Germany · jungle.world · · 1h
Homestory #41/2026
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Deutschland im Herbst ist ziemlich ungemütlich. Und das Wetter ist auch schlecht. Den Eindruck hat man insbesondere, wenn man gerade aus dem sonnigen Armenien zurückkommt, wo die Granatäpfel gerade erst reif werden.
Erholsam war es auch, die politischen Geschehnisse in Deutschland temporär aus einem Sicherheitsabstand von fast 3000 Kilometer Luftlinie zu verfolgen. Klar, woanders ist das Gras immer grüner, und Armenien hat auch Probleme – gerade ließ zum Beispiel der für gangsterhafte Drohungen zuständige ehemalige russische Präsident Dmitrij Medwedjew in einem Interview die Bemerkung fallen, das Land könne als »neue Ukraine« enden, sollte es am Kurs der Loslösung vom russischen Einfluss festhalten. Aber immerhin gibt es dort keine AfD, die in Landtagen als stärkste Kraft auftritt, und keine Hamas-Verehrer, die am 7. Oktober unter dem Motto »Bis zum Endsie … «, nein, Moment, »Bis zur totalen Befreiung« durch Berlin-Kreuzberg marschieren wollen, um am Jahrestag das massenmörderische Pogrom zu feiern, darunter solche Gruppen wie Alliance of Internationalist Feminists oder Global South United aus dem Gruselkabinett der Berliner Antisemiten-Szene.
Die Umstellung nach der Rückkehr aus Eriwan fiel einigen in der Redaktion schwer. »Ich bin angekommen und war direkt genervt vom Berlin-Marathon; alles war voller Leute, wirklich alles«, meint einer. »Ich hab im Vergleich gemerkt, wie entspannt die Menschen in Eriwan sind; niemand schreit, nicht so in Berlin, wo Geschrei ein ständiger Begleiter ist.« Hat man erst einmal einige Zeit unter Armeniern gelebt, muss man sich tatsächlich erst mal innerlich wappnen, um mit Berlinern klarzukommen. Eine Redakteurin hat sich immerhin über das Brot gefreut, statt der armenischen »Lawaschlappen«, pardon.
Aber es gibt natürlich auch Lichtblicke in Berlin, etwa das Bajszel in Neukölln, und die Leute, die man dort trifft, wiedersieht oder kennenlernt, etwa weil sie am Donnerstag voriger Woche den Weg dorthin gefunden hatten, um die Vorstellung der extradicken Armenien-Ausgabe dieser Zeitung mit Cognac zu begießen. Mögen die aus Armenien mitgebrachten Texte den Leser:innen noch den einen oder anderen verregneten Nachmittag verschönern.
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Source: jungle.world