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Editorial · Kommando 161 · · 2h

Nach Sachsen-Anhalt: In Mecklenburg-Vorpommern geht die Straße vor der AfD nicht in Deckung

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Am Montagabend, dem 8. September 2026, standen in zwölf Städten Mecklenburg-Vorpommerns mehr als 2000 Menschen auf der Straße - in Rostock allein rund 1200, dazu Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg, Waren, Parchim, Ludwigslust, Güstrow, Neustrelitz, Ribnitz-Damgarten und Boizenburg. Der Anlass war der AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt drei Tage zuvor. Der Grund, warum es ausgerechnet jetzt so viele wurden: Am 20. September wählt auch Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag, und laut infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des NDR liegt die AfD dort nur noch drei Prozentpunkte vor der SPD.

Das ist keine kleine Randnotiz. Wenn eine Partei, die in Teilen als gesichert rechtsextrem gilt, in einem ostdeutschen Flächenland auf Augenhöhe mit der stärksten Regierungspartei steht, ist das der Ernstfall, nicht der Normalfall. Und der Ernstfall wurde in Rostock, Greifswald und Stralsund nicht mit Pressemitteilungen beantwortet, sondern mit Kundgebungen, einer Sing-Aktion auf dem Neuen Markt und Plakaten wie „Remigriert euch ins Knie". Organisiert hatte das kein Parteiapparat, sondern das Bündnis „Zusammen bewegen" - ein Zusammenschluss aus DGB, Migrantenrat und diversen parteiunabhängigen Gruppen. Genau diese außerparlamentarische Struktur ist es, die am Ende zählt, wenn Parlamente und Koalitionsverhandlungen längst entschieden haben, wie weit man einer faschistischen Partei entgegenkommt.

Bezeichnend ist auch, wer sich sonst noch zu Wort meldete: Arbeitgeberverbände. Sven Müller von der Vereinigung der Unternehmensverbände MV warnte, ohne „Weltoffenheit" und internationale Fachkräfte könne die Tourismus- und Wirtschaftsregion nicht bestehen. Das ist kein antifaschistisches Bekenntnis, das ist Standortlogik - aber es zeigt, wie sehr die AfD selbst in Teilen des Kapitals als Risiko wahrgenommen wird, nicht als Partner. Für uns heißt das: Wirtschaftsverbände sind keine Verbündeten, aber ihre Angst vor Instabilität ist ein Symptom dafür, wie ernst die Lage ist.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stellte sich in Schwerin vor gut 200 Demonstrierende und sagte, man werde die „Machtfantasien der AfD stoppen". Das mag als Wahlkampfsatz gemeint sein, aber er beschreibt trotzdem richtig, worum es geht: nicht um Sitzverteilung, sondern um die Frage, ob eine rechtsextreme Bewegung in einem weiteren Bundesland Regierungsmacht bekommt. Parlamentarische Gegenwehr allein hat das in Sachsen-Anhalt nicht verhindert. Was zählt, ist, dass die Leute auf die Straße gehen, bevor die Wahl entschieden ist - nicht erst danach, wenn Entsetzen zu Ohnmacht wird.

Wir wissen, wie das ausgeht, wenn eine Landtagswahl als überregionales Lehrstück behandelt wird und die lokale Mobilisierung trotzdem ausbleibt. Zwölf Städte an einem Montagabend sind ein Anfang, kein Ergebnis. Die eigentliche Prüfung kommt am 20. September - und danach, wenn es darum geht, ob diese Bündnisse bestehen bleiben, egal wie die Wahl ausgeht.

Sources

NDR: Nach Wahl in Sachsen-Anhalt: Proteste gegen die AfD

NDR: MV-Trend - SPD verkürzt Rückstand zur AfD

Deutschlandfunk: Die Bewerber ums Schweriner Schloss

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Source: Kommando 161