Kommando 161 Faultline Kommando 161

Germany · jungle.world · 6h

Mit Vati im Vaterland

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Verwirrte ­Familie. In Wirklichkeit trat Thomas Mann die ­Reise nach Deutschland 1949 nicht wie in »Vaterland« mit Tochter Erika, sondern mit Frau Katia an

Verwirrte ­Familie. In Wirklichkeit trat Thomas Mann die ­Reise nach Deutschland 1949 nicht wie in »Vaterland« mit Tochter Erika, sondern mit Frau Katia an

Die Kritiker zeigten sich während der vergangenen Filmfestspiele von Cannes begeistert von Paweł Pawlikowskis »Vaterland« – kein Wunder, denn der zu einem großen Teil fiktive Historienfilm über eine gemeinsame Reise des Schriftstellers Thomas Mann und seiner Tochter Erika durch das geteilte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wirkt wie eigens für sie gedreht. Nichts schreit so sehr »ästhetischer Anspruch!« wie Schwarzweißfilm und 4:3-Format. Und in der Tat sind die sorgsam komponierten Bilder eines kaputten Deutschlands, in denen sich mit großer Sorgfalt zusammengesuchte zeittypische Charaktergesichter tummeln, durchaus gelungen. Auch erzählerisch wartet der Film mit einer ganzen Abfolge starker Momente auf. Was den Kritikern jedoch nicht aufgefallen ist: »Vaterland« ächzt zugleich ziemlich unter seiner arg bemühten Konstruktion.

Das erste Gesicht gehört dem Schauspieler August Diehl und soll dasjenige von Klaus Mann, Thomas’ ebenfalls schreibendem Sohn, darstellen. Das funktioniert so mäßig, Diehl geht die Feinheit von Klaus Manns Zügen ab und sein Text wirkt auswendig gelernt. Er spricht ihn resigniert in seinem Hotelzimmer in Cannes in einen Telefonhörer und sinniert über die Belanglosigkeit von Ost und West, »Stalin oder Micky Maus«. In seinem Bett liegt ein junger Liebhaber, der sich schließlich im Hintergrund geräuschlos ankleidet, um das Zimmer zu verlassen. Es bleibt der einzige Verweis auf Klaus Manns für seine Zeit ungewöhnlich offen gelebte Homosexualität, obschon sie für sein Verhältnis zu seinem Vater, dessen ambivalente Haltung zu Homosexualität und Begehren unverkennbar Einzug in sein Werk gefunden hat, von zentraler Bedeutung gewesen sein dürfte.

Hanns Zischler spielt Thomas Mann eindringlich als einen zwischen den Ländern und Rollen wie zwischen seiner Kontrolliertheit und den Gefühlen Zerrissenen.

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Source: jungle.world