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Punktsieg für das iranische Regime
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Fühlen sich dem Sieg des Islam nah: Houthi-Anhänger bei einer Demonstration gegen Israel und die USA im April in Jemens Hauptstadt Sanaa
Fühlen sich dem Sieg des Islam nah: Houthi-Anhänger bei einer Demonstration gegen Israel und die USA im April in Jemens Hauptstadt Sanaa
Die Houthis sind im Jemen auf dem Vormarsch: Die schiitisch-islamistische proiranische Miliz hat am vergangenen Donnerstag nach tagelangen Kämpfen die strategisch wichtige Hafenstadt Mocha erobert, die bis dahin von den Truppen der international anerkannten jemenitischen Regierung unter Präsident Rashad al-Alimi gehalten wurde. Ebenso eroberten sie im Rahmen einer die Woche zuvor begonnenen Offensive die Stadt Dhubab südlich von Mocha und rückten nahe der strategisch wichtigen Stadt Taiz östlich davon bis zur Südwestküste des Jemen vor. Vor allem aber eroberten sie am Donnerstag die Hanish-Inseln und einen Tag später die Insel Perim im Roten Meer. Somit kann die islamistische Miliz nun den Schifffahrtsverkehr durch den dort gelegenen Bab al-Mandab kontrollieren, jener wichtigen Meerenge, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und damit das Mittelmeer über den Suez-Kanal mit Asien und Ostafrika verbindet.
Zwar behaupteten die Houthis zunächst, die Schifffahrt durch die Meerenge sei sicher, doch haben sie nun die Möglichkeit, durch eine Drohung mit Angriffen auf Handelsschiffe Abgaben für die Durchfahrt zu erpressen und Blockaden als politisches Druckmittel gegen den Rest der Welt zu nutzen, so wie sie es bereits in Solidarität mit der Hamas gegen Israel ab Oktober 2023 getan hatten. Bis 2023 passierten täglich neun Millionen Barrel Rohöl die Meeresstraße, etwa neun Prozent der weltweiten Nachfrage, ebenso etwa zehn Prozent des auf See verschifften Güterverkehrs, doch auch nach den Houthi-Angriffen ab 2023 fuhren noch etwa halb so viele Schiffe wie vor 2023 durch den Bab al-Mandab.
Zwar behaupteten die Houthis zunächst, die Schifffahrt durch die Meerenge sei sicher, doch haben sie nun die Möglichkeit, durch eine Drohung mit Angriffen auf Handelsschiffe Abgaben für die Durchfahrt zu erpressen und Blockaden als politisches Druckmittel gegen den Rest der Welt zu nutzen.
Die Houthi-Miliz wird von der Islamischen Republik Iran mit Waffen und Geld, aber auch mit Militärtechnologie unterstützt und gilt als deren Verbündeter. Nach Angaben der US-Regierung halten sich im Jemen Hunderte Offiziere der iranischen Revolutionsgarden, der mächtigen regimetreuen Parallelarmee, als Militärberater auf. Zahlreiche Expert:innen befürchten, dass die Houthis die Kontrolle der Meerenge auch im Sinne des iranischen Regimes nutzen dürften.
Dementsprechend alarmiert reagierte Jemens Präsident al-Alimi, der als Vorsitzender eines achtköpfigen Präsidialrats unterschiedliche politische Lager zusammenhalten muss, darunter sunnitische Islamisten, lokale Stammesführer sowie die Anhänger von Tarik Saleh, dem Neffen des 2017 von einem Houthi-Scharfschützen getöteten ehemaligen autoritären Präsidenten Ali Abdullah Saleh.
Al-Alimi warf den »terroristischen Milizen« der Houthis militärische Aggression und die Verletzung von Abkommen vor, wobei er sich auf den inoffiziellen Waffenstillstand bezog, der ab 2022 den 2014 ausgebrochenen jemenitischen Bürgerkrieg beruhigt und bis Juli dieses Jahres gehalten hatte. Zudem warf er dem Iran vor, sein Land durch die Unterstützung der Houthis zu destabilisieren, eine Flüchtlingskrise zu verursachen und die internationale Schifffahrt zu gefährden. Vor allem aber rief er ausländische Staaten auf, zum Schutz der Handelsschifffahrt seine Regierung gegen die Houthis zu unterstützen.
Al-Alimis Aufruf folgte vor allem Saudi-Arabien, dessen Regierung bereits seit dem Ausbruch des jemenitischen Bürgerkriegs 2014 bemüht ist, die Macht der Houthis einzuhegen. Zu diesem Zweck stellte Saudi-Arabien Anfang 2015 eine internationale Militärkoalition gegen die Miliz zusammen und führte auch selbst Luftangriffe auf die Houthis aus. Diese wurden 2022 eingestellt, doch am Mittwoch voriger Woche in großem Stil wieder aufgenommen, nachdem die Houthis einen Tag vorher vier Städte im Südwesten Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen angegriffen hatten, wobei sie wichtige Ölanlagen sowie zivile Einrichtungen trafen und über 70 Menschen verletzten. Vergangenen Sonntag folgten weitere Houthi-Angriffe auf saudische Städte und den Ölexporthafen Yanbu am roten Meer, wo eine wichtige Pipeline aus dem Nordosten Saudi-Arabiens endet. Diese ist nach Angriffen einer proiranischen schiitischen Miliz im Irak derzeit außer Betrieb. Bereits im Juli hatte die Houthi-Miliz als Reaktion auf einen saudischen Luftangriff auf einen Flughafen eine Seeblockade gegen saudi-arabische Schiffe erklärt und damit die Ölexporte des Landes nach Asien behindert.
Dem US-Nachrichtensender CNN zufolge befinden sich seit einigen Wochen etwa 200 US-Militärberater in Saudi-Arabien, um deren Armee geheimdienstlich zu unterstützen. Telefonische Bitten des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman um US-Luftangriffe oder logistische Unterstützung wies US-Präsident Donald Trump jedoch ab. Ihm zufolge hätten auch die Houthis die USA kontaktiert. »Sie wollen nicht mit uns kämpfen«, fügte er hinzu.
Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats vorigen Donnerstag sprachen die UN davon, 22 der über 30 Millionen Menschen im Jemen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Die Eskalation verschärft die schwierige humanitäre Lage des Jemen, die sich nach dem Abschluss des Waffenstillstands von 2022 zunächst stabilisiert hatte. Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats vorigen Donnerstag sprachen die UN davon, 22 der über 30 Millionen Menschen im Jemen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die weltweiten Kürzungen bei Nothilfeprogrammen, die Schließungen der Meerengen und die Energiekrise dürften diese humanitäre Notlage im Jemen zusätzlich verschärfen, zumal die Houthis immer wieder UN-Hilfsorganisationen behindern und deren Hilfsgüter plündern.
Dem Regime der Islamischen Republik Iran nützt die Lage im Jemen sehr, stärkt es doch seine Verhandlungsposition im seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar anhaltenden Wirtschaftskrieg mit den USA. Durch die Eroberung des Bab al-Mandab kontrollieren Verbündeten des Iran nun gleich zwei wichtige Meeresstraßen, die sie ähnlich wie Angriffe auf saudische Ölanlagen als politisches Druckmittel einsetzen können.
Ein Beleg ist der Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar pro Barrel vergangene Woche. Vor allem in den USA steigt dementsprechend der innenpolitische Druck auf US-Präsident Donald Trump vor den im November stattfindenden US-Zwischenwahlen zum US-Kongress. Umfragen lassen deutliche Verluste seiner Republikanischen Partei erwarten. Zwar behauptete Trump, der Krieg werde kurz nach den Zwischenwahlen enden, doch nach einem Bericht des Wall Street Journal hielten mehrere seiner Berater es angesichts der iranischen Taktik für möglich, dass er bis zum Ende von Trumps zweiter und laut Verfassung letzter Amtszeit weitergehen könnte, also bis Anfang 2029.
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Source: jungle.world