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Editorial · Kommando 161 · · 1h

Nach dem AfD-Erdrutsch in Sachsen-Anhalt: Warum die IG Metall Berlin gegen Wehrpflicht stimmt

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Am 8. September, drei Tage nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, saßen die Delegierten der IG Metall Berlin zusammen und stimmten mit großer Mehrheit für einen Antrag der IG-Metall-Jugend gegen Wehrpflicht und Militarisierung. Auf der Tagesordnung standen eigentlich Tarifrunde und Landtagswahl, aber die Verbindung, die die Delegierten selbst gezogen haben, ist keine zufällige: Aufrüstung, Sozialabbau und die Normalisierung der extremen Rechten sind kein Zufall nebeneinander, sie sind dieselbe Politik mit drei Gesichtern.

Das ist bemerkenswert, weil es von unten kommt, aus einer Gewerkschaft, die traditionell selten offen gegen die Aufrüstungslinie der Bundesregierung Stellung bezieht. Die Jugendorganisation hat den Antrag durchgesetzt, die Versammlung hat ihn mit großer Mehrheit angenommen, mitten in einer Zeit, in der Union und SPD über eine faktische Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutieren und der Verteidigungshaushalt jedes Jahr wächst, während die Tarifverhandler der Arbeitgeberseite gleichzeitig die 35-Stunden-Woche angreifen. Wer bezahlt die Aufrüstung? Nicht die Aktionäre der Rüstungskonzerne. Die Antwort der IG-Metall-Jugend: wir nicht, nicht so.

Der zeitliche Zusammenhang mit der Wahl in Sachsen-Anhalt, wo die AfD am 6. September stärkste Kraft wurde, ist von den Delegierten selbst benannt worden, nicht von uns hineininterpretiert. Sie diskutierten laut IG-Metall-Bericht intensiv über den Rechtsruck und riefen anschließend gemeinsam zur Teilnahme an der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September auf. Das ist die richtige Reaktion, aber sie greift zu kurz, wenn sie bei der Wahlurne endet. Die AfD wächst nicht trotz der Aufrüstungs- und Kürzungspolitik der sogenannten demokratischen Mitte, sie wächst mit ihr, weil beide dasselbe Weltbild bedienen: Sicherheit durch Härte, Sparzwang für die Beschäftigten, Ausgaben für die Bundeswehr.

Gewerkschaftliche Basis-Antifaschismus sieht oft genau so aus: kein Statement einer Zentrale, sondern ein Antrag von unten, durchgesetzt gegen die üblichen Reflexe der eigenen Organisation. Die IG Metall Berlin geht am 22. September in die bundesweite Forderungsfindung für die Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie, ab 31. Oktober enden die Friedenspflichten, Warnstreiks werden möglich. Diese Tarifrunde wird auch eine Antwort auf die Frage sein, ob sich Klassenpolitik und Antimilitarismus zusammenbringen lassen, bevor die extreme Rechte beides für sich beansprucht.

Uns interessiert an dieser Meldung nicht die Einzelheit einer Gewerkschaftsversammlung, sondern das Muster: Jugendorganisationen in den DGB-Gewerkschaften ziehen die Linie zwischen Aufrüstung, Sozialabbau und Rechtsruck konsequenter als ihre Vorstände. Das ist die Bewegung, die man stärken muss, nicht eine, über die man einmal berichtet und dann vergisst.

Sources

IG Metall Berlin: Delegiertenversammlung 8.9.2026

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Source: Kommando 161