Editorial Kommando 161
Live aus Göttingen: „Gen Z regelt“ – Jugendprotest am Bahnhofsvorplatz
Bundesweiter Protesttag der Generation Z gegen Sparkurs, Wehrpflicht und Aufrüstung. In Göttingen haben 1.850 Menschen zugesagt. Neuer Treffpunkt: 14 Uhr Bahnhofsvorplatz. Wir berichten live.
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Symbolbild · Rob Bogaerts / Anefo / CC0 · Wikimedia Commons
LIVE-TICKER · Göttingen, Samstag, 31. Oktober 2026. Heute geht die Generation Z bundesweit auf die Straße – auch in Göttingen. Ab 14 Uhr sammelt sich der Protest auf dem Bahnhofsvorplatz – nicht wie ursprünglich angekündigt am Gänseliesel. Wir sind vor Ort und aktualisieren diesen Bericht fortlaufend. Neue Einträge stehen oben im Ticker.
Live-Ticker
13:00 Uhr – Rechtshilfe: Der anarchistische Ermittlungsausschuss (EA) ist ab jetzt für die Demo erreichbar: +49 163 5334804 oder auf Signal @anarchistischerEAgoe.13. Den EA ruft ihr an, wenn ihr Polizeikontrollen oder Festnahmen beobachtet oder selbst betroffen seid. Er organisiert Unterstützung, damit niemand mit Repression allein bleibt. Lieber einmal zu oft anrufen als zu wenig. Der EA rät außerdem, gegenüber der Polizei keine Aussagen zu machen. Aktuelle Infos aus Göttingen gibt es auch beim Infoticker Göttingen (Telegram).
13:00 Uhr – Laut den Organisator*innen sind über Nacht noch weitere Zusagen eingegangen: Inzwischen sind es 1.900. Deshalb wurde die Demo vom Gänseliesel auf den Bahnhofsvorplatz verlegt. Ihr Aufruf: „Lasst uns gemeinsam für gute Bildung für Alle, bezahlbare Lebensverhältnisse und gegen Sozialabbau und Militarisierung laut werden!“
11:23 Uhr – Treffpunkt geändert: Die Demo startet nicht am Gänseliesel, sondern auf dem Bahnhofsvorplatz. Beginn bleibt 14 Uhr.
11:20 Uhr – Vorbericht: Auf genz-regelt.de haben inzwischen 1.850 Menschen zugesagt, nach Göttingen zu kommen. Damit liegt die Stadt bundesweit auf Platz 20. Am Donnerstag waren es laut StadtRadio Göttingen noch „um die 360“. Wir sind ab Demo-Beginn vor Ort und berichten von dort.
Worum geht es?
„Gen Z regelt“ ist eine bundesweite Jugendinitiative, die für den 31. Oktober zum gemeinsamen Protesttag in mehr als 30 Städten aufgerufen hat. Sie versteht sich als Teil der Jugendproteste, die in Frankreich, Belgien und Spanien schon laufen. Der Aufruf ist eine Abrechnung mit dem Sparkurs: Gespart werde bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit. Suchtkliniken für Jugendliche schließen, Psychotherapie sei für viele kaum noch erreichbar, gleichzeitig flössen Milliarden in die Aufrüstung.
Die Forderungen im Überblick:
- Investitionen in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben statt Kürzungen bei der jungen Generation
- Nein zu Wehrpflicht und Musterung: „Wir sollen für Kriege ausgebildet werden, über die wir nie mitentschieden haben“
- eine gerechte Lastenverteilung, statt dass Großkonzerne weiter profitieren, während die Kürzungen „auf unseren Rücken“ gehen
- kein weiterer Ausbau des Überwachungsapparats
- Mitbestimmung, wenn über die Zukunft junger Menschen entschieden wird
Die Initiative bezeichnet sich als überparteilich. Der 31. Oktober soll nach eigener Aussage „erst der Anfang“ sein.
Wie viele kommen?
Bundesweit haben sich laut t-online mehr als 160.000 Menschen online angemeldet. Die größten Zahlen meldeten am Freitag Köln (über 14.000), Frankfurt (rund 13.000) und Berlin (über 10.000). In Bremen wuchs die Anmeldung bei der Versammlungsbehörde von ursprünglich 70 auf 4.000 Personen. In Göttingen stehen inzwischen 1.900 Zusagen (Samstagmittag; am Morgen waren es 1.850). Online-Zusagen sind keine Teilnehmerzahl: Wie viele tatsächlich kommen, zeigt sich erst auf der Straße.
Gegenwind
Nicht alle stehen hinter dem Aufruf. Der Landesschülerrat Niedersachsen distanziert sich von den Protesten: Es sei unklar, wer hinter der Initiative stehe und wer die Demonstrationen organisiere. Der frühere Bundessprecher sei zurückgetreten, nachdem er vor politischer Vereinnahmung gewarnt habe. Der Verfassungsschutz wiederum warnt vor „Linksextremisten“, die die Jugendproteste nutzen könnten, und nennt in Bremen ausdrücklich die Interventionistische Linke. Dass Behörden den Protest junger Menschen gegen Kürzungen und Wehrpflicht vorab unter Extremismusverdacht stellen, sagt mehr über die Behörden als über die Jugend. Die Polizei in Hannover sieht nach eigenen Angaben „keine ernst zu nehmenden Ankündigungen“ von Ausschreitungen.
Treffpunkt
Göttingen, Bahnhofsvorplatz, Samstag, 31. Oktober, ab 14 Uhr. (Ursprünglich war das Gänseliesel angekündigt.) Kommt vorbei. Wir halten euch hier auf dem Laufenden.
Quellen: genz-regelt.de (Zusagen Göttingen, Stand Samstagvormittag) · StadtRadio Göttingen, 29.10. · Aufruf (DemokraTEAM) · t-online Köln · buten un binnen · t-online Hannover
Original reporting by Faultline / Kommando 161 — share it freely.