KI-Technologien auch ein Angriff auf Arbeitsbedingungen von Lohnabhängigen ist. Denn KI wird von der Kapitalseite zur Veränderung von Kräfteverhältnissen und der profitableren Verwertung menschlicher Arbeitskraft genutzt. Hier werden weniger die Menschen durch Roboter ersetzt, sondern Lohnabhängige einem intransparenten, KI-gestützten Algorithmus unterworfen, der Ausbeutungs- und Verwertungsprozesse im Sinne von Kapitalinteressen und gegen die Lohnabhängigen organisiert. Beobachten lässt sich das in den USA. Dort hat sich in den vergangenen Jahren ein neuer Sektor innerhalb der sogenannten Plattformökonomie entwickelt, der vor allem das Gesundheitswesen im Visier hat. Ein »Uber für Pflegekräfte« sei dort entstanden, so der Titel einer vor einigen Monaten vom AI Now Institute herausgegebenen Studie, die sich kritisch mit dem Phänomen befasst. Auch die Gewerkschaften sind längst alarmiert und warnen vor dramatischen Verschlechterungen für die Pflegekräfte in US-Krankenhäusern. Der Gesundheitssektor in den USA ist eine Wachstumsbranche, wenn auch mit Widersprüchen behaftet. Zum einen altert die US-amerikanische Gesellschaft rapide. Bis zum Jahr 2040 wird einer von fünf US-Amerikanern älter als 65 Jahre sein. Das Arbeitsministerium rechnet damit, dass die Beschäftigtenzahlen für Pflegekräfte im Gesundheitswesen von 2024 bis 2034 um 35 Prozent ansteigen werden. (…) Die Kehrseite davon ist, dass gerade im Zuge der Lockdownphase der Covid-19-Pandemie viele US-amerikanische Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger stressbedingt kündigten. Die Gewerkschaft National Nurses United (NNU) spricht davon, dass eine von fünf Krankenpflegekräften in den ersten Jahren der 2020er hingeschmissen hätte, weil sie sich mit Unterversorgung und Personalknappheit nicht mehr abfinden wollten, oder weil sie sich den Gefahren durch das Covid-19-Virus auf Grund mangelnder Unterstützung durch die Chefetage schutzlos ausgesetzt sahen. (…) Diese Situation hat das US-amerikanische Techkapital auf den Plan gerufen, das starke Wachstumsmöglichkeiten wittert. Die Idee: Offene Stellen sollen zunehmend nicht mehr durch fest angestellte Arbeitskräfte nachbesetzt werden. Statt dessen können Krankenhäuser ihre offenen Schichten auf Onlineplattformen stellen. Dort buhlen dann Stellensuchende um diese Schichten, etwa indem sie der Plattform ihre Gehaltsvorstellungen posten. Die Person mit der niedrigsten Gehaltsvorstellung bekommt dann den Job. Während die Lohnabhängigen auf diesen Bewerbungsplattformen um den niedrigstmöglichen Stundenlohn konkurrieren, sorgen die Plattformen für die Disziplinierung des temporären Pflegepersonals. (…) Transparenz für die Beschäftigten gibt es hierbei keine. Die Plattform bestimmt die Höhe der Löhne nach eigenem Gutdünken. Dafür werden die Beschäftigten mit dem Versprechen beruflicher Flexibilität angelockt. (…) Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Versprechen flexiblerer Arbeitsformen jedoch als schöner Schein. Tatsächlich erzeugen die Plattformen eine Fragmentierung von Arbeitsprozessen vor Ort. Durch Plattformen rekrutierte Beschäftigte kennen die Teams nicht, mit denen sie ihre Schichten abarbeiten. Sie sind mit spezifischen, oft informellen Arbeitsprozessen vor Ort nicht vertraut. Sie können somit auch kaum Vertrauensverhältnisse zu Kolleginnen und Kollegen aufbauen – damit fehlen auch Möglichkeiten zur informellen Aneignung neuer Wissensstände. All diese Dinge sind jedoch Vorbedingungen betrieblicher kollektiver Selbstorganisation der Beschäftigten, denen so Hindernisse in den Weg gelegt werden. Die in den USA großteils profitorientiert operierenden Krankenhäuser können so Kosten sparen und Profitmargen erhöhen. Gleiches gilt für die Plattformen, die für ihr Geschäftsmodell mit steigenden Kursen an den Börsen belohnt werden. Laut Angaben des AI Now Institute haben sich längst transnational aktive spekulative Kapitalfonds in diese Plattformen eingekauft. Sie wittern ein für ihre Anleger lukratives Geschäft. (…) Die Gewerkschaft NNU fürchtet um den Verlust hart erkämpfter Rechte für Pflegekräfte, wie etwa das Recht auf einen gesetzlichen Mindestlohn. Über Plattformen vermitteltes Pflegepersonal hätte außerdem höhere Arbeitslosenversicherungskosten zu tragen, so die Gewerkschaft. Zudem würden so Möglichkeiten gewerkschaftlicher Organisierung erschwert. Inzwischen sei auch der Amazon-Konzern in den Markt eingestiegen, was der Bedrohungslage für Arbeiterrechte noch höhere Dringlichkeit verleihe. Bis heute versuchen US-amerikanische Gewerkschaften weitgehend vergeblich, gewerkschaftliche Organisierung bei Amazon langfristig durchzusetzen.“ Artikel von Christian Bunke in der jungen Welt vom 24. September 2026
- Siehe die Proteste – zuletzt am 27. August „Von Palo Alto bis Washington: Pflegekräfte führten zusammen mit Patienten und Unterstützern fantasievolle Aktionen zivilen Ungehorsams gegen Palantir durch“ – im Dossier Palantir, Amazon & Co.: Die digitalen Abschiebe-Helfer der US-Einwanderungsbehörde ICE
- Die Arbeit geht aus. Hurra, oder?! Der ILO-Bericht zur globalen Jugendarbeitslosigkeit durch geringes Wachstum und KI weist auf Absurditäten technologischer Entwicklung hin
- 257 Millionen Jugendliche ohne sicheres Einkommen
„Laut einem ILO-Bericht hängen geringes Wachstum und Künstliche Intelligenz weltweit immer mehr junge Menschen ab. Dies trifft vor allem Frauen
Die weltweite Jugendarbeitslosigkeit ist laut einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erstmals seit der Corona-Pandemie wieder angestiegen: auf 12,4 Prozent. Das bedeutet weltweit zwei Millionen zusätzliche erwerbslose Jugendliche bei nun insgesamt 67,3 Millionen. Bis 2027 prognostizieren die Arbeitsmarktökonom*innen der UN-Organisation einen weiteren Anstieg. Besonders besorgniserregend sei die steigende NEET-Quote, also der Anteil derer, die weder arbeiten noch einer Fort- oder Ausbildung nachgehen. Diese Quote kletterte in den vergangenen drei Jahren von 19,7 Prozent auf 20 Prozent. Damit haben weltweit 257 Millionen Jugendliche so gut wie keine Aussicht auf ein sicheres Einkommen aus formaler Erwerbsarbeit. (…) Selbst wer einen Job hat, kann davon oft nicht leben, geschweige denn gut. Laut ILO arbeiten in Subsahara-Afrika fast neun von zehn jungen Erwerbstätigen im informellen Sektor – ohne Verträge, geregelte Löhne oder soziale Absicherung. Viele von ihnen hangeln sich von einem Gelegenheitsjob zum nächsten oder betreiben parallel mehrere Kleinstgewerbe. Weil formale Sicherungssysteme fehlen, erhalten Jugendliche im Krisenfall kaum staatliche Unterstützung. Erwerbslosigkeit wird so schnell existenzbedrohend, weshalb die Betroffenen jede noch so prekäre Beschäftigung annehmen müssen, um irgendwie durchzukommen. Besonders dramatisch ist die Situation für junge Frauen. Weltweit sind laut ILO mehr als zwei Drittel aller vom Arbeitsmarkt und Bildungssystem abgehängten Jugendlichen weiblich. In Regionen wie Nordafrika und den arabischen Staaten liegt die NEET-Quote unter Frauen bei über 40 Prozent. Als Gründe nennen die Expert*innen vorrangig unbezahlte Sorgearbeit im Haushalt, aber auch Kinderbetreuung und strukturelle Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. »Es wird uns nur gelingen, diese Quoten zu senken, wenn Volkswirtschaften gezielt Arbeitsplätze für junge Frauen schaffen und sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen«, fordert Sukti Dasgupta, Direktorin der ILO-Beschäftigungsabteilung. (…) Daneben bremst die schwache globale Wirtschaftsdynamik die Jobaussichten. Das weltweite Wachstum sinkt laut Prognosen für das Jahr 2026 auf 3,1 Prozent, davon sind in erster Linie junge Menschen betroffen. (…) Hinzu kommen nun auch technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz, die den Arbeitsmarkt umwälzen, primär bei Einstiegsjobs im mittleren Büro- und Verwaltungsbereich. Laut ILO sind global 6,1 Prozent der Jugendjobs stark von KI betroffen (…) Diese düsteren Aussichten zeitigen laut ILO längst politische Folgen. (…) Viele Jugendliche sehen sich zur Migration gezwungen. Zugleich kommt es weltweit verstärkt zu Jugendprotesten. (…) Vor diesem Hintergrund fordern die ILO-Expert*innen von den Regierungen drastische Reformen, angefangen bei einer ethischen Regulierung von KI-Systemen. Zudem müssen Staaten soziale Sicherheitsnetze für informell Beschäftigte ausbauen, gezielt in eine soziale Infrastruktur wie bezahlbare Kinderbetreuung investieren und die Care-Ökonomie stärken, um Frauen eine Perspektive auf ein sicheres Einkommen zu bieten…“ Artikel von Felix Sassmannshausen vom 12. August 2026 in Neues Deutschland online
über - Global Employment Trends for Youth 2026: Youth unemployment rises as young people face a harder road to decent work
die komplette 78-seitige ILO-Studie ist auf der englischsprachigen ILO-Page zu finden
- Die Arbeit geht aus. Hurra, oder?! Der ILO-Bericht zur globalen Jugendarbeitslosigkeit weist auf Absurditäten technologischer Entwicklung hin
„Künstliche Intelligenz übernimmt in vielen Bereichen das triste Tippen, Sortieren und Verwalten von Bullshit-Jobs. Das Leben könnte schöner werden: Die Menschen hätten mehr Zeit, ihren Leidenschaften nachzugehen, mehr Kapazitäten, um Freude bei der Kindererziehung zu empfinden, ihrer Neugier zu folgen und darüber nachzudenken, wie man nachhaltig und gemeinsam die unendlichen Weiten des Universums erkundet. Doch da gibt es diesen Haken: Wer in dieser Gesellschaft lohnabhängig ist und essen will, muss seine Arbeitskraft verkaufen. Wenn aber keine neuen Jobs entstehen und alte wegfallen, gibt es ein Problem. Und das ist längst Realität: Die neuesten Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigen, dass Millionen Jugendliche weltweit ohne jede Perspektive dasitzen – Tendenz wieder steigend. Besonders hart trifft es Frauen, die ohnehin schon vielfach die unbezahlte Sorgearbeit im Haushalt übernehmen: Wo formale Arbeitsplätze schwinden, müssen sie sich im unregulierten informellen Sektor durchschlagen. Die Antwort darauf kann nicht in einem konservativen Zurück zu traditionellen Familien- oder Geschlechterbildern bestehen oder im gebetsmühlenartigen liberalen Versprechen vom »lebenslangen Lernen«. Zu fordern, dass sich junge Leute noch mehr selbst optimieren und durch »Job-Maxxing« auf Biegen und Brechen verwertbar machen, nur um einen Schritt schneller zu sein als die Algorithmen, die sie ersetzen, treibt die psychische Belastung weiter an – und damit auch die Sehnsucht nach konservativen Mythen, die Entlastung im Hier und Jetzt nur vortäuschen. Die Reformvorschläge der ILO – von einer ethischen Regulierung der KI über den Ausbau sozialer Sicherheitsnetze für informell Beschäftigte bis hin zu Investitionen in bezahlbare Kinderbetreuung – sind notwendig. Doch das stellt die Frage nach ihrer Finanzierung, insbesondere im Globalen Süden. Und die ILO-Vorschläge doktern nur an den Symptomen herum, lassen sie doch die eigentliche Frage unberührt: Wie produzieren wir unseren gesellschaftlichen Reichtum und bei wem kommt er an? Viele junge Menschen scheinen die Frage klarer zu sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Frust nicht in Resignation oder in ein noch stärkeres Hauen und Stechen wandelt. Sondern, dass daraus Energie für eine bessere Zukunft für alle Menschen auf diesem Planeten entsteht.“ Kommentar von Felix Sassmannshausen vom 12. August 2026 in Neues Deutschland online
- 257 Millionen Jugendliche ohne sicheres Einkommen
- Ökonom warnt vor KI-Folgen: Staaten setzen eher auf Repression als auf Umverteilung
„Eine Studie von US-Ökonom Daron Acemoğlu rechnet vor, wie Regierungen auf drohende Unruhen durch KI-bedingte Ungleichheit reagieren würden. Das Ergebnis: Ab einem bestimmten Automatisierungsgrad wird Unterdrückung für Staaten kostengünstiger als Umverteilung.
Von der Verbreitung der Künstlichen Intelligenz in der Wirtschaft werden wahre Wunder erwartet – zumindest, wenn man die Börsenkurse der KI-Unternehmen als Maßstab nimmt. Die Schätzungen der kommenden Produktivitätsgewinne gehen in die Billionen. Eine steigende Produktivität könnte aber auch bedeuten: Millionen Arbeitsplätze werden entwertet oder überflüssig. „Bereiten wir uns auf eine Job-Apokalypse vor“, rät der britische „Economist“. Gewinne für die Unternehmen, Verluste für die Lohnabhängigen – das steigert die Ungleichheit und gefährdet den sozialen Frieden. Eine neue Studie von US-Ökonomen skizziert, wie eine Regierung auf eine drohende Revolte reagieren würde: mit Umverteilung – oder mit Unterdrückung? Die Ergebnisse sind beunruhigend. (…) Selbst wenn die Arbeitslosigkeit nicht explodieren sollte, so erwartet der renommierte US-Ökonom Daron Acemoğlu doch eine Umverteilung von unten nach oben. Denn KI verbilligt die Arbeit, zugunsten der Unternehmen, die in der Hand nur weniger Personen liegen. „Die Ungleichheit zwischen Arbeit und Kapital – die Kluft zwischen dem durch Arbeit erzielten Einkommen und dem aus Vermögenswerten generierten Einkommen – wird mit großer Sicherheit zunehmen“, prophezeit Acemoğlu. (…) In der Elite geht daher die Angst vor einer Revolte um. (…) In einer theoretischen Studie hat US-Ökonom Acemoğlu zusammen mit Arda Gitmez und Mehdi Shadmehr nun versucht, die Handlungsoptionen von Regierungen in dieser Lage zu skizzieren. In ihrem Modell erhöht die Automatisierung die Ungleichheit und damit die Wahrscheinlichkeit einer Revolte. Ist sie erfolgreich, „wird der Kapitalstock für immer enteignet – ein erhebliches politisches Risiko, das die Kapitalisten berücksichtigen müssen“, so die Studie. Der „kapitalistische Staat“ stehe daher vor der Alternative, entweder den neuen Reichtum per Besteuerung umzuverteilen oder die Bevölkerung schlicht zu unterdrücken „und so mehr Spielraum für weitere Automatisierung zu schaffen“. (…) Sofern die Gefahr eines Aufstands nicht sehr gering oder der Kapitalstock nicht sehr niedrig ist, bevorzugt der kapitalistische Staat die Unterdrückung. Ein höherer Kapitalstock fördert wiederum mehr Automatisierung und damit mehr Repression.“ Artikel von Stephan Kaufmann vom 27. Juli 2026 in der Frankfurter Rundschau online
- Künstliche Intelligenz und die Arbeiterklasse: Innerhalb von Unternehmen sind die größten Nutzer und Befürworter von KI auf Führungsebene zu finden
„… Seit Jahren schon werden wir von KI und dem damit verbundenen Diskurs überschwemmt, und praktisch alle sichtbaren Veränderungen waren negativ. Unternehmen ersetzen den menschlichen Kundenservice durch minderwertige Bots. Betrüger versuchen, KI-generierte Kunst, Musik, Videos und Bücher als echt auszugeben. Menschen verlieben sich in Chatbots, verfallen in eine KI-Psychose oder werden von einem „hilfsbereiten“ Chatbot in den Selbstmord getrieben. Gegen den Willen der Anwohner werden riesige neue Rechenzentren errichtet. Und dennoch preisen Milliardäre die KI weiterhin an und haben vor kurzem sogar damit begonnen, die breite Öffentlichkeit dafür zu tadeln, dass sie „sie nicht ausreichend nutzt“. (…)
All das kann zu der Frage führen: Warum geben die Unternehmen Dutzende Milliarden aus – warum gibt die Weltwirtschaft Billionen aus –, um eine Technologie zu entwickeln, von der fast niemand (außer Betrügern) überzeugt zu sein scheint?
Der Grund: KI ist nicht für dich, sondern für deinen Chef.
Bis zum logischen Ende gedacht lautet das Versprechen der KI: „Jeder Mensch ist ein CEO.“ Anstatt selbst zu arbeiten, hat man einen persönlichen Assistenten, der die eigenen Anweisungen mit höchster Präzision befolgt. Er widerspricht nie, sagt einem nie, dass die eigene Idee schlecht ist, und verlangt nie mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen.
Innerhalb von Unternehmen sind die größten Nutzer und Befürworter von KI auf Führungsebene zu finden.
Eine vom Wall Street Journal zitierte Studie
vom Juni ergab, dass 40 Prozent der Mitarbeiter ohne Führungsposition angaben, KI spare ihnen keine Arbeitszeit, während weitere 27 Prozent angaben, sie spare ihnen weniger als zwei Stunden Arbeitszeit pro Woche. Im Gegensatz dazu gaben 19 Prozent der Führungskräfte der obersten Ebene (CEOs, CFOs usw.) an, dass KI ihnen mehr als 12 Stunden Arbeitszeit pro Woche spare, während weitere 57 Prozent angaben, dass sie dadurch zwischen 4 und 12 Stunden Arbeit einsparen.
Aus dieser Perspektive betrachtet ist es auch nachvollziehbar, dass etablierte Technologieunternehmen wie Google und Amazon so massiv in KI-Start-ups investiert haben und dass die größten Durchbrüche im Bereich der generativen KI im Bereich der Programmierung erzielt wurden. Die CEOs der Technologieunternehmen jagen einer Fantasie hinterher, in der physisches Kapital das Humankapital vollständig ersetzen kann und in der sie Chefs ohne Mitarbeiter sein können. (…)
Wird KI am Arbeitsplatz eingesetzt, verlagert sich die Aufgabe des Arbeitnehmers von der eines direkten Erzeugers von Wissen und kreativen Inhalten hin zu der eines Quasi-Vorgesetzten, der alles überprüfen muss, was von der Maschine generiert wird. Im Traum des Chefs wird sich die Arbeitsbelastung dieses Arbeitnehmers verdoppeln, dann verdreifachen und weiter steigen, wenn Aufgaben zusammengeführt werden – auch wenn dies vorerst noch Teil der Fantasie des Chefs bleibt. (…)Die derzeitige Gefahr für die KI besteht nicht in erster Linie darin, dass die Tantiemen für kreative Mitarbeiter für bereits geleistete Arbeit gekürzt werden, sondern darin, dass es schwieriger wird, zukünftige Aufträge zu finden. Freiberufler sind von der KI viel stärker betroffen als festangestellte Mitarbeiter. In Bereichen, die vom Grafikdesign über die Produktion von Stockfotos bis hin zum Texten reichen, sind die Aufträge versiegt, und ein Großteil der verbleibenden Arbeit besteht darin, mangelhafte erste Entwürfe der KI zu „korrigieren“. (…)
Die einfachste Reaktion darauf als Arbeitnehmer wäre, das gesamte Projekt angewidert abzulehnen. Doch selbst wenn die derzeitige KI-Blase wahrscheinlich platzen wird, bleiben die erzielten Fortschritte bestehen. Einige der schlimmsten Menschen der Welt werden weiterhin an der Spitze großer Unternehmen stehen und ihr Bestreben fortsetzen, diese Fortschritte umzusetzen – selbst wenn es noch weitere zehn bis zwanzig Jahre dauern sollte. (…)
Die KI wird den Science-Fiction-Traum der Milliardäre wahrscheinlich nicht wahr werden lassen. Aber für den Fall, dass sie doch einige Träume wahr werden lassen kann, sollten wir stattdessen für unsere Träume kämpfen.“ engl. Artikel von Karl Zimmerman vom 10. Juli 2026 in UE News
der United Electrical, Radio & Machine Workers of America – Karl Zimmerman ist Forschungsleiter bei UE („AI and the Working Class: The Economy, the Environment, and the Future of Work“, maschinenübersetzt) - [Für viele ist KI kein Assistent. Sie ist ein Chef.] Vergessen Sie die „KI-Jobapokalypse“. Die wahre Gefahr der KI liegt in der Kontrolle und Überwachung der Arbeitnehmer
„Es zeichnet sich eine neue Kluft ab: zwischen Arbeitnehmern, die KI bei der Arbeit nutzen, und solchen, die von ihr gesteuert werden
Die eigentliche Gefahr, die von der künstlichen Intelligenz für die Arbeitswelt ausgeht, besteht nicht nur im Verlust von Arbeitsplätzen – es ist vielmehr die wachsende Kluft zwischen denjenigen, die KI nutzen, um ihre Fähigkeiten zu erweitern, und denjenigen, deren Arbeitsleben zunehmend von undurchsichtigen, KI-gestützten Überwachungs- und Kontrollsystemen geprägt wird.
Die Debatte über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Arbeitnehmer verläuft in die falsche Richtung. Auf der einen Seite stehen Warnungen, dass Maschinen Millionen von Arbeitsplätzen bedrohen. Auf der anderen Seite wird behauptet, KI werde die Produktivität in die Höhe treiben. Beide Sichtweisen lassen außer Acht, was bereits an Arbeitsplätzen auf der ganzen Welt geschieht, von Großbritannien über Kenia bis hin zu den Vereinigten Staaten.
Für manche kann KI dazu beitragen, die tägliche Arbeit von Routineaufgaben zu befreien. Dabei handelt es sich oft um Personen in besser bezahlten Positionen mit größerer Eigenverantwortung: Analysten, Berater, Juristen, Wissenschaftler, Führungskräfte. In diesen Berufen kann KI – sofern sie dazu dient, die Mitarbeiter zu unterstützen und nicht zu ersetzen – wie ein Copilot wirken. Sie kann das menschliche Urteilsvermögen unterstützen, Routineaufgaben beschleunigen und Raum für kreativeres Denken schaffen.
Für viele andere ist KI jedoch kein Assistent. Sie ist ein Chef.
Sie kommt in Planungs- und Überwachungstools, Routenoptimierungssoftware und automatisierten Leistungs-Dashboards zum Einsatz – allesamt Systeme, die entscheiden, wer welche Schicht bekommt, wie lange eine Aufgabe dauern soll und ob jemand seine maximale Leistungsfähigkeit ausschöpft. An diesen Arbeitsplätzen ist KI nicht etwas, das man nutzt. Sie ist etwas, das einen beobachtet und beherrscht.
Das ist die neue Kluft, auf die wir alle achten sollten.
Ein Drittel der Arbeitgeber im Vereinigten Königreich nutzt bereits „Bossware“-Technologie, um die Online-Aktivitäten ihrer Mitarbeiter zu überwachen. Diese bereits weit verbreitete Überwachung der Mitarbeiter gibt einen Vorgeschmack darauf, was noch kommen wird. (…)
Und auf lange Sicht werden sich dieselben Methoden des algorithmischen Managements und der Überwachung, die derzeit in Lagerhäusern, Lieferwagen und auf Gig-Work-Plattformen verfeinert werden, wahrscheinlich auch auf Unternehmenszentralen, Krankenhäuser und Schulen ausweiten. Dies lässt sich bereits bei Unternehmen wie Amazon beobachten, wo Softwareentwickler berichten, dass sie überwacht und unter Druck gesetzt werden, KI einzusetzen, um die Produktivität zu steigern – selbst wenn dies ihnen paradoxerweise die Arbeit verlangsamt. Und Meta plant, die Tastenanschläge, Mausbewegungen und Klicks seiner Mitarbeiter zu verfolgen und aufzuzeichnen, um seine KI-Modelle zu trainieren. Einige der gleichen Arbeitnehmer, die derzeit vom Aufstieg der KI profitieren, stehen kurz davor, diesen Vorteil irgendwann wieder zu verlieren.
Meine eigenen Forschungen der letzten zehn Jahre zur Koexistenz von Arbeitnehmern und KI, die im Wirtschaftsbericht des Weißen Hauses von 2024 zitiert wurden, legen nahe, dass das drängendste Problem im Zusammenhang mit den Auswirkungen der KI auf die Arbeitswelt nicht die unmittelbare Massenarbeitslosigkeit ist. Es ist vielmehr die sich vergrößernde Kluft in Bezug auf Qualifikationen, Autonomie und Wohlbefinden zwischen denjenigen, die mit KI arbeiten dürfen, und denjenigen, die sich von ihr verwalten lassen müssen. Viele Arbeitsplätze werden auch in Zukunft bestehen bleiben, aber sie werden mit mehr Druck verbunden, stärker fragmentiert und weniger menschlich sein.
Das ist wichtig, denn bei der Arbeit geht es nicht nur um das Einkommen. Es geht auch um Würde, Vertrauen und Selbstbestimmung…“ engl. Artikel von Nazrul Islam vom 11.5.2026 in The Guardian online
(maschinenübersetzt) - Vier-Tage-Woche: Die einzige Antwort auf die KI-Revolution
„KI vernichtet Jobs und überwacht Beschäftigte bis ins Detail. Ein Gewerkschafter hat eine klare Forderung – und die überrascht kaum. Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt. Immer mehr Unternehmen begründen Personalabbau mit KI. (…)
Microsoft Office ist in den Betrieben nahezu flächendeckend im Einsatz, sei es durch Microsoft 365 oder Teams-Telefonie. Damit wird für Unternehmen ein durchgängiger digitaler Datenraum des Betriebs geschaffen. Voraussetzung ist eine Datenbank, über die Daten der Kunden und einzelne Arbeitsschritte ausgewertet werden. Kundendaten und Daten von Verwaltungsangestellten werden in Workflow-Management-Systemen zusammengeführt. Dies erleichtert es Unternehmen, Beschäftigte unter Druck zu setzen, hin zu innerbetrieblichem Benchmarking. Durch Programme wie Microsoft Copilot oder Purview sind Auswertungen möglich über Tonfall, Wortwahl und Emotion bei Telefonaten und Online-Besprechungen.
Auch Google hat seine Produktpalette durch KI erweitert. Die KI-Assistenz Gemini ist in Google Workspace integriert, um die Nutzung spezifischer Anwendungen intelligent zu unterstützen. Per KI-Einsatz werden die Daten nicht nur isoliert ausgewertet, sondern miteinander verknüpft. Aus getrennten Informationen wie Kommunikationsdaten, Kundenkontakte und Arbeitsmuster können umfassende Profile über die Arbeitsweise und Leistung der Beschäftigten erstellt werden.
Arbeitszeitverkürzung als Gegenkonzept
Diese Entwicklungen beschäftigen auch Gewerkschafter. Selbst wenn die KI hinter ihren „hochgesteckten Versprechen“ zurückbleibt, hat sie negative Folgen für die Beschäftigten, schreibt Vishal Reddy
auf labornotes.org. Er fragt, wie die Beschäftigten sicherstellen können, „dass der technologische Fortschritt nach ihren Maßstäben neu definiert wird und nicht nach denen der Oligarchen“? Seine Antwort ist die 32-Stunden-Woche. (…)Reddy arbeitet für die US-amerikanische Kampagne „WorkFour“
, die sich für die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich einsetzt. Um sinkendes Arbeitsvolumen zumindest betrieblich etwas auffangen zu können, ist Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich die passende Antwort. Aber auch der steigende Leistungsdruck durch die neue Technik ist ein Argument für die Verkürzung der Arbeitszeit…“ Beitrag von Marcus Schwarzbach vom 05. Mai 2026 in Telepolis
- Siehe auch unser Dossier: Was tariflich bisher nicht klappt, wird nun einzelbetrieblich versucht: Die 4-Tage-Woche
- [Entlassungswelle in den USA] Die großen Tech-Konzerne haben versprochen, dass KI den Arbeitsmarkt revolutionieren würde – nur nicht so
„Oracle entlässt Berichten zufolge Tausende von Mitarbeitern und reiht sich damit in eine bereits lange Liste von Tech-Giganten ein, die Personal abbauen, während sie gleichzeitig Hunderte von Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investieren. Microsoft hat im vergangenen Jahr 15.000 Mitarbeiter entlassen. Amazon hat im Januar 16.000 Stellen gestrichen. Atlassian entließ im Rahmen seiner KI-Ausrichtung 10 % seiner Belegschaft. Block baute 40 % seiner Belegschaft ab und begründete dies damit, dass KI einen Großteil der erforderlichen grundlegenden Programmierarbeit übernehmen könne. Meta, das sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat, eine gottgleiche „superintelligente“ KI zu entwickeln, hat Berichten zufolge 700 Mitarbeiter entlassen und gleichzeitig ein Aktienoptionsprogramm für eine Handvoll Top-Führungskräfte ausgeweitet.
Vielleicht sollte uns das nicht überraschen: Führungskräfte der großen Tech-Unternehmen warnen schon seit Langem davor, dass KI zum Verlust von Arbeitsplätzen führen würde. Sie haben vielleicht nur vergessen zu erwähnen, dass diese Verluste nicht unbedingt darauf zurückzuführen sind, dass KI-Tools menschliche Arbeitskräfte ersetzen, sondern vielmehr auf dieselben altbekannten, langweiligen betriebswirtschaftlichen Gründe wie in der Zeit vor der KI: Wenn man zu viel ausgibt, muss man am Ende meist Kosten einsparen…“ engl. Analyse von Allison Morrow vom 1.4.2026 bei CNN
(„Big Tech promised AI would disrupt labor — just not like this“, maschinenübersetzt), siehe auch:
- Die Bedrohung wächst: KI ist für 25 Prozent der Entlassungen verantwortlich
„Noch ist es schwer, den tatsächlichen Mehrwert von KI-Tools zu messen. Trotzdem scheint die neue Technologie immer mehr Menschen den Job zu kosten. Vor allem die Tech-Branche ist weiterhin stark betroffen. (…) Im Sommer 2025 stellte eine MIT-Studie fest, dass 95 Prozent der Unternehmen, die teilweise massiv in KI-Projekte investiert haben, bisher keinen nennenswerten Gewinn daraus ziehen konnten. Trotzdem sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt schon jetzt deutlich spürbar. Laut aktuellen Daten von Challenger, Gray & Christmas wurden in den USA in diesem Jahr bisher mehr als 52.000 Stellen im Tech-Bereich abgebaut – davon 18.720 allein im letzten Monat. Betroffen waren große Konzerne wie Meta und Oracle. Der Bericht weist allerdings auch darauf hin, dass insbesondere der Personalabbau bei Dell die Zahlen in die Höhe trieb und die Gesamtzahl auf den höchsten Stand seit 2023 brachte…“ Artikel von Noëlle Bölling vom 05.04.2026 bei t3n.de
- Siehe aber auch: Tech-Arbeiter*innen gegen Big Tech? Politische Potenziale für Arbeitskämpfe im Zeitalter von KI
- Die Bedrohung wächst: KI ist für 25 Prozent der Entlassungen verantwortlich
- Kämpfe der modernen Arbeitswelt: Mit digitalisierten Beschäftigungsverhältnissen verändert sich auch die Aushandlung von Arbeitsrechten
„Zwischen 1960 und 1961 führten Arbeiter*innen einer Automobilfabrik von Fiat im italienischen Turin eine Art Feldforschung durch. Sie interviewten Arbeiter*innen vor Ort und zeichneten Karten ihres Arbeitsplatzes, um die Produktionsprozesse nachzuvollziehen. Ihr Ergebnis: Italiens führender Automobilproduzent stand kurz vor massiven Arbeitsunruhen. Sie sollten Recht behalten, im Sommer 1969 breitete sich eine Serie von Massenstreiks in Norditalien aus. Ihren Ursprung hatten sie in den Turiner Fiat-Fabriken. »Die Arbeiter*innenbefragung bei Fiat zeigt, dass Information und Analyse schon immer im Zentrum der Arbeiter*innenorganisation standen. Insbesondere im Kontext neuer Technologien«, schlussfolgert der Europäische Gewerkschaftsbund (EGM) in einem Leitfaden zum gewerkschaftlichen Umgang mit Algorithmen.
Algorithmen und die Datensätze, auf denen sie basieren, stehen im Mittelpunkt der Umstellung manueller, papierbasierter Prozesse auf digitale Plattformen und Werkzeuge. Das sogenannte »algorithmische Management« ist der Einsatz datengestützter Algorithmen zur Übermittlung von Managementanweisungen und zur Steuerung von Arbeitsprozessen.
Dem EGM zufolge arbeiten inzwischen 79 Prozent der europäischen Konzerne damit. »Bei der algorithmischen Steuerung werden Arbeitsverteilung und Bezahlung auf eine Weise festgelegt, die in der Regel intransparent und oft diskriminierend ist«, kritisiert der EGM. Werden Algorithmen beispielsweise für Lohnmodelle herangezogen, orientieren sie sich am diskriminierenden gesellschaftlichen Status Quo. Dadurch können jene Verhältnisse in die digitalisierte Arbeitswelt übertragen werden. Um das zu verhindern, muss explizit durch technische Lösungen und menschliche Überprüfung gegengesteuert werden. Darüber hinaus können »Arbeiter*innen algorithmisch ausgelegten Strafen bis hin zum Verlust ihres Arbeitsplatzes ausgesetzt werden, manchmal ohne jemals mit einem menschlichen Vorgesetzten kommunizieren zu können«, befürchtet der EGM. »Um diese Probleme anzugehen, ist es unerlässlich, dass Arbeitnehmer und Gewerkschaften über den Algorithmus verhandeln.«
Ein europäisches Vorbild im Umgang mit algorithmischer Diskriminierung ist die Reinigungsplattform Hilfr in Dänemark. Dort gab es eine gewerkschaftliche Vereinbarung zur Sicherstellung der Unternehmensverantwortung für algorithmische Entscheidungen. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass Konzerne explizit gesammelte Daten über Arbeiter*innen nutzen, um über algorithmische Berechnungsmodelle individuelle Löhne zu drücken. Das betrifft insbesondere die Plattformökonomie. Das ist jener informelle Arbeitsmarkt, in dem zeitlich befristete Aufträge flexibel und kurzfristig an Arbeitssuchende, Freelancer oder geringfügig Beschäftigte über Onlineplattformen vergeben werden. Klassische Beispiele sind Fahr- und Lieferdienste. Versuche, auf diese Art Löhne zu drücken, gibt es auch in der deutschen Fahrvermittlungsbranche. (…)
Eignen sich Arbeiter*innen die Daten an, können sie aber auch Werkzeuge für Arbeitskämpfe von unten sein. Arbeiter*innen können durch neue Technologien Konzerne und deren Strukturen besser nachvollziehen und prüfen, inwiefern Arbeitgeber Verträge einhalten. Ist ein Unternehmen nicht bereit, über einen Tarifvertrag zu verhandeln, können die aus Datenanalysen gewonnenen Erkenntnisse für Kampagnen oder Gerichtsverfahren genutzt werden. Auch dafür gibt es bereits einige Beispiele. So haben Uber-Fahrer*innen in der Schweiz ihre Daten gesammelt und analysiert, um herauszufinden, ob sie die ihnen vorgelegten Gehälter akzeptieren sollten. In Brasilien wurde eine App entwickelt, mit der Fahrer*innen austesten können, ob Angebote von Fahrtdienstplattformen für sie ökonomisch sinnvoll sind. Grundsätzlich gilt beim modernen Arbeitskampf: Er beginnt im digitalen Zeitalter damit zu verstehen, welche Daten Konzerne besitzen – und wie sie sie verwenden.“ Artikel von Sarah Yolanda Koss vom 30. März 2026 in Neues Deutschland online
- Vier Strategien der US-Gewerkschaften im Kampf um KI – eine davon ist die Forderung nach Vier-Tage-Woche mit 32 Arbeitsstunden als Standard für alle
- Vier Strategien der US-Gewerkschaften im Kampf um KI
„Der aktuelle Hype um künstliche Intelligenz in der Wirtschaft löst bei Arbeitnehmern massenhaft Ängste aus. Laut einer Reuters-Umfrage zum Thema KI befürchten 71 Prozent der Menschen in den USA, dass „zu viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren werden“.
Die Wall Street und die großen Tech-Konzerne betreiben eine riesige Hype-Maschinerie, um ihre massiven, riskanten Investitionen in künstliche Intelligenz zu rechtfertigen, und versprechen, dass diese einen „Produktivitätsschub“ bewirken werde – was weniger Arbeitskräfte und mehr Gewinne bedeutet.
Die Arbeitnehmer können jedoch beruhigt sein, denn bislang handelt es sich größtenteils nur um leere Worte. Bis heute wirft künstliche Intelligenz kaum Gewinne ab. Sie kann bei einigen wenigen Aufgaben hilfreich sein – zum Beispiel beim Erstellen von Rohentwürfen für Computercode oder beim Zusammenfassen riesiger Datenmengen –, ist aber ansonsten selten mit menschlichem Talent gleichzusetzen. (…)
Künstliche Intelligenz ist ein Machtgriff des Managements, getarnt als unvermeidliche technische Weiterentwicklung. Um sich dagegen zu wehren, können Arbeitnehmer vier Strategien anwenden, die sich in der Vergangenheit bewährt haben: das eigentliche Problem benennen; sich gewerkschaftlich organisieren; Lösegeld fordern; und es blockieren. (…)
Die Gewerkschaft „National Nurses United“ veröffentlichte im vergangenen Jahr die Grundsätze „A.I. Justice“
, in denen konkrete Gefahren aufgezeigt werden, beispielsweise wenn ein automatisierter Algorithmus entscheidet, wie viele Pflegekräfte für eine Schicht eingeplant werden oder welche Untersuchungen für einen Patienten angeordnet werden sollen. Die Gewerkschaft argumentiert, dass Computersysteme menschliches Fachwissen nicht ersetzen können. (…)
Der Stellenabbau durch KI mag in Ihrer Branche eine echte Bedrohung darstellen, aber nicht, weil die Automatisierung Ihre Arbeit tatsächlich gut erledigen kann. Führungskräfte interessiert es vielleicht nicht, ob Schüler gefördert, echte Fakten berichtet oder Patienten geheilt werden. Sie wollen einfach nur Geld verdienen. Die KI liefert ihnen einen Vorwand, um eine Verschlechterung der Arbeitsqualität zuzulassen.
Der Software-Manager und Kritiker Anil Dash stellte kürzlich fest, dass seit der Veröffentlichung von ChatGPT eine halbe Million Beschäftigte in der Tech-Branche entlassen wurden, vor allem weil Führungskräfte „jetzt die KI als Vorwand nutzen können, um Mitarbeiter zu entlassen, die sie schon lange loswerden wollten“.
Stellen für Programmier-Einsteiger wurden massiv abgebaut, während erfahrene Ingenieure weiterbeschäftigt werden, um den fehlerhaften Code zu beheben, den die KI hervorgebracht hat. Doch woher soll die nächste Generation erfahrener Ingenieure kommen, wenn sie nicht als Programmier-Einsteiger im Beruf lernen kann? Diese kurzsichtigen Einsparungen verschaffen erfahrenen Programmierern neue Verhandlungsmacht, die nun von den Mitarbeitern selbst getragene Lösungen für die Ausbildung der nächsten Generation vorantreiben könnten. (…)
Wenn es um neue KI- und Automatisierungsvorhaben der Unternehmensleitung geht, können Arbeitnehmer sich weigern, nicht gewerkschaftlich organisierten Auftragnehmern die Leitung zu überlassen. Eine ganze Armee von Beratern ist aus dem Boden geschossen, um Arbeitgeber bei der Einführung von KI in Krankenhäusern und Schulen zu beraten – und dabei Millionen aus dem eigentlichen Bildungs- und Pflegebereich abzuschöpfen. (…)
In der nächsten Welle sollen viele „Hyperscale“-Rechenzentren entstehen, die zehnmal so groß sind wie die bereits gebauten. Das größte davon wird so viel Strom verbrauchen wie die gesamte Stadt Philadelphia. Der enorme Arbeitskräftebedarf dieser Projekte verschafft den Baugewerkschaften Einflussmöglichkeiten, sofern sie diese nutzen: um neue Mitglieder zu gewinnen, Aufträge für Projekte abzulehnen, die auf den größten Widerstand vor Ort stoßen, und Zugeständnisse in Bezug auf öffentliche Dienstleistungen und den Umweltschutz einzufordern.
Eine Welle lokaler Basisinitiativen hat im vergangenen Jahr 25 Rechenzentren verhindert. Wenn sich Gewerkschaften mit Bürgerinitiativen zusammentun, können sie gemeinsam mehr von Bauträgern und Regierungen durchsetzen, beispielsweise die Abschaffung milliardenschwerer Steuergeschenke für Rechenzentren, die lokale Schulen und das Straßennetz in den Ruin treiben können. In Kalifornien haben solche Bündnisse Gas- und Solarkraftwerke gewerkschaftlich organisiert und einige Forderungen der Bevölkerung durchgesetzt.
Im besten Fall können solche „Lösegeld“-Deals die Kosten für die Unternehmensleitung erhöhen, die eine neue Technologie durchsetzen will, und den Beschäftigten Zeit verschaffen, um mit der Organisierung in die Offensive zu gehen. (…)
Die erniedrigendste Auswirkung der KI betrifft schließlich nicht nur unsere Arbeit, sondern auch unsere Fähigkeiten und unsere Vorstellungskraft. Wenn Musik und Filme von einem Roboter geschaffen werden, der vergangene Werke zusammenflickt, beraubt dies sowohl das Publikum als auch die Künstler neuer, kühnerer Träume. Selbst bei eher routinemäßigen Tätigkeiten lernen wir durch praktische Erfahrung. Künstliche Intelligenz ist keine unaufhaltsame Triebkraft des Fortschritts. Wenn sie so eingesetzt wird, wie es sich die CEOs wünschen, würde sie vielmehr die Quelle des Fortschritts versiegen lassen: das Know-how der Arbeitnehmer.
Sich gegen den Machtmissbrauch der Unternehmensleitung im Bereich der Technologie zu wehren, ist ein wichtiger Schritt, um Verantwortung für die Welt zu übernehmen, die wir bei der Arbeit gestalten – und um den Weg zu einer besseren Welt offen zu halten.“ engl. Artikel von Keith Brower Brown vom 5. März 2026 in LaborNotes
(„Four Union Strategies to Fight on A.I.“, maschinenübersetzt) - Die Antwort der Arbeiterbewegung auf die KI? Gebt uns unsere Zeit zurück
„Was die künstliche Intelligenz betrifft, so besteht zwischen der Wirtschaft und den Arbeitnehmern eine erhebliche Kluft hinsichtlich der Zielsetzungen.
Sollte die KI einen technologischen Boom auslösen, beabsichtigen Unternehmen, sie zu nutzen, um einen totalen Krieg gegen die Arbeiterschaft zu führen. Sie werden Effizienzgewinne dazu nutzen, Arbeitsplätze abzubauen, Arbeitnehmer zu überwachen und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Selbst wenn die KI hinter ihren hochgesteckten (vielleicht überhöhten) Bewertungen zurückbleibt, könnte die Arbeiterklasse dennoch unter schwerwiegenden Folgen leiden, da unsere Wirtschaft und unsere Altersvorsorge zunehmend von Investitionen in KI abhängen.
Die Arbeitnehmer haben das Gefühl, dass die Unternehmen ihnen eine Falle gestellt haben. Eine aktuelle Pew-Umfrage ergab, dass die meisten Arbeitnehmer Bedenken hinsichtlich KI an ihrem Arbeitsplatz haben, wobei die Angst unter Niedriglohnempfängern am größten ist. Nur 17 Prozent der Amerikaner glauben, dass KI in den nächsten 20 Jahren positive Auswirkungen haben wird. Trotz dieser kollektiven Angst haben die zehn reichsten Tech-Milliardäre ihr gemeinsames Vermögen im letzten Jahr um eine halbe Billion Dollar gesteigert, was größtenteils auf Spekulationen mit KI zurückzuführen ist.
Und doch haben sich Gewerkschaften und mit ihnen verbündete Politiker angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen weitgehend auf defensive und verfahrensorientierte Lösungen geeinigt. Die Organisations- und Verhandlungsgrundsätze der AFL-CIO
legen den Schwerpunkt auf defensive Instrumente: Transparenz, Konsultation, Verfahrensgarantien und Personalentwicklung.
Diese Maßnahmen sind zwar notwendig, reichen aber nicht aus. Sie kommen im Vergleich zur rasanten Entwicklung der KI zu langsam voran und erfordern eine konsequente Durchsetzung während der Vertragslaufzeit. Selbst wenn sie breite Unterstützung finden, schaffen sie es nicht, die für kollektives Handeln erforderliche Massenbegeisterung zu wecken. Diese Instrumente zielen darauf ab, das zu bewahren, was die Arbeitnehmer noch haben, anstatt dafür zu kämpfen, was sie derzeit gewinnen könnten. Sie werden nichts daran ändern, wer letztlich vom technologischen Fortschritt profitiert.
Wie kann die Arbeiterschaft also sicherstellen, dass der technologische Fortschritt nach ihren Maßstäben neu definiert wird und nicht nach denen der Oligarchen?
DIE 32-STUNDEN-ARBEITSWOCHE
Wir haben vielleicht keinen Einfluss auf die Wirtschaft, aber wir können unsere Ambitionen steuern. Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz bietet uns die Chance, eine wirtschaftliche Agenda zu setzen, die den Menschen Hoffnung gibt, dass die Technologie ihr Leben verbessert und nicht verschlechtert.
Eine viertägige, 32-Stunden-Woche bei vollem Lohn und voller Sozialleistungen sollte im Mittelpunkt dieser offensiven Agenda stehen. Die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten zeigt, wie die Vorteile der Technologie nicht nur nach oben, sondern auch nach außen fließen können. Wenn das Versprechen der KI darin besteht, dass sie uns „Zeit spart“, dann kann sie uns unsere Zeit von der Arbeit zurückgeben. (…)
Bei WorkFour
– der landesweiten Kampagne für diese Forderung – haben wir vier Ansatzpunkte ermittelt, die Gewerkschaften nutzen können, um kürzere Arbeitswochen durchzusetzen. Es ist dringend notwendig, diesen Kampf jetzt wieder aufzunehmen. Die Arbeitnehmer blicken bereits mit Sorge auf die KI, was uns Rückenwind verschafft, doch das Ausmaß der tatsächlichen Verdrängung ist noch begrenzt – was bedeutet, dass unser Verhandlungsspielraum weiterhin intakt ist. (…)
FÖRDERT DIE MILITANZ
In der gesamten Arbeiterbewegung wächst der Konsens, dass wir militantere, streikbereite Gewerkschaften brauchen; zwei unverzichtbare Voraussetzungen dafür sind Solidarität und Klassenbewusstsein. Die Verhandlungen über eine Vier-Tage-Woche mit 32 Arbeitsstunden stärken beides.
Jeder Arbeitnehmer kann sich das sofort vorstellen: mehr Freizeit, mehr dreitägige Wochenenden, mehr Zeit für die Familie und das gesellschaftliche Leben. Eine Vier-Tage-Woche kann Arbeitnehmer trotz großer Unterschiede bei der Art der Tätigkeit und der Bezahlung zusammenbringen, denn jeder hat davon zu profitieren. Diese Forderung schärft zudem das Klassenbewusstsein. Auf der einen Seite steht eine überarbeitete, ausgebrannte Arbeiterklasse; auf der anderen eine Klasse, deren Leben von Muße geprägt ist. Wie Shawn Fain, der Vorsitzende der Gewerkschaft United Auto Workers, es formulierte, sind die wahren Schmarotzer in unserer Wirtschaft die „Meister des passiven Einkommens“, die von der Arbeit anderer profitieren…“ engl. Artikel von Vishal Reddy vom 18. März 2026 in LaborNotes
(„Viewpoint: Labor’s Answer to A.I.? Give Us Our Time Back“, maschinenübersetzt) – Vishal Reddy ist Gewerkschaftsverhandler für Pflegeheimmitarbeiter und Geschäftsführer von WorkFour, einer landesweiten Kampagne, die sich dafür einsetzt, die Vier-Tage-Woche mit 32 Arbeitsstunden zum Standard für alle Arbeitnehmer zu machen.
- Vier Strategien der US-Gewerkschaften im Kampf um KI
- [Studie der Universität Berkeley] KI am Arbeitsplatz kann in mehr Arbeit und Burnout enden
„Eine neue Studie zeigt: Mehr Künstliche Intelligenz in Betrieben erhöht nicht zwangsläufig die Produktivität der Mitarbeiter, sondern verdichtet ihre Arbeit
Künstliche Intelligenz kann die Arbeitslast deutlich reduzieren, indem sie Mitarbeitern zum Beispiel einfache Routinearbeiten abnimmt. Dann bleibt mehr Zeit für die Kernaufgaben und den kreativen Arbeitsprozess. Viele Unternehmen versprechen sich durch den Einsatz von KI-Tools mehr Effizienz. Doch laut einer jüngst veröffentlichten Studie aus Kalifornien
passiert oft das Gegenteil: Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz reduziert nicht die Arbeit – sie intensiviert sie. (…) Die beiden Wissenschaftlerinnen Aruna Ranganathan und Xinqi Maggi Ye von der Haas School of Business der kalifornischen Universität Berkeley haben acht Monate lang 200 Mitarbeiter einer US-Technologiefirma begleitet. Das Ergebnis: Nach Einführung der KI-Tools arbeiteten die Angestellten schneller und länger, teils in den Pausen und in ihrer Freizeit. Sie übernahmen auch neue Aufgabenfelder – und das nicht etwa, weil es von ihnen verlangt wurde. Übernehmen KI-Tools einfache Routine-Verwaltungsaufgaben, bleibt den Mitarbeitern mehr Zeit für anspruchsvollere, kreative und damit „wertvollere“ Tätigkeiten. Zusammen mit der oft spielerisch einfachen Bedienung der KI-Instrumente kann sich jedoch eine neue Eigendynamik am Arbeitsplatz entwickeln: schnell noch eine neue Aufgabe an die KI schicken, während man sich gleichzeitig noch um etwas anderes kümmert. Die gefühlte gesteigerte Produktivität kann sich dann mehr und mehr in die Pausen oder in die Freizeit verlagern. (…) Dieses Muster führt allerdings langfristig nicht zu einer besseren Arbeitsleistung, sondern kann laut der Wissenschaftlerinnen in Zuständen geistiger Erschöpfung und Burnout enden. Das wiederum schlägt sich in schlechteren Arbeitsergebnissen und sogar Erkrankungen der Arbeitnehmer nieder. Diesen gefährlichen Prozess kennt auch der Arbeitspsychologe Florian Schweden vom Institut für Arbeitsgestaltung und Organisationsentwicklung in Hamburg. (…) Doch die KI kann laut Florian Schweden auch dann Druck auf die Arbeitnehmer ausüben, wenn sie nicht als helfender Partner, sondern als Konkurrent wahrgenommen wird, die den eigenen Arbeitsplatz bedroht. In einer seiner Untersuchungen mündete die Angst der Mitarbeiter, durch KI ersetzt zu werden, sogar in einem Fall von „Robomobbing“: So haben Angestellte eines Logistikunternehmens den selbstfahrenden Robotern Holzpaletten in den Weg gelegt, damit diese nicht so effizient arbeiten. Damit wollten sie zeigen, „dass der Mensch, der irgendwo drübersteigen kann, noch gebraucht wird“. (…) Verteufeln möchte der Arbeitspsychologe Florian Schweden den KI-Einsatz allerdings nicht. Für ihn ist es wichtig, dass Unternehmen zusammen mit ihren Mitarbeitern vor der Einführung von KI-Tools klar die Rollen von Mensch und Maschine verteilen…“ Beitrag von Frank Bäumer vom 22. Februar 2026 bei BR24 
- Rechtsverletzungen im Arbeitsverhältnis: Wer haftet beim Einsatz von KI im Job?
„… Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in vielen Unternehmen inzwischen nicht mehr wegzudenken. Die Europäische Union hat versucht, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und 2024 die Verordnung über KI erlassen (KI-Verordnung). Allerdings sind insbesondere viele Haftungsfragen ungeklärt, nachdem die EU-Kommission den Entwurf einer KI-Haftungsrichtlinie zurückgezogen hat. (…)
Bei Schäden durch vorgenannte Rechtsverletzungen wird primär der Arbeitgeber in Haftung genommen werden. Denn beim Einsatz von KI-Systemen trifft den Betreiber, hier also den Arbeitgeber, der das Unternehmerrisiko trägt und daher für die Organisation seines Betriebs und der Arbeitsmittel verantwortlich ist, unter anderem die Sorgfaltspflicht, deren Einsatz zu organisieren. Das gilt gerade auch, wenn diese von Arbeitnehmern bedient und/oder überwacht werden. Das verdeutlicht auch die Schulungspflicht nach Art. 4 der KI-Verordnung, nach der der Betreiber seinen Arbeitnehmern KI-Kompetenz zu vermitteln hat, wenn diese mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind. Aber auch abseits der vorgenannten Sorgfaltspflicht lässt sich eine Haftung des Arbeitgebers begründen, da er sich Pflichtverletzungen und Verschulden des Arbeitnehmers (analog) § 278 BGB zurechnen lassen muss, soweit dieser als Erfüllungsgehilfe des Arbeitgebers tätig ist. Das gilt für sämtliche Tätigkeiten im Pflichtenkreis des Arbeitgebers, selbst wenn sie weisungswidrig ausgeführt werden. Erst wenn sich ein innerer Zusammenhang mit einer Pflicht des Arbeitgebers nicht mehr feststellen lässt, unterbleibt eine Zurechnung. (…) Der in Anspruch genommene Arbeitgeber kann unter Beachtung der Grundsätze der Rechtsprechung zum innerbetrieblichen Schadensausgleich (…) beim Arbeitnehmer Regress nehmen, soweit dieser eine Pflichtverletzung zu vertreten hat. (…)
Hinsichtlich des Vertretenmüssens der Pflichtverletzungen finden die allgemeinen arbeitsrechtlichen Haftungsprivilegierungen Anwendung. Während im allgemeinen Schuldrecht bei Pflichtverletzungen innerhalb des Schuldverhältnisses nach § 280 Abs. 1 S. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vermutet wird, dass der Schuldner die Pflichtverletzung zu vertreten hat, macht § 619a BGB hiervon für das Arbeitsverhältnis zugunsten von Arbeitnehmer:innen eine Ausnahme: Bei Pflichtverletzungen von Arbeitnehmer:innen wird nicht vermutet, dass sie die Pflichtverletzung zu vertreten haben. Die Darlegungs- und Beweislast hierfür trägt somit der Arbeitgeber. Außerdem haftet der Arbeitnehmer nach der Rechtsprechung zum innerbetrieblichen Schadensausgleich bei leichtester Fahrlässigkeit nicht und bei mittlerer Fahrlässigkeit nur anteilig. Nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz haftet der Arbeitnehmer in der Regel voll (vorbehaltlich Ausnahmen aus Billigkeitsgründen). Diese Haftungsprivilegierung hat die Rechtsprechung aus § 254 BGB, der Norm zum Mitverschulden, hergeleitet. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, dass der Arbeitgeber durch die Organisation der Betriebsabläufe auch das Haftungsrisiko der Arbeitnehmer:innen prägt. Zudem wird in der Literatur vertreten, dass der Erfolg eines Regresses beim Arbeitnehmer davon abhängt, ob eine Schulung nach den Vorgaben der KI-Verordnung durchgeführt worden ist. Ungeachtet dessen ist zu beachten, dass eine Vollhaftung des Arbeitnehmers wegen Vorsatzes nach vorgenannten Grundsätzen nicht automatisch bereits gegeben sein wird, wenn der Arbeitnehmer vorsätzlich gegen eine Vorgabe aus einer Schulung verstoßen hat, denn eine Vollhaftung wegen Vorsatzes setzt voraus, dass der Arbeitnehmer auch den Schaden (und nicht bloß die Pflichtverletzung) vorsätzlich herbeiführt. (…)
Die Schulungspflicht nach der KI-Verordnung wirkt sich also auf sämtliche Haftungsverhältnisse mit Arbeitnehmerbezug aus. Ihre Einhaltung ist daher essenziell. Problematisch ist, dass die KI-Verordnung keine konkreten Vorgaben macht, wie die Schulungen durchzuführen sind…“ Gastbeitrag von Dr. Nadine Kramer und Dominik Süß vom 13. Januar 2026 bei LTO
- Neue Forschung stellt die verbreitete Vorstellung infrage, KI zerstöre zwangsläufig gute Arbeitsplätze – offenbar ohne die KI selbst infrage zustellen
„Neue Forschung zeigt: KI-Einsatz kann Löhne steigen lassen. Doch dafür müssen Betriebe eine bestimmte Voraussetzung erfüllen.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert unser Leben. Für die einen ist sie der ultimative Heilsbringer: Effizienzsteigerer in der Arbeits- und Lebenswelt, Lösung für den Klimawandel und Quelle wissenschaftlicher Durchbrüche in der Medizin. Andere – wie OpenAI-CEO Sam Altman oder Elon Musk – prophezeien das Ende der Welt und der vollständigen Übernahme menschlicher Arbeit. (…) Doch die Auswirkungen von KI sind vielschichtiger (…)
Statt von einer Übernahme durch KI zu träumen, sollten wir uns vielmehr Gedanken über die Macht und politische Einflussnahme autoritärer »Techbros« machen. Nur unter demokratischer Kontrolle und als kollektives Gut organisiert, so Surplus-Kolumnistin Aya Jaff, kann KI der breiten Gesellschaft zugutekommen. An diesen Punkt anknüpfend sind wir – Forschende des Digital Futures at Work Forschungszentrums und des Institute for the Future of Work – in unserer kürzlich im British Journal of Industrial Relations veröffentlichten Studie der Frage nachgegangen, wer auf der Arbeit finanziell von KI profitiert. Konkret: Wie wirken sich Investitionen in und der Gebrauch von KI auf Löhne aus? (…)
Seit Jahrzehnten argumentieren Ökonominnen und Ökonomen, dass digitale Technologien vor allem Hochqualifizierte begünstigen. Das Konzept des skill-biased technological change besagt, dass Computerisierung die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit erhöht, »unkomplexere« Arbeit ersetzt, und damit Lohnungleichheiten vergrößert. Doch unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI die Chance bietet, dieses Muster aufzubrechen. Wenn Unternehmen KI einführen, profitieren nicht nur Akademikerinnen und Akademiker. Besonders bei Beschäftigten mit niedrigerem Bildungsabschluss zeigt sich: Wer KI regelmäßig im Arbeitsalltag nutzt, verdient signifikant mehr. Anders ausgedrückt bedeutet das: Wenn Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten KI in ihre Arbeit integrieren, können sie an den Produktivitätsgewinnen teilhaben. Das stellt die verbreitete Vorstellung infrage, KI zerstöre zwangsläufig gute Arbeitsplätze…“ Artikel von Felix Schulz vom 23. November 2025 im Wirtschaftsmagazin Surplus
(„Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt: Wer profitiert?“) – bitte beachten: Der komplette Artikel setzt ein Abo des kostenlosen Newsletters voraus; der Link zur englischsprachigen Studie
ist aber ohne Abo möglich - Hat Arbeit Zukunft? Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit KI
„Können Beschäftigte ohne Weiteres durch künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden? Diese Frage begegnet uns inzwischen fast täglich. Die einen feiern KI als Revolution, die Arbeit erleichtert und Produktivität steigert. Die anderen warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten. Doch wie groß ist der Wandel wirklich – und wie kann er so gestaltet werden, dass er den Beschäftigten nützt? Schauen wir, was die aktuelle Forschung sagt. (…) Die Untersuchungen zeigen insgesamt, dass die viel beschworene Jobvernichtung durch KI bislang ausgeblieben ist. Auch die erhofften Produktivitätssprünge sind – zumindest bislang – ausgeblieben. Einig sind sich die meisten darin, dass KI deutlich schneller Einzug in die Arbeitswelt hält als frühere Innovationen. Die Frage, mit der sich jüngere Studien beschäftigen, ist deshalb nicht mehr, ob oder welche Tätigkeiten durch KI automatisiert werden, sondern welche Bedingungen notwendig sind, um Produktivität, Wachstum, Innovation und eine gerechte Verteilung der Vorteile sicherzustellen. Bleibt mehr Zeit für selbstbestimmtes Arbeiten oder wird das Tempo weiter erhöht, weil die Technik es zulässt? Führen Produktivitätsgewinne zu verbesserten Arbeits- und Lebensbedingungen – oder schöpfen einige wenige Technologie-Riesen den Profit ab? (…) Die internationale Forschung – von OECD, ILO, Weltbank und UNDP – zeigt sehr klar: KI führt nicht automatisch zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle. Die Höhe und die Verteilung der KI-Gewinne hängen entscheidend von den Rahmenbedingungen ab: nämlich davon, wie Staaten in Wettbewerb, Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Sicherung investieren. (…) KI wird für manche Vorteile, für einige Nachteile mit sich bringen. Aufgabe der Politik ist es, soziale Schieflagen zu verhindern, den sozialen Zusammenhalt zu sichern, gute Arbeit zu erhalten und zu gestalten. Dazu gehört der Ausbau von sozialen Sicherungsnetzen, Qualifizierungsprogrammen und gezielter Unterstützung beim Arbeitsplatzwandel. Produktivitätssteigerungen müssen auch den Beschäftigten zugutekommen: Neu gewonnene Freiräume dürfen nicht zu höherem Druck führen, sondern sollen Arbeit sinnvoller machen – auch weil kreative, kommunikative und soziale Kompetenzen die Grundlage für Innovation sind. Unternehmen wie Regulierungsbehörden tragen Verantwortung dafür, dass KI gerecht entwickelt und angewendet wird.“ Artikel von Tünde Fülöp und David Walker vom 13. November 2025 im A&Wblog
- Der kontraproduktive Klassenkampf: Über die privilegierte Abneigung des Bildungsbürgertums gegen KI
„KI ist böse, KI ist Faschismus – diese Haltung hinsichtlich “Künstlicher Intelligenz” scheint vor allem in sozialwissenschaftlich geprägten Kreisen verbreitet zu sein. Nun, es ist in Teilen verständlich, dass so Manche in dieser Klasse, die sich bislang nicht von Automatisierung bedroht sah, infrage gestellt empfinden. Große Sprachmodelle (LLM) werden von vielen Denk- und Wissensarbeiter:innen sowie Kreativen ausschließlich als Bedrohung gesehen. Neben bedenkenswerter Kritik an KI ist dabei überwiegend eine Mischung aus Ahnungslosigkeit, Inkonsistenz und Dünkel zu beobachten. Und ein Mangel an Selbstreflexion darüber, welch privilegierter Gestus und welch reaktionäre Züge aus der pauschalen Ablehnung einer Technologie sprechen. (…) Folge dieser zynischen Haltung: Durch die Unfähigkeit zu diskursiven Grautönen, überlässt man das Feld denjenigen, gegen die man sich angeblich zur Wehr setzen möchte. Gut zu erleben beim Stammtisch der KI-Résistance – auf BlueSky. So dürften wohl die Weber und Kutscher damals rumgerohrspatz haben, hätte es zu den Zeiten, als sie wegautomatisiert wurden, schon Social Media gegeben. (…) Die Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Technologie durch weite Teile der intellektuellen Klasse hierzulande verhindert, dass die Zivilgesellschaft Einfluss nehmen kann: Wie können unsere Gesellschaften diese Technologie gewinnbringend einsetzen? Was wäre etwa möglich angesichts des Personalmangels in Bildung, Verwaltung und Gesundheit? Die „Künstliche Intelligenz“ ist sicher kein Allheilmittel. Und führt nicht automatisch zu einer besseren Welt. Doch auf die Idee zu kommen, das gesamte Feld wieder den IT-Konzernen zu überlassen, die zuvorderst im Sinne der Shareholder statt des Gemeinwohls arbeiten, ist intellektuelle Fahrlässigkeit.“ Beitrag im Lorenz‘ Newsletter vom 12. November 2025
- Teams kann demnächst „petzen“: Digitale Überwachung etabliert sich schleichend im Arbeitsalltag
„In wenigen Wochen führt Microsoft eine neue Teams-Funktion ein, die erkennen kann, ob sich Beschäftigte tatsächlich im Büro aufhalten. Kritiker warnen: Was als Komfortfunktion gedacht ist, öffnet die Tür für neue Formen der Überwachung. Ein manueller Klick auf „Im Büro“ oder „Im Homeoffice“ reichte bislang. Ab Dezember braucht es das nicht mehr: Microsoft Teams kann dann automatisch erkennen, ob ein Mitarbeiter wirklich im Unternehmensgebäude sitzt – anhand des WLANs, mit dem sich sein Laptop verbindet. Laut Microsoft soll die Funktion helfen, Zusammenarbeit im hybriden Arbeitsalltag zu erleichtern. Kritiker sehen darin jedoch ein neues Instrument der Kontrolle. Die alte Frage bekommt damit neue Brisanz: Wie viel Überwachung ist in der modernen Arbeitswelt heute normal? Und wie viel noch akzeptabel? (…) Nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist Standorterfassung nur erlaubt, wenn sie einem klaren Zweck dient und die Einwilligung der Beschäftigten freiwillig erfolgt. In Betrieben mit Betriebsrat ist zudem eine Vereinbarung nötig. Doch in der Praxis werden solche Formalitäten oft routinemäßig abgehakt. Arbeitgeber betonen, die Funktionen dienten der Effizienz – doch die Grenzen zur Kontrolle sind fließend. Was passiert, wenn Teams künftig automatisch anzeigt, dass jemand nicht im Büro ist? Bleibt diese Information wirklich folgenlos? Arbeitsrechtler sehen das kritisch. Für den Kölner Juristen Jens Usebach von der Kanzlei Jura.cc stellt das neue Feature in Microsoft Teams allein keine vollständige „Rundum-Überwachung“ dar, da es in erster Linie die Anwesenheit im Büro oder im Homeoffice erfasst und nicht sämtliche Aktivitäten aller Mitarbeiter lückenlos und ohne Anlass kontrolliert. (…) „Gleichwohl“, so fügt der Arbeitsrechtler im Gespräch mit ntv.de hinzu, „erweitert das automatische Standort-Tracking die Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers.“ Entscheidend sei, sagt Usebach, wie umfassend das Tool eingesetzt werde. „Erfolgt die Protokollierung permanent und ohne konkreten Anlass, bewegt sich der Arbeitgeber in einem Graubereich.“ Usebach rät Beschäftigten, sich genau erklären zu lassen, welche Daten erfasst, wie lange sie gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Transparenz sei der Schlüssel, um Missbrauch zu verhindern. (…)Usebach fordert hierfür eine präzisere gesetzliche Regelung. Zwar bilde das bestehende Recht bereits einen Rahmen, doch viele neue Technologien seien nur allgemein geregelt. 2024 wurde ein Entwurf für ein Beschäftigtendatenschutzgesetz vorgestellt, das klare Grenzen für Überwachungsmaßnahmen – bis hin zur Ortung von Arbeitnehmern – schaffen soll. Doch das Gesetz ist bis heute nicht in Kraft getreten. Mitarbeiterüberwachung hat aber nicht nur juristische, sondern auch psychologische Folgen. Studien zeigen, dass ständige Kontrolle Stress, Misstrauen und geringere Arbeitszufriedenheit erzeugt – und damit das Gegenteil dessen bewirkt, was Arbeitgeber sich versprechen – weniger Motivation statt mehr Effizienz.“ Beitrag von Diana Dittmer vom 9. November 2025 auf n-tv.de
– siehe erste Meldungen dazu hier weiter unten - [ver.di] Beschäftigten-Befragung in der IKT-Branche: Belastungen durch Digitalisierung und KI steigen – große Bedeutung betrieblicher Mitbestimmung
„Starke Arbeitsverdichtung und Transformation prägen den Arbeitsalltag; die Belastungen sind hoch, Tendenz steigend. Dies sind zentrale Ergebnisse einer von ver.di durchgeführten Beschäftigtenbefragung in Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), an der im Frühjahr und Sommer dieses Jahres bundesweit rund 13.500 Beschäftigte teilgenommen haben. Die Ergebnisse der Befragung, die auf dem DGB-Index Gute Arbeit basiert, bestätigen zudem die große Bedeutung betrieblicher Mitbestimmung und kollektiver Schutzregelungen. „Organisationsveränderungen und digitaler Wandel, inklusive KI, verursachen Sorgen und verschärfen die Anforderungen bei den Beschäftigten“, sagte Florian Haggenmiller, ver.di-Bundesfachgruppenleiter IKT. So habe sich mehr als ein Drittel der Befragten (37,6 Prozent) Sorgen um die berufliche Zukunft gemacht. „Das zeigt, wie wichtig es ist, die Transformationsprozesse unter Einbeziehung der Beschäftigten zu gestalten und durch tarifliche und betriebliche Regelungen abzusichern. Zudem ist der Handlungsbedarf bei Weiterbildung und Qualifizierung riesengroß, immerhin fühlte sich etwa ein Drittel der Befragten nicht ausreichend qualifiziert für die Erfüllung künftiger Anforderungen.“ Weitere Ergebnisse der Befragung sind: Fast 71 Prozent der Befragten sehen aktuell keine oder nur geringe Aufstiegschancen. Mehr als vier Fünftel (81,7 Prozent) gaben an, dass Organisationsveränderungen wie Restrukturierung, Auslagerungen oder Reorganisation bei ihnen im Unternehmen häufig stattfinden. Rund zwei Drittel (64,6 Prozent) erleben, dass die Anforderungen an Wissen und Können im Zuge des digitalen Wandels steigen. Arbeitshetze und Zeitdruck sind für die Mehrheit der Befragten (53,3 Prozent) Alltagsrealität, 48 Prozent berichten von einer hohen Arbeitsverdichtung innerhalb des letzten Jahres. Häufigster Grund für Arbeitsstress sind vor allem zu viele gleichzeitige Projekte und Vorgänge; dies gaben rund zwei Drittel (66,1 Prozent) an.Zudem zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass Sinngehalt und Kollegialität hoch sind. Mehr als drei Viertel der Befragten (77,3 Prozent) identifizieren sich in hohem oder sehr hohem Maße mit ihrer Arbeit. Auch der kollektive Zusammenhalt wird gut bewertet; trotz schwieriger Rahmenbedingungen berichten fast neun von zehn Beschäftigten (88,4 Prozent) von kollegialer Unterstützung in hohem oder sehr hohem Maße. Bestätigt wird zudem die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung; mehr als 19 von 20 Befragten (95,5 Prozent) halten Betriebsräte für sehr wichtig.“ ver.di-Pressemitteilung vom 12. Oktober 2025
- KI-Schrott statt Produktivitätsboom von KI-Tools am Arbeitsplatz: Wenn durch KI generierte minderwertige „Worklops“ korrigiert werden müssen
„KI-Schrott übernimmt die Arbeitsplätze. Die Arbeitnehmer gaben an, dass sie ihre Kollegen, die minderwertige KI-Arbeit eingereicht haben, für „weniger kreativ, fähig und zuverlässig halten als vor dem Erhalt des Outputs“.
Eine gemeinsame Studie von Forschern der Stanford University und einer Beratungsfirma für Arbeitsplatzleistung, die in der Harvard Business Review veröffentlicht wurde, beschreibt die Notlage von Arbeitnehmern, die die von ihren Kollegen durch KI generierten „Worklops“ korrigieren müssen, die sie als Arbeitsinhalte beschreiben, die „sich als gute Arbeit ausgeben, aber nicht die Substanz haben, um eine bestimmte Aufgabe sinnvoll voranzubringen“. Die Untersuchung, die auf einer Umfrage unter 1.150 Arbeitnehmern basiert, ist die jüngste Analyse, die darauf hindeutet, dass die Einführung von KI-Tools am Arbeitsplatz nicht zu einem magischen Produktivitätsboom geführt hat, sondern stattdessen nur die Zeit erhöht hat, die Arbeitnehmer nach eigenen Angaben mit der Korrektur von minderwertiger KI-generierter „Arbeit“ verbringen.
Die Studie der Harvard Business Review
erschien am Tag nach einer Financial Times-Analyse
von Hunderten von Gewinnberichten und Protokollen von Aktionärsversammlungen, die von S&P 500-Unternehmen eingereicht wurden. Dabei stellte sich heraus, dass große Firmen Schwierigkeiten haben, die spezifischen Vorteile einer weit verbreiteten Einführung von KI zu formulieren, aber keine Probleme haben, die Risiken und Nachteile der Technologie für ihre Unternehmen zu erklären: „Die größten börsennotierten US-Unternehmen sprechen ständig über künstliche Intelligenz. Aber abgesehen von der ‚Angst, etwas zu verpassen‘, scheinen nur wenige in der Lage zu sein, zu beschreiben, wie die Technologie ihr Geschäft zum Besseren ver
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Source: labournet.de