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Macht und Basketball
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»Stand together« Die Basketball Association of America (BAA) und die National Basketball League (NBL) schließen sich 1949 in New York zur National Basketball Association (NBA) zusammen. Lachend in der Mitte: Maurice Podoloff, bis 1963 ihr Präsident
»Stand together« Die Basketball Association of America (BAA) und die National Basketball League (NBL) schließen sich 1949 in New York zur National Basketball Association (NBA) zusammen. Lachend in der Mitte: Maurice Podoloff, bis 1963 ihr Präsident
Obwohl die Saison erst Ende Oktober beginnt, sorgten zwei der bekanntesten Franchises des US-amerikanischen Profi-Basketballs, die Lakers sowie die Clippers aus Los Angeles, in den letzten Wochen für Schlagzeilen. Während es bei den Lakers einen Besitzerwechsel für die gigantische Summe von 12,5 Milliarden Dollar gab, wurden die ebenfalls in Los Angeles beheimateten Clippers mit ihrem Besitzer Steve Ballmer wegen »krassen Regelverletzungen« von der National Basketball Association (NBA) zu einer harten Strafe verurteilt.
Nach einer einjährigen Untersuchung sanktionierte die NBA die Clippers, weil diese mit regelwidrigen Sponsorenzahlungen die für alle Mannschaften geltende Gehaltsobergrenze umgangen hatten. Das Franchise hatte dem Spieler Kawhi Leonard unter anderem einen Werbevertrag in Höhe von 28 Millionen Dollar vermittelt, für den der 35jährige aber keine Gegenleistung abliefern musste.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Teams innerhalb des »Milliardärs-Kommunismus« ihre Eigentümer wechseln, wie der Inhaber der Dallas Mavericks, Mark Cuban, die NBA mal bezeichnete. Ihm zufolge handelt es sich um ein »kartellartiges, sozialistisches System«.
Das Franchise wurde deshalb zu einer Strafe von 30 Millionen Dollar verurteilt und verlor fünf Erstrunden-Draftpicks, also das Recht, sich bei der alljährlichen NBA-Rekrutierungsrunde Nachwuchsspieler auszusuchen. Der Besitzer der Clippers, Steve Ballmer, wurde zudem für ein Jahr von allen Liga- und Teamaktivitäten suspendiert. Der NBA zufolge hat Ballmer »wissentlich versucht«, dem Spieler Leonard »Verdienstmöglichkeiten außerhalb des Sports« zu verschaffen. Weitere Funktionäre des Franchises wurden für geraume Zeit von ihren Ämtern suspendiert. Leonard, der künftig bei den Toronto Raptors spielt, muss dagegen nur 700.000 Dollar Strafe zahlen.
Bei den benachbarten Lakers rumort es, seitdem der bisherige Mehrheitsbesitzer Mark Walter in diesem Sommer überraschend vereinbart hat, seine Mehrheitsanteile an ein Konsortium unter Führung von Bob Iger, der bis vor kurzem den Disney-Konzern leitete, und dem Investor Joshua Kushner zu verkaufen. Erst ein Jahr zuvor hatte Walter, der auch noch Anteile am englischen Fußballclub Chelsea FC und an dem Baseball-Team Los Angeles Dodgers hält, die Anteile für zehn Milliarden erworben. Der schnelle Verkauf sorgte für allerlei Spekulationen in den Medien. Nun wurde bekannt, dass US-Bundesstaatsanwälte und die Börsenaufsicht SEC im Zusammenhang mit Walters Firmenimperium TWG Global ermitteln. Der Vorwurf: Konzerninterne Anlagen der Versicherer Delaware Life und Clear Spring Life könnten in dessen Bilanzen unzutreffend als von TWG unabhängige Investments ausgewiesen worden sein.
In den vergangenen Wochen hatte Walters Holding-Gesellschaft Maßnahmen in die Wege geleitet, um konzerninterne Anlagen bei den beiden Lebensversicherern Delaware Life und Clear Spring Life abzubauen. Die Ermittlungen wegen möglicher Bilanzierungsfehler hatten Spekulationen ausgelöst, dass Walter weitere Beteiligungen an Sportunternehmen abstoßen könnte. TWG teilte allerdings mit, weder die Los Angeles Dodgers noch Motorsport-Beteiligungen verkaufen zu wollen. Ein solcher Wechsel an der Führungsspitze eines der beliebtesten Teams in der US-amerikanischen Basketballliga wird gerne zu einem Politikum aufgeblasen, derlei spielt für den Unterhaltungswert der Liga einen große Rolle.
Knapp die Hälfte der Teambesitzer in der National Basketball Association ist jüdisch. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass in den zwanziger bis vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Sportart in den USA stark durch jüdische Einwanderer geprägt wurde.
Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, dass die einzelnen Teams innerhalb des »Milliardärs-Kommunismus« ihre Eigentümer wechseln, wie der Inhaber der Dallas Mavericks, Mark Cuban, die NBA mal bezeichnete. Ihm zufolge handelt es sich um ein »kartellartiges, sozialistisches System«, das für Investoren lukrativ sei, weil der Wettbewerb stark verzerrt werde. So gibt es neben der Aufteilung der NBA-Einnahmen an alle Teams eine Gehaltsobergrenze für Spieler, und im Draft erhalten die schwächeren Teams größere Chancen auf einen höheren Pick. Der Gedanke dahinter ist einfach: Alle Investoren sollen eine realistische Chance haben, ihre investierten Dollars nicht nur wieder herauszuholen, sondern Gewinn zu erzielen.
Knapp die Hälfte der Teambesitzer in der National Basketball Association ist jüdisch. Mit dem vereinbarten Verkauf der Lakers an Bob Iger und Joshua Kushner werden 14 der 30 NBA-Teams jüdische Haupteigentümer haben; hinzu kommen Minderheitseigentümer bei weiteren Franchises. Keine andere große US-Profiliga weist einen ähnlich hohen Anteil jüdischer Teambesitzer auf. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass in den zwanziger bis vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Sportart in den USA stark durch jüdische Einwanderer geprägt wurde. Einerseits konnte der Sport in urbanen Zentren ohne hohe Kosten ausgeübt werden, andererseits entstanden insbesondere im späteren Kampf gegen Rassendiskriminierung wichtige politische Allianzen zwischen Schwarzen und Juden. Nicht nur auf dem Court stand man zusammen. Die Bürgerrechtsallianzen der sechziger Jahre verbanden politische Koryphäen wie Martin Luther King Jr. und den Rabbiner Abraham Joshua Heschel: Beide nahmen 1965 zusammen am berühmten Marsch von Selma nach Montgomery teil.
In den ersten Jahren der NBA, die aus der 1946 gegründeten Basketball Association of America (BAA) hervorging und seit 1949 unter ihrem jetzigen Namen firmiert, hatte es zwar kein offizielles Verbot afroamerikanischer Spieler gegeben, trotzdem wurden sie zunächst vollständig und später durch eine informelle Quotenpraxis systematisch benachteiligt. Unter dem ersten Präsidenten der NBA, dem Juden Maurice Podoloff, geboren 1890 in der heutigen Ukraine, begann 1950 die Integration schwarzer Spieler in die Liga. Entscheidend waren dabei Teambesitzer wie Walter Brown von den Boston Celtics und Trainer wie Red Auerbach. 1950 betraten mit Chuck Cooper, Earl Lloyd und Nat »Sweetwater« Clifton die ersten Afroamerikaner den Court. Der Kampf um Gleichberechtigung war damit aber längst noch nicht abgeschlossen.
Bis hinein in die sechziger Jahre kam es immer wieder vor, dass afroamerikanischen Spielern der Zutritt zu Hotels verboten wurde. Als im Januar 1959 ein Hotelangestellter vor der versammelten Mannschaft der Minneapolis Lakers erklärte, dass die weißen Spieler einchecken dürften, aber die schwarzen Spieler nicht, verließ das gesamte Team aus Protest das Hotel und zog gemeinsam in eine Unterkunft, die auch schwarze Gäste aufnahm. Der Spieler Elgin Baylor ging einen Schritt weiter und boykottierte das Spiel am darauffolgenden Tag. Bekannte Spieler wie Bill Russell und Kareem Abdul-Jabbar unterstützten vor allem in den folgenden Jahren die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung und nutzten ihre Bekanntheit, um sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismus zu engagieren.
2005 entspann sich eine Debatte über die Bekleidung der Spieler. Der damalige NBA-Commissioner David Stern führte einen strengen Dresscode ein, der weithin als Versuch verstanden wurde, das »HipHop-Image« der Liga abzuschwächen.
Während viele afroamerikanische Athleten den professionellen Basketballsport als Sprachrohr nutzten, inszenierten die Funktionäre der NBA ihr Produkt als Unterhaltungsprogramm für ein vorwiegend weißes Publikum. Dieser Zwiespalt zeigte sich in der Geschichte der Liga immer wieder. 2005 entspann sich eine Debatte über die Bekleidung der Spieler. Der damalige NBA-Commissioner David Stern führte einen strengen Dresscode ein, der weithin als Versuch verstanden wurde, das »HipHop-Image« der Liga abzuschwächen. Die Spieler sollten bei offiziellen Anlässen bürotaugliche Freizeitkleidung tragen; unter anderem wurden bestimmte Kleidungsstücke und offen getragene Halsketten verboten. Die Spielergewerkschaft (NBPA) sowie prominente Stars wie Allen Iverson wehrten sich gegen diese Pläne. Der Dresscode wurde trotzdem zum Beginn der Saison 2005/06 eingeführt und von der Liga durchgesetzt.
Die Tatsache, dass der Spieler Kawhi Leonard nun eine vergleichsweise geringe Strafe entrichten muss, obwohl er der Nutznießer der Umgehung der Gehaltsobergrenze war, deutet darauf hin, dass die Spielergewerkschaft eine der wenigen Gewerkschaften in den USA ist, deren Macht mit jedem Jahr zunimmt. Der NBA-Vorsitzende Adam Silver habe sich »richtigerweise mit den Clippers und Ballmer angelegt«, kommentiert Finn Fichtner auf der Sportnachrichten-Website Spox, doch »vor der Spielergewerkschaft, die ihm schon drohte, kuschte er gerne«. Dass der Starspieler eine Saison lang gesperrt würde, was zeitweise im Gespräch war, hielten viele Beobachter ohnehin für ausgeschlossen. Aber dass er komplett ohne Sportstrafe davonkommt, erstaunt dann doch. Die Machtverhältnisse innerhalb der Liga haben sich in den letzten Jahrzehnten so weit verschoben, dass die Besitzer der Teams lieber einen der Ihren hart bestrafen, um den Wettbewerb innerhalb ihres Kartells in gewinnträchtiger Form aufrechtzuerhalten, aber den Spieler mit einer Ermahnung davonkommen lassen. Der Cashflow hängt schließlich davon ab, ob die Spieler auf dem Court die Fans in der Halle verzücken, und nicht davon, welcher Milliardär gerade die Mehrheit an einem bestimmten Franchise hält.
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Source: jungle.world