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Textilwerkbank in der Krise
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Das Rückgrat der bengalischen Wirtschaft: Textilarbeiter bei der Verarbeitung synthetischer Rohfasern in Patiya Upazila, Chattogram, Bangladesh, 6. September 2026.
Das Rückgrat der bengalischen Wirtschaft: Textilarbeiter bei der Verarbeitung synthetischer Rohfasern in Patiya Upazila, Chattogram, Bangladesh, 6. September 2026.
Der Iran-Krieg zeitigt in Bangladesh heftige Auswirkungen: Zu einer Art Generalabrechnung mit der neuen Regierung des Landes holte die unabhängige Abgeordnete Rumeen Farhana, einer der wichtigsten Sprecherinnen der Opposition, vorvergangene Woche im Parlament aus. Ein halbes Jahr ist Ministerpräsident Tarique Rahman nun im Amt, nachdem seine Partei, die Bangladesh Nationalist Party (BNP), bei den Wahlen im Februar einen überragenden Sieg eingefahren hatte. Die bisherige Bilanz der islamisch-konservativen BNP, die sich seit einiger Zeit ein moderneres und moderateres Image zu geben versucht, ist durchwachsen, daher stieß Farhanas Rede auf viel Widerhall.
Farhana sprach vor allem die Energiekrise an, welche die Regierung freilich nicht allein zu verantworten hat. Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran kurz nach Rahmans Amtsantritt sind die Treibstoffpreise in Bangladesh deutlich angestiegen, so wie in vielen Ländern Asiens. Es kam zu Problemen bei der Stromversorgung, Gas wurde vielfach zur Mangelware. Das sieht die Opposition als Indiz des Versagens angesichts der vollmundigen Versprechen der BNP im Wahlkampf. Von zehn Millionen neuen Arbeitsplätzen sei da die Rede gewesen, kritisierte Farhana. Nun hingegen habe das Rahman-Team den Verlust von 62.000 Arbeitsplätzen zu verantworten: »Mehr als 900 Fabriken haben geschlossen. Werden neue Arbeitsplätze geschaffen? Bei denen, die noch Arbeit haben, weiß nur Gott, wie lange ihre Stellen noch sicher sind«, zitierte die Tageszeitung The Daily Star die Abgeordnete.
Rahmans Regierung deutet an, dass Bangladesh dem sogenannten Mekka-Pakt beitreten könnte, einem neuen Militärbündnis zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei.
Die Regierung brüstet sich derweil damit, in ihren ersten 180 Tagen 12.000 öffentliche Einrichtungen an schnelles Breitband-Internet angeschlossen zu haben – die Digitalisierung hatte Rahman zu einem Kernpunkt seiner Vorstellung von einem modernen Bangladesch erklärt. Abgesehen davon, dass die Zahl schwer nachprüfbar ist, gibt es nicht viele derartige Erfolgsmeldungen. Gefeiert wird deshalb die Nachricht, dass der dänische Logistikkonzern Maersk Line, einer der Großen der globalen Schifffahrtsbranche, Interesse an Investitionen in die Werften in Bangladesh angekündigt hat. Sogar der dänische Botschafter, so die Tageszeitung Business Standard, sei beim Gespräch von Konzernvertretern mit Handels- und Industrieminister Khandakar Abdul Muktadir vorvergangene Woche dabei gewesen. Doch konkreter als die Absicht der Schaffung neuer Arbeitsplätze kundzutun wurden die Beteiligten nicht.
So stützt sich das Land wie eh und je auf die Textilbranche, das Rückgrat der Exportwirtschaft Bangladeshs, die jedoch stark unter der Energiekrise leidet. Nach einem Minus von 0,9 Prozent im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat zogen die Exporte des Landes im August nach einem Exportbericht des Wirtschaftsministeriums zwar deutlich an und lagen mit 4,43 Milliarden US-Dollar sogar gut 13 Prozent über dem Vorjahresmonat. Ob dieser plötzliche Anstieg aber von Dauer ist, dazu herrsche unter Experten große Skepsis, heißt es in der Tageszeitung Dhaka Tribune.
An der Abhängigkeit von der Textilwirtschaft dürfte auch ein Kredit im Umfang von einer Milliarde US-Dollar durch die Islamische Entwicklungsbank (IDB), der Entwicklungsbank der Organisation der Islamischen Kooperation, wenig ändern. Mit dem Kredit soll die Leistung einer staatlichen Ölraffinerie um 3 Millionen Tonnen zusätzlich raffinierten Öls ausgebaut werden. Ministerpräsident Rahman nutzte das Treffen mit Vertretern der Bank vergangene Woche, um seine wirtschaftspolitischen Pläne darzulegen. Man wolle sich von der starken Abhängigkeit vom Textilsektor lösen und neue Industrien aufbauen sowie bis 2034 das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln.In der Außenpolitik nimmt Rahmans Regierung tatsächlich Veränderungen vor. Ende Juni weilte der Ministerpräsident zu einem zweitägigen Staatsbesuch in China und traf dort, begleitet von etlichen Ministern und hochrangigen Beratern, seinen Amtskollegen Li Qiang und den diktatorisch regierenden Präsidenten Xi Jinping, der zudem Vorsitzender der kommunistischen Partei und militärischer Oberbefehlshaber ist; 13 Absichtserklärungen für verstärkte Kooperation von Medien bis Wasserwirtschaft wurden unterzeichnet. In diesem Kontext zu sehen ist auch die Nachricht vorvergangene Woche, dass Bangladesh mehrere chinesische Chengdu-J-10-Kampfjets kaufen wolle. Die Regierung begründete den Kauf mit deren erfolgreichen Einsatz in Pakistan gegen Indiens Luftwaffe im Mai 2025, was in Indien auf Unmut stieß.
Die Beziehungen zum großen westlichen Nachbarn Bangladeshs haben sich nach dem Regierungswechsel in Dhaka verschlechtert. Grund ist vor allem eine Frau: Sheikh Hasina, die Anfang August 2024 nach wochenlangen Studentenprotesten gestürzte ehemalige autoritäre Ministerpräsidentin Bangladeshs, die seither im indischen Exil lebt. Mitte Juli verkündete sie für Dezember ihren Willen zur Heimkehr, obwohl ihr sofortige Verhaftung und Vollzug eines Todesurteils droht. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, gegen Demonstrierende den Gebrauch tödlicher scharfer Munition angeordnet zu haben. Bangladesh hatte erst Mitte Juli aufgrund von Korruptionsvorwürfen Vermögenswerte von umgerechnet 6,19 Milliarden Dollar eingefroren, die Hasina, ihrer Familie und den zehn größten Konzernen im Land von der Regierung zugerechnet werden. Dass sie sich am 5. August bei einer Veranstaltung des Foreign Correspondents Clubs im indischen Neu-Delhi frei vor der Presse äußern konnte, sorgte für heftige Kritik in ihrem Heimatland.
Indiens Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi wolle die Beziehungen trotzdem wieder verbessern, meldete zuletzt der britische Sender BBC. Dass Rahmans Regierung andeutet, Bangladesh könnte dem sogenannten Mekka-Pakt beitreten, einem neuen Militärbündnis zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei, kommt bei der indischen Regierung dagegen nicht gut an. Der große Nachbar hatte Bangladesh 1971 geholfen, unter hohem Blutzoll die Unabhängigkeit von Pakistan zu erkämpfen, die Beziehungen waren 50 Jahre lang eng. Seit dem repressiven Vorgehen der proindischen Regierung Hasina gegen die Proteste und ihrem anschließenden Sturz wird Indiens Rolle in Bangladesh allerdings nicht mehr mit Freiheit in Verbindung gebracht.
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Source: jungle.world