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Fortgesetzter Widerspruch

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Melanie Ohnemus und Benedict Reichenbach: John Miller. Contradicting Statements. Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2026

Melanie Ohnemus und Benedict Reichenbach: John Miller. Contradicting Statements. Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2026

Im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König ist ein Buch zur Videoarbeit »Contradicting Statements« (1977) des US-amerikanischen Konzeptkünstlers John Miller erschienen. Seine wegweisende Arbeit ist inspiriert von John Baldessaris Post-Studio-Art-­Seminar am California Institute of the Arts 1975, an dem Miller als Student teilgenommen hatte. Dort wurde nicht gemalt, sondern mit Künstler:innen gesprochen, die mit Video arbeiteten. Eine Technologie, die zu dieser Zeit brandneu war und der man revolutio­näre Kraft beimaß.

Standbilder der Videoarbeit, eine Performance von sechs Akteuren, die angewiesen sind, dem jeweils vorangegangen Sprecher zu widersprechen, werden in der oberen Hälfte der Buchseiten gezeigt, der Text, meist nur ein Satz, läuft unten über die Seite. 

Die Kuratorin Melanie Ohnemus und der Graphiker Benedict Reichenbach haben Millers neunminütige Arbeit nun kongenial in das Medium Buch übersetzt. Das Cover ist braun – die Farbe, mit der Miller wiederholt die Gleichsetzung von Fäkalien und Geld sym­bolisiert hat. Der Font ist Calibri, eine Standardschrift jeder Excel-Datei in den Büros unserer Welt. Wem diese intellektuellen Spitzfindigkeiten egal sind, mag sich an der Klarheit der Gestaltung erfreuen, die an das Suhrkamp-Design eines Willy Fleckhaus erinnert.

Standbilder der Videoarbeit, eine Performance von sechs Akteuren, die angewiesen sind, dem jeweils vorangegangen Sprecher zu widersprechen, werden in der oberen Hälfte der Buchseiten gezeigt, der Text, meist nur ein Satz, läuft unten über die Seite. Dabei konzentriert sich die Gestaltung auf das synchrone Wechselspiel von Bild und Wort, das die Flüchtigkeit von (Sprach-)Bewegung erzeugt. Das Buch nutzt die Versuchsanordnung der Videoarbeit, um das Verhältnis von parole (Sprechakt) und langue (abstraktes System) zu erkunden. Zusammen mit einer Einführung und einem Essay, clever versteckt als Leporello im Einband, ist diese vordergründig triviale Arbeit ein spielerisches Nachdenken über Objektivität und soziale Kon­struktion von Sprache. Semiotik als Anti-Coffetable-Book vom Feinsten.

Melanie Ohnemus und Benedict Reichenbach: John Miller. Contradicting Statements. Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2026, 164 Seiten, 18 Euro

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Source: jungle.world