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Jesus’ Katze
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Grigor Shashikyan, genannt »Grig«, wurde 1991 in Eriwan geboren. Bislang hat er drei Bücher geschrieben, die in Armenien zu Bestsellern wurden. Für »Jesus’ Katze«, das 2015 zum ersten Mal erschien, wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem einem Jugendpreis des armenischen Präsidenten.
Grigor Shashikyan, genannt »Grig«, wurde 1991 in Eriwan geboren. Bislang hat er drei Bücher geschrieben, die in Armenien zu Bestsellern wurden. Für »Jesus’ Katze«, das 2015 zum ersten Mal erschien, wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem einem Jugendpreis des armenischen Präsidenten.
Es war der fünfte November, als ich den kleinen Mann zum ersten Mal traf. Der Tag war feucht, die Blätter fielen und vermischten sich mit Schlamm, der Boden wurde rutschig. Ich kam von der Uni und beschloss, zum Vernissage-Markt zu gehen, um ein Buch zu kaufen (dort kaufte ich oft, es war vergleichsweise billig). Ich ging langsam und in Gedanken versunken. Fast hatte ich die Vernissage erreicht, da bemerkte ich unweit vom Bürgersteig unter den Bäumen drei, vier kleine Gemälde. Als ich näherkam, sah ich auf allen Bildern Wolken. Es waren schlichte, gewöhnliche, vielleicht sogar schwache Werke, aber etwas an diesen Wolken zog mich an.
Während ich dastand und schaute, trat ein kleiner, nicht sonderlich gut gekleideter Mann zu mir, grüßte höflich und fragte, ob ich nicht ein Bild kaufen wolle. Ich stutzte; ich hatte ihn für einen gewöhnlichen Obdachlosen gehalten, der um Geld bitten würde, aber es stellte sich heraus, dass er selbst der Maler war.
»Ich verstehe nicht«, sagte ich lächelnd, »auf allen Gemälden sind klare, helle Wolken abgebildet, aber Sie geben ihnen traurige Namen.«
»Ja, meine«, sagte der kleine Mann beiläufig, machte einen Schritt auf die Gemälde zu und schob mit einem Fuß die gefallenen Blätter zur Seite. Erneut warf ich einen Blick auf den Mann, sah ihn nun aufmerksamer an, als wollte ich das Gesagte überprüfen. Der Mann war klein, über fünfzig, und auf seinen Kleidern und Händen waren Spuren von Farbe.
»Für wie viel verkaufen Sie?«, fragte ich leichthin und wusste, ich würde ohnehin nichts kaufen können, denn ich hatte nur zweitausend Dram und ein paar Münzen.»Für zwanzigtausend können Sie es haben«, antwortete der kleine Mann.
»Sind Sie morgen hier?«, fragte ich und legte Bedauern in meine Stimme. »Jetzt habe ich kein Geld dabei.«
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Source: jungle.world