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Geschmachtet und gesehnt
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Kamo Hovhannisyan: Kantsnen Orer (Star Records)
Kamo Hovhannisyan: Kantsnen Orer (Star Records)
Der Sound der Achtziger hörte in Eriwan auf den Namen Rabiz. Auf Hochzeiten und in Restaurants wurde zu den hypnotischen Liedern des Genres getanzt und in Taxis liefen Bootleg-Kassetten. Der Name kommt, so lautet zumindest eine Erklärung, vom russischen Begriff rabotscheje iskusstwa (Arbeiterkunst). Dieses Schlagwort der sowjetischen zwanziger Jahre, das sich auf die damals zu schaffende neue proletarische Kultur bezog, wurde – so muss man annehmen – Jahrzehnte später mit einer gewissen Ironie wiederaufgegriffen. Denn Rabiz entstand ganz abseits der offiziellen Sowjetkultur in den Arbeitervierteln Eriwans und war mit seiner Mischung aus armenischer Volksmusik, nahöstlichen Einflüssen, Synthesizern und tanzbaren Beats ein genuin popkulturelles Phänomen. Bis heute haftet dem Genre das Image des Prolligen an – und bis heute scheint es das Lieblingsgenre von Taxifahrern und auf wilden Partys zu sein.
Von offiziellen Labels hielt er sich fern, spielte dafür Konzerte in Restaurants und auf Privatpartys, wo er selbstproduzierte Kassetten verkaufte.
Das kalifornische Label Star Records, das auf armenische Musik spezialisiert ist, hat kürzlich mit »Kantsnen Orer« eine Art Compilation mit alten Liedern eines der interessantesten Rabiz-Musiker veröffentlicht: des 1989 mit 30 Jahren verstorbenen Sängers Kamo Hovhannisyan. Das Label Discotchari, das dessen Musik zuvor ebenfalls wiederveröffentlicht hat, beschreibt ihn als eine Art Soul-Legende des sowjetarmenischen Undergrounds: Von offiziellen Labels hielt er sich fern, spielte dafür Konzerte in Restaurants und auf Privatpartys, wo er selbstproduzierte Kassetten verkaufte. Sein Sound stammt unverkennbar aus den Achtzigern: Synthesizer, stellenweise fast psychedelische Klänge, dann wieder Beats wie von einer Funkband. Und natürlich wird, mit Hovhannisyans einzigartiger Stimme, geschmachtet und gesehnt bis zum Abwinken: »Ich liebte deine schwarzen Augen / Deine schwarzen Augen, meine Geliebte … « Besser lässt sich keine Zeitreise in einen Sommer in Eriwan untermalen.
Kamo Hovhannisyan: Kantsnen Orer (Star Records)
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Source: jungle.world